Reiseinformationen Marokko

Stand: März 2017

Land

Marokko ist der nordwestlichste Staat auf dem afrikanischen Kontinent. Das beanspruchte Staatsgebiet ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, hat im Vergleich aber nur die Hälfte Einwohner. Die Bevölkerung setzt sich aus Berbern, Nomaden, Arabern und Mauren zusammen. Der Islam ist Staatsreligion. Das Land gilt als wirtschaftlich aufstrebend und politisch stabil. Von den Wirren des arabischen Frühlings blieb das Land dank der gemäßigten Staatsführung durch Seine Majestät der König Mohammed VI verschont.

Von den direkten Nachbarstaaten hat sich Marokko weitgehend isoliert. Die Grenze zu Algerien ist geschlossen, nach Mauretanien führt nur ein Grenzübergang an der äußersten Südspitze. Seit 1975 hält die Erbmonarchie Marokko die Westsahara militärisch besetzt. Die Beanspruchung des an Bodenschätzen reichen Territoriums ist international umstritten. Dennoch profitiert die ansässige Bevölkerung von massiven Investitionen in die Infrastruktur.

Viele Europäer reisen regelmäßig zum Überwintern nach Marokko, sie schätzen das Land als warmes und günstiges Reiseziel. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gegenüber Touristen ist sprichwörtlich. Als islamisches Land sind Alkohol und Schweinefleisch in Marokko tabuisiert. Außereheliche und gleichgeschlechtliche Handlungen sind grundsätzlich Straftatbestände. Auch der Besitz von Rauschgift ist strafbar.

Klima

Marokko vereint durch seine Geographie mehrere Klimazonen: Küste, Trockenwüste, Hochgebirge und Tropen. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter frühlingshaft mild. Südlich des Atlas bleiben die Tagestemperaturen auch im Winter stabil über 15°C. Viele Reisende ziehen regelmäßig zum Überwintern mit Vorliebe nach Marokko. In den oft windstillen Wüsten fallen die Temperaturen nachts jedoch unter den Gefrierpunkt. An der Küste weht meist ein starker Wind. Die Höhenlagen des Atlas sind im Winter oft unzugänglich verschneit. Regen fällt vor allem im Herbst, dann ist bis in die Westsahara mit plötzlichen Überschwemmungen zu rechnen. 

Einreise und Aufenthaltsdauer

Jeder einreisende deutsche Bürger benötigt einen eigenen noch 6 Monate gültigen Reisepass mit Passbild. Bei der Einreise erhält der Tourist eine polizeiliche Erkennungsnummer in den Reisepass eingetragen. Die Polizeinummer wird im Land bei Übernachtungen auf Campingplätzen und bei Polizei-/Militärkontrollstellen abgefragt. Für Pauchalurlauber, die mit dem Flugzeug ankommen, kann der Reiseveranstalter Erleichterungen vorsehen. Für Personen mit zusätzlicher marokkanischer Staatsbürgerschaft gelten erweiterte Bestimmungen.

Bei der Einreise mit dem eigenen Fahrzeug werden der "Fahrzeugschein" bzw. seit 2005 Teil I der Zulassungsbescheinigung benötigt. Eine KFZ-Haftpflichtversicherung ist Pflicht. Als Nachweis ist entweder eine grüne Karte mit dem Einschluss Marokko vorzuweisen oder bei der Einreise an der Grenze eine entsprechende Versicherung abzuschließen. Nicht alle KFZ-Haftpflichtversicherungen schließen Marokko ein, zeitlich befristete Erweiterungen sind jedoch gelegentlich aushandelbar. Es ist möglich, in Deutschland eine Zusatzversicherung für den Aufenthalt abzuschließen. Die Kosten für eine spezielle Marokkoversicherung variieren je nach Fahrzeug und Aufenthaltsdauer; mit bis zu 200 EUR pro Monat ist zu rechnen. Zum Gültigkeitsbereich von Teil- und Vollkaskopolicen sind die jeweiligen Versicherungsbestimmungen zu konsultieren. Ein Carnet de Passage ist für Aufenthalte mit touristischer Absicht in Marokko nicht erforderlich. 

Die maximale Aufenthaltsdauer für Touristen aus der EU ist auf 90 Tage am Stück und insgesamt 180 Tage im Jahr beschränkt. Ein Visum ist für EU-Bürger weder erforderlich noch erhältlich. Nach einer Ausreise bspw. in die spanischen Enklaven der Nordküste oder nach Mauretanien ist die erneute Wiedereinreise für 90 Tage problemlos möglich. Wer als Tourist länger als 90 Tage in Marokko bleiben will, begibt sich in eine Grauzone. Verstöße sind strafbar. Manche Campingplätze und Bezirksverwaltungen bieten aber unter bestimmten Bedingungen eine Visa-Verlängerung an. Die Bedingungen sind vor Ort zu erfragen.

Impfungen

Diphterie, Polio (Kinderlähmung) und Tetanus (Wundstarrkrampf) sind vom empfohlene Standardimpfungen. Marokko ist kein ausgewiesenes Malariagebiet, wenngleich lokal vereinzelt Fälle auftreten. Aufgrund der vielen Wildhunde wird Risikourlaubern zu einem Tollwutschutz geraten. Weiter bieten sich Impfungen gegen Hepatitis und Typhus an. Vom Baden in stehenden Gewässern ist aufgrund der Gefahr von Wurmerkrankungen (Bilharziose) abzuraten.

Der individuelle Impfschutz bestimmt man am besten mit dem Hausarzt. Grundimpfungen können - die Verfügbarkeit von Impfstoffen vorausgesetzt - meist kurzfristig erfolgen. Die mehrstufige Tollwutschutzimpfung beginnt spätestens drei-vier Wochen vor Abreise.

Die Reiseapotheke sollte neben desinfizierenden Mitteln Medikamente für Grippe- und Durchfallerkrankungen enthalten. Fälle von HIV / AIDS sind in Marokko bekannt.

Reiseführer

Auflagenstarke und aktuell gehaltene Reiseführer bieten die Verlage Reise Know-How, Lonely Planet und Marco Polo. Erprobte deutschsprachige Marokko-Führer stammen von Astrid und Erika Därr (Städte und Regionen) und Edith Kohlbach (Reisehandbuch, Campingführer). Jacques Gandini beschreibt in mehreren speziellen Pistenführern historische und prähistorische Fundstellen. Die Gandini-Führer sind nur in französischer Sprache erhältlich und teilweise ausverkauft.

Navigation

Gute Falt-Straßenkarten stammen von Michelin und vom Reise Know-How Verlag. Online-Navigationssysteme bauen oft auf das sehr verlässliche OpenStreetMap-Kartenmaterial auf. Die wichtigsten Transferstraßen und Pisten finden sich auf allen Karten. Spezielle Pistenführer sind von Jaques Gandini (GPS-Koordinaten, jüngste Ausgabe 2014) und die digitalisierten sowjetischen Generalstabskarten (1950-1990). Für Smartphones leisten die Android-Apps "Navigator" (OSM, kostenlos) und "Soviet Military Maps App" (Pro-Version! Die Free-Version läd Kartenmaterial nur bei bestehender Datenverbindung!) bei der Offroadnavigation sehr gute Dienste. Ein detailliertes GPS-Roadbook für Marokko stammt von Burkhard und Sabine Koch (www.Pistenkuh.de).

Linksammlung zu Informationsquellen im Netz

Forum zu allen Fragen rund um Reise, Kultur und Zusammenleben


Reise- und Sicherheitshinweise des deutschen Außenministeriums


Informationsangebot der marokkanischen Botschaft in Deutschland


Zoll

(engl./frz.)

Die Internetseite des marokkanischen Zolls informiert über die Einfuhr von Waren und die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug.


Was uns aufgefallen ist

Alkohol

Alkohol ist offiziell für Marokkaner verboten, für Touristen gibt es Ausnahmen. Trotzdem wurden wir in fast allen Städten von Einheimischen angesprochen, ob wir nicht eine Flasche Bier, Wein oder gar Whiskey zu verschenken hätten.

Armut

In den Städten gibt es reiche Marokkaner, mit Villen, Luxuslimousinen und Sportbooten. Aber die meisten Marokkaner sind nach europäischen Maßstäben arm. Hier leben Menschen noch ohne fließend Wasser und elektrischen Strom, reiten Esel anstatt Auto zu fahren oder laufen notgedrungen in Resten von Schuhen durch die Wüste. Touristen können einfach Hilfe leisten, indem sie abgelegte Kleidung und Schuhe weitergeben (man wird ohnehin danach gefragt). Auch Ersatzteile für Fahrräder sind gefragt. Man sollte darauf achten, dass die Sachen bei den Ärmsten der Armen ankommen und nicht bei Zwischenhändlern landen.

Autoservice

Autohäuser und Fachwerkstätten sind im Südosten rar, dafür hat jede noch so kleine Ansiedlung mindestens eine KFZ-Werkstatt. Die Mechaniker sind Meister der Improvisation und Notreparaturen gehen immer. Wer jedoch eine Inspektion wie in einer deutschen Fachwerkstatt wünscht, sollte Teile und ggfs. Werkzeug mit sich führen (oder nach Casablanca fahren).

Camping

Campingplätze gibt es überall. Im Inland reicht der Standard von einfach bis sehr niedrig, mit oft prekären hygienischen Bedingungen. In den frequentierten Küstenregionen ist die Lage deutlich besser. Eine Übernachtung für zwei Personen mit Fahrzeug kostet zwischen 5 und 10 Euro, Strom extra. Waschmaschinen bzw. Handwäsche kosten ca 3 EUR pro Ladung.

Freies Stehen ist nahezu überall möglich. In der Nähe von Militärposten wird Wildcampen nicht gern gesehen, da die Posten dort zu finden sind, wo man sie für nötig hält. Generell gibt es nur sehr wenige Einschränkungen. Einen uneinsehbaren einsamen romantischen Stellplatz zu finden, ist in der vollkommen zersiedelten Landschaft nicht einfach. Menschen sind überall zu finden, wo das Land eine Lebensgrundlage bietet. Die Wüste ist nicht menschenleer und es gibt kaum einen Flecken an dem nicht wenigtens eine Kamel- oder Ziegenherde in Sichtweite vorbei getrieben wird.

Einkaufen

Die marokkanische Währung ist der Dirham und der Wechselkurs zum Euro etwa 10:1, d.h. 1 Eur = 10 Dh. Die Währung darf bis auf einen kleinen Betrag nicht ein- und nicht ausgeführt werden (Freigrenze 1.000 Dh). Marokko ist ein Bargeldland, Geldautomaten sind weit verbreitet. VISA-Kreditkarten werden landesweit an großen Tankstellen und Hotels akzeptiert. Weil Online-Transaktionsverbindungen nicht immer verlässlich funktionieren, sollte man ausreichend Bargeld mitführen. 

Marokkos Preisniveau ist im Vergleich zu Mitteleuropa deutlich niedriger, einheimische Lebensmittel kosten etwa 10-50% deutscher Preise. Importwaren sind teurer. Bei Produkten des täglichen Bedarfs wird im Gegensatz zu größeren Dienstleistungen, Auftragsfertigungen und Souvenirs nicht gehandelt. Wer bei Grundnahrungsmitteln oder einfachen Waren den Preis drückt, erhält schlechtere Qualität. Übrigens: Geld als Gastgeschenk gilt gemeinhin als niveaulos.

Expeditionsmobile

Marokko eignet sich für alle Fahrzeuggrößen. Insbesondere in den endlosen Steinwüsten der Sahara sollten sich die ganz großen Dickschiffe mit drei- oder vier Achsen wohlfühlen. Einschränkungen gelten in Gebirgsregionen mit schmalen Bergdörfern, engen Pässen, Felsüberhängen, unterspülten Straßen und maroden Brücken. Wo Lastwagen aufgrund ihres Gewichts, ihrer Höhe/Länge oder aufgrund der Schräglagen die Weiterfahrt u.U. aufgeben müssen, haben Geländewagen noch keine Probleme. Engstellen werden, wenn überhaupt, erst direkt vor Ort ausgeschildert. Wer sich nicht überraschen lassen will, zieht zur Vorab-Routenplanung die Straßenkarte vom Michelin-Verlag heran, die für viele Wege die Beschränkungen ausweist.

Oberirdische Stromleitungen und Brücken sind i.d.R. auf eine Durchfahrtshöhe von mind. 4 Metern ausgelegt. Im Zweifelsfall sollte man sich aber nicht auf diese Angabe allein verlassen, sondern die Höhe persönlich prüfen. Dies gilt auch für Aussagen Einheimischer, die manchmal mehr aus guter Absicht als aufgrund guter Informationslage getätigt werden. Allgemein ist sowohl in bebauten als auch unbebauten Gebieten genug Platz für Fahrzeuge mit der in Deutschland maximal zulässigen Breite von 2,55 m (Kühlfahrzeuge 2,6 m) und Höhe von 4 m.

Gas

Autogas (LPG) kann man in Marokko nicht tanken, große Gasflaschen gibt es jedoch an allen Tankstellen. Marokkanische Flaschen kann man mit einem zusätzlichen Dichtungsrings an einem dt. Schraubanschluss nutzen. Eine 11 Kg-Gasflasche kostet ca. 8 EUR + 7 EUR "Pfand". Mit dem Pfand kauft man sich in eines von mehreren Tauschsystemen (farbig getrennt) ein, so dass der Pfandbetrag nur einmal anfällt. Allerdings kann es schwer bis unmöglich werden, das Pfand bei der Rückgabe wieder erstattet zu bekommen.

Geschäftsgebaren

Wer in Marokko Angelegenheiten zu regeln hat, sollte immer einen Plan B haben. Aussagen wie "Morgen ist das da." Oder "Natürlich klappt das." sollte man nicht für bare Münze nehmen; oftmals steckt mehr gute Absicht als Verlässlichkeit dahinter. Die Empfehlung lautet: Zeit mitbringen, einen Plan B haben und sich nicht unter Druck setzen (lassen).

Gesellschaft

Im Hinterland sind Städte und Dörfer kleine Inseln der Zivilisation; außerhalb herrscht Wildnis. Menschliche Ansiedlungen sind ein Hort der Sicherheit. In diesem Rahmen ist das Gesellschaftsgefüge von einem starken Miteinander geprägt, denn die Gemeinschaft sichert das Überleben. Man hilft einander und wird geholfen. Dementsprechend ist es auch weder sinnvoll noch ratsam, als Einzelner aus der Gemeinschaft auszuscheren. Ein Singlehaushalt ist in Marokko wirtschaftlich nicht überlebensfähig.

Marokkaner sind freundlich, gelassen, hilfsbereit und äußerst kontaktfreudig. Wenn Du etwas brauchst, frag danach, irgendjemand es für Dich besorgen. Während Jugendliche leider zum Betteln neigen, ist die ältere Generation sehr höflich und gläubig und achtet auf einander. Ganz wichtig: In Marokko nimmt man sich bei jeder Begegnung Zeit für einander. Bevor irgendein Vorgang abgewickelt wird, lernt man sich erstmal kennen. Es wird gelächelt, gegrüßt, die Hand geschüttelt und manchmal auch umarmt. Alles andere gilt als unhöflich. Und wenn etwas schief läuft, ist Aufregung fehl am Platz: Allah gibt, Allah nimmt, fertig.

In den ländlichen Regionen ist das Rollenbild muslimischer Frauen sehr konservativ. Der Gruppenzwang der Gesellschaft ist groß. Trotz der verfassungsgemäß garantierten Gleichberechtigung sind Frauen in ihrer faktischen Selbstbestimmung eingeschränkt; sie nehmen am öffentlichen Leben kaum teil. Das Straßenbild wird von Männern dominiert. In den zahllosen Cafés kommt auf 1.000 Männer vielleicht eine Frau - und die ist dann Touristin. Großstädter sind säkularer eingestellt als die Landbevölkerung und westliche Verhaltensweisen werden bei Touristen toleriert. In den küstennahen Metropolen sind vereinzelt einheimische Frauen in moderner westlicher Kleidung präsent. Gegenüber einer von einem Mann begleiteten Frau treten marokkanische Männer extrem zurückhaltend auf.

Der Freitagmittag und der Sonntag gehören zum Wochenende, der Samstag ist ein Werktag. Behörden und Ämter haben Samstags geschlossen. Nicht-Muslimen ist der Zutritt zu Moscheen verwehrt. 

Himmel

Über Marokkos Wüste thront ein strahlendblauer Himmel bei Tag und ein samtschwarzer Himmel mit Millionen strahlender Sterne bei Nacht. Es ist beeindruckend, wie viel Licht in der Nacht allein von den Sternen ausgeht. Bei Vollmond wird es nachts so hell, dass man fast wie bei Tage Farben zu erkennen glaubt.

Internet

Marokko hat eine gute 3G/4G-Netzabdeckung, in entlegenen Gebirgs- und Wüstenregionen sind Funklöcher verbreitet. Die Prepaid-SIM-Karte von Maroc Telecom lässt sich mit Gutscheinen aufladen (1 GB / Monat für ca. 1 EUR). 

Kriminalität

Würde man zuhause seine Habe vor die Tür stellen und sie am nächsten Morgen dort noch erwarten? Sicher nicht. Im ländlichen Marokko schon, denn Diebstähle und Überfälle sind dort weitgehend unbekannt. Dennoch gilt: Gelegenheit macht Diebe, und man muss ja niemanden in Versuchung führen.

Landschaftsbild

Marokko ist in seiner Ausdehnung trotz großer Wüstengebiete ausgesprochen abwechselungsreich. Der grüne Nordwesten zeigt durchaus Parallelen zum Allgäu. Man fühlt sich direkt heimisch. Es gibt saftig grüne Kulturlandschaften und dunkelgrüne Tannenwälder. An die Küste branden türkisfarbene Wellen mit weißen Schaumkronen. In den lebensfeindlichen Wüstenregionen finden sich ockerfarbener Fels, gelber Sand, dunkle Schotterebenen und helle Salzböden.

Das Hinterland scheint unendlich weit zu sein. Wo weder Bewuchs noch Bebauung den Blick verstellen, ist eine Sichtweite von 20, 30 oder noch mehr Kilometer keine Seltenheit.Die wenigen Pflanzen in dieser lebensfeindlichen Umgebung sind ausgeprägte Überlebenskünstler, um mit salzhaltigem Wasser, langen Trockenzeiten, nährstoffarmen Böden und extremen Temperaturschwankungen klarzukommen. Was hier wächst ist ungenießbar, hat Dornen oder ist giftig.

Lebensmittelmärkte

Beim Einkaufen auf dem Lebensmittelmarkt ist nichts geschönt, dafür gibt es Geschmack pur. Gemüse und Obst kommen direkt aus der Erde oder vom Baum/Busch/Strauch auf den Markt und werden im Durchschnitt für weniger als 1 Euro pro Kilo angeboten. Das Mitbringen von Tragetaschen wird gerne gesehen.

Müll

Müll ist ein riesiges Problem in Marokko, denn funktionierende Müllabfuhr nach europäischem Standard fehlt. Bei der Weite des Landes und der dünnen Besiedelung ist das nicht verwunderlich. In Ansiedlungen stehen öffentlich zugängliche Müllcontainer bereit; deren Inhalt wird außerhalb der Siedlung Müll entweder verbrannt oder in die Landschaft entsorgt. Biomüll wird in der Regel von Ziegen und Dromedaren verwertet. Bis der Müll verbrannt ist, trennt der Wind die Schwebstoffe von den Schwerstoffen. Deswegen liegt - wo Menschen sind, wo Menschen waren, wo Wasser fließt oder wo Wind hinweht - Müll. Aufgrund der drastischen Umweltverschmutzung wurde zum 1. Juli 2016 die Herstellung, der Import, der Export, der Verkauf und die Nutzung von Plastiktüten verboten.

Offroadfahren

Bis auf ein paar ausgewiesene Naturschutzgebiete steht dem Offroadspaß von Seiten des Gesetzgebers in Marokko nichts im Wege. Man kann sich also ungestört auf Pisten austoben oder eigene Spuren ins Gelände ziehen. Die Einheimischen machen es vor: Im bekannten 4x4-Sandspielplatz Erg Chebbi ziehen zahllose 4x4 und Kamele tagein tagaus Spuren in den Sand. Im Sand werden die Spuren spätestens beim nächsten Sturm aus der Landschaft getilgt, aber in manchen Wüstengegenden erodieren einmal gezogene Reifenspuren nur langsam und bleiben jahrzehntelang sichtbar. Auch nimmt der karge Bewuchs durch Offroadfahren leicht dauerhaften Schaden. Offiziell spielt der Umweltschutz von Staatswegen nur in Ausnahmefällen eine Rolle.

Pisten

Der überwiegende Teil der Pisten führt durch Steinwüsten und nur selten durch Sandfelder. Nicht alle Pisten sind beständig. Zum einen ist der Straßenbau sehr aktiv, zum anderen erodieren spontane Überschwemmungen während der Schneeschmelze manche Spur. Sollte man stecken bleiben sind Helfer nie fern. Teuer kann es werden, wenn schweres Bergegerät in unwegsame Regionen bewegt werden muss. Ein Auto mit wirtschaftlichem Totalschaden sollte ausgeführt werden, sonst ist Einfuhrzoll zu bezahlen. Spezifische Ersatzteile und Werkzeuge gehören sicherheitshalber an Bord. Zwar kann für Geld alles irgendwann besorgt werden, doch ist das meist sehr nervenaufreibend.

Privatsphäre

In Marokko alleine zu bleiben, ist nicht einfach. In vielen Gegenden ist überhaupt nichts los und die Menschen dürsten nach Abwechselung. Da sind Touristen umso mehr willkommen. In der Stadt, auf dem Markt, beim Einkaufen, auf dem Campingplatz, an der Tankstelle, an der Militärkontrolle, beim Fotografieren, beim Spaziergang und auch am vermeintlich einsam schönen Übernachtungsplatz - früher oder später kommt jemand herbei und will ein paar Worte wechseln.

Reisewarnung

Das Auswärtige Amt warnt vor Alleinreisen durch das Rif-Gebirge (Cannabisanbaugebiet) und in die Grenzgebiete. Von Reisen in das Gebiet der Westsahara wird generell abgeraten. Uns stellte sich die Lage vor Ort als völlig sicher und entspannt dar, in den vom AA aufgeführten Regionen haben wir uns weder bedroht noch unsicher gefühlt. Generell sind Bevölkerung, Polizei und Militär sehr darum besorgt, dass Reisenden nichts passiert. Dennoch können spontan auftretende Gefahrensituationen nicht ausgeschlossen werden.

Straßenverkehr

Auf dem großzügig ausgebautem Asphaltstraßennetz kommen Fahrzeuge auch ohne Allradantrieb im ganzen Land herum. Autofahrer sollten sehr aufmerksam sein und möglichst defensiv fahren. Der Verkehr ist zwar entspannt, aber durchaus chaotisch. Die Verkehrsteilnehmer sind unterschiedlichster Natur (u.a. viele Tiere) und nachts häufig nicht beleuchtet. Verkehrsregeln werden selten eingehalten und bei schweren Unfällen ist die medizinische Erstversorgung kritisch. Mobile Radarfallen sind häufig. In den Grenzgebieten und in der Westsahara sind Polizei- und Militärkontrollen weit verbreitet. Die Beamten erfassen die wichtigsten Daten der Reisenden. Ein vorbereitetes Datenblatt, ein sog. Fiche, mit Name, Anschrift, Beruf, Passnummer, Einreisedatum und Einreisenummer sowie Fahrzeugtyp und Kennzeichen wird dankbar angenommen.

Tanken

Marokko hat ein flächendeckendes Tankstellennetz. Davon ausgenommen sind die Wüstenregionen ohne asphaltierte Straßen. Neben international bekannten Marken (Shell, Total, Esso) sind afrikanische und lokale Tankstellenketten aktiv (z.B. Afriquia, ZIZ, OiLybia im Norden, Sahara in der Westsahara). In einigen abgelegenen Dörfern gibt es eine Versorgungsmöglichkeit aus Fässern und Kanistern.

Superbenzin und Diesel (kein Biodiesel!) sind problemlos erhältlich. An vielen Tankstellen kann der Käufer zwischen normaler und Premium-Qualität wählen. Mängel bei der Kraftstoffqualität sind an den Tankstellen entlang der Hauptverkehrsrouten des Güterverkehrs nicht zu erwarten. Ad Blue ist im Binnenland nur in spezialisierten Servicewerkstätten erhältlich. Bio-Kraftstoffe und E10 sucht man vergebens. E-Mobile und Erdgasfahrzeuge sind in Marokko unbekannt.

Der Kraftstoff ist in Marokko günstiger als in Deutschland. Der Dieselpreis schwankt zum Zeitpunkt der Erstellung der Reiseinformationen um 0,93 EUR (Diesel) in (Nord-)Marokko und um 0,73 EUR in der Westsahara. Benzin ist ca. 0,14 EUR teurer.

Tierwelt

Dromedare, Ziegen und wilde Hunde prägen die sichtbare Tierwelt Marokkos. Wer genauer hinsieht findet auch Kaninchen, Sandratten, Wüstenfüchse und vereinzelt Wölfe. Giftige Schlangen und Skorpione sind in Marokko bekannt.

Versicherung

Marokko hat zwar eine verfassungsgemäß unabhängige Judikative, leidet aber unter einem teilweise korrupten Behördenapparat. Es darf bezweifelt werden, dass Schadenersatzansprüche gegenüber Einheimischen, wie berechtigt sie auch sein mögen, erfolgreich geltend gemacht werden können. Umgekehrt sollte man selbst weltweiten Haftpflichtschutz genießen, um unangenehme Begegnungen mit der lokalen Justiz zu vermeiden. Dies gilt insbesondere bei Unfällen im Straßenverkehr, wo bis zur Aufklärung der Schuldfrage ein Weiterreisen zunächst ausgeschlossen ist.

Werbung

Plakatwerbung ist in Marokko sehr selten. Im südöstlichen Landesteil haben wir geglaubt, es gäbe gar keine Werbeplakate in Marokko. Vollkommen abwesend ist - angenehmerweise - jegliche sexualisierte Werbung.

Westsahara

Um nach Dakhla oder Mauretanien zu kommen, durchquert man die Westsahara. Die Sahauris sind zurückhaltender als die Marokkaner und mögen Hunde. Das Gebiet der Westsahara selbst ist eine hunderte Quadratkilometer große topfebene Steinwüste, die zum Meer hin meist in einer Steilküste abbricht. Was am Anfang beeindruckt, wird mit der Zeit langweilig.