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Wohntechnik

Energieversorgung  |  Wasserversorgung  |  Nahrungsmittelversorgung

Der Sinn eines Expeditionsmobils liegt in der Autarkie, d.h. den Benutzern abseits zivilisatorischer Infrastruktur geschützten Wohn- und Lebensraum bereitzustellen. Das Ausmaß der Autarkie bestimmt sich nach Grad und Dauer der Unabhängigkeit von externer Energie-, Wasser- und Nahrungsmittelversorgung.

Energieversorgung

Die längerfristige Energieversorgung wird über große Kraftstoff- und evtl. Gastanks sowie üppige Akkukapazitäten sichergestellt. Wieviel Kraftstoff und Ah (Amperestunden) gespeichert werden müssen, hängt vom individuellen Verbrauch ab. Diese Größen lassen sich erst mit etwas Reiseerfahrung qualifiziert bestimmen. 

Elektrik

Ein effizienter mobiler Zwei-Personen-Haushalt auf ca. 10 Quadratmeter ist mit 300Ah x 12V = 3.600Wh Akkukapazität und einer 600WP Solaranlage sehr gut versorgt - wenn die Sonne scheint! Die hauseigene Produktion und Speicherung von Strom ein entscheidender Faktor bei der Autarkie. Strom wird für Kühlschrank, Licht, Pumpen, Musik, Laptop, Kamera und anderes benötigt. Während der Fahrt wird Strom über die Lichtmaschine des Fahrzeugmotors erzeugt und in den Akkus gespeichert. Jedes motorisierte Fahrzeug besitzt dadurch einen Notfallgenerator. Strom kann auch über separate diesel- oder gasbetriebene Generatoren werden, die dazu jedoch mit Primärenergie versorgt werden müssen. Vereinzelt werden auch Mini-Windräder zur Stromerzeugung genutzt, allerdings unter Inkaufnahme einer beachtlichen Geräuschkulisse. Klassischerweise wird Strom komfortabel und geräuschlos über Solarzellen gewonnen. Solarmodule sind die am weitesten verbreitete Art, autark für Strom zu sorgen. Aus praktischen Gründen werden sie flachliegend montiert, wodurch sie ineffizient arbeiten. Deshalb gilt bei Solarzellen am Wohmobil: viel hilft viel.

Gas

Zum autarken Heizen und Kochen wird ein effizienter Energieträger benötigt. Es ist zwar technisch möglich, auf Batteriestrom zurückzugreifen, aber aufgrund dafür notwendiger hunderter Kilo Batteriegewicht nicht effizient. In der Regel kommen Diesel oder Gas zum Einsatz. Manchem Mobilisten ist brennbares Gas derart suspekt, dass er einen weiten Bogen darum macht (als säße er nicht ohnehin auf hunderten Litern selbstendzündlichen Treibstoffs).Diesel ist sicher einfacher verfügbar als Gas, aber Gas ist effizient, sauber und geräuschlos. Der Gasdruck macht eine separate Brennstoffpumpe überflüssig. Bei sehr kalten Temperaturen sind Standard-Gas-Gemische aus Butan und Propan (LPG)  problematisch. Butan geht dann nicht mehr in die Gasphase über, verbleibt flüssig am Boden der Gasflasche und ist nicht für die Verbrennung verfügbar. Daher sollten LPG-Tanks besser im beheizten Innenraum liegen. Für spezielle Wintermischungen oder reine Propangasflaschen trifft das nicht zu. Bei der Pfandflaschen-Lösung wird je nach Flaschenstandard im Zielgebiet ein Adapter nötig.

Eine 11 Kilogramm Gasflasche reicht zur Winterzeit bei einer 80 Millimeter Isolierung 1 bis 2 Wochen zum Durchheizen, täglichem Kochen und gelegentlichem Backen.

Wärme

Die Möglichkeiten, eine Wohnkabine zu beheizen, sind so zahlreich und verschieden wie die sie bewohnenden Charaktere. Der eine schwört auf einen Holzofen, weil Brennmaterial wie Holz (fast) überall zu bekommen ist. Dafür ist der Lagerraum manchmal knapp und nicht in jedem Fall ist der TÜV von einem "offenen Feuer" begeistert. Ein anderer stellt sich einen Ölofen in die Kabine und erfreut sich an der eingesparten Elektrizität, dabei den Dieselgeruch und manche ungewollte Verpuffung in Kauf nehmend. Dieselstandheizungen sind weit verbreitet, denn Diesel haben die meisten Reisefahrzeuge als Treibstoff ohnehin an Bord. So schadstoffarm, geruchs- und geräuschlos wie eine Gasheizung ist jedoch keine andere Heizung. Dafür muss man Gas wiederum separat bevorraten.

Selbst so komfortable Haustechnik wie eine Fußbodenheizung hielt im Wohnmobil Einzug. Auch hierzu finden sich Skeptiker, die das als aufwändigen und anfälligen Schnickschnack abtun und sich lieber den Hausstaub per Heißluftheizung um die Nase pusten lassen oder warme Pantoffeln anziehen. Wer eine Fußbodenheizung verlegt, sollte dies vollflächig tun und unter keinen Umständen auf Wärmeleitbleche verzichten!

Wasserversorgung

Sauberes Trinkwasser ist auf Expeditionen Mangelware. Nicht in jeder Region sollte Wasser aus frei zugänglichen Quellen abgepumpt werden, trotz ausgereifter Filteranlagen oder chemischer Desinfizierung mit Chlor oder Silberionen. Für Trink- und Brauchwasser sind daher ausreichende Tankkapazitäten nötig. Der minimale Wasserverbrauch für Kochen, Spülen und Körperpflege liegt bei ca. zehn Litern Wasser pro Kopf und Tag. Für häuslichen Komfort (Dusche, WC) muss mit wesentlich mehr gerechnet werden, ca. 25 Liter. Daher beeinflussen große Wassertanks direkt die mögliche Aufenthaltsdauer.

Frischwasser / Abwasser

Große Wassertanks können Frischwasser für viele Tage, Wochen und sogar Monate ohne Qualitätseinbußen speichern, geeignete bakterienhemmende Maßnahmen wie Filter, Silberionen und UV-Bestrahlung vorausgesetzt. Einmal umgekippt, kann ein Großtank aber die gesamte Wasserversorgung und damit Reiseplanung (zer-)stören. Deshalb setzen risikoscheue Mobilisten auf mehrere Tanks oder im Extremfall auf auswechselbare Kanister-Lösungen. Damit Wasser dort ankommt, wo es benötigt wird, pumpen Tauch- oder Druckwasserpumpen das Wasser durch Kunststoff-, Edelstahl- oder Kupferleitungen.

Trink- und Brauchwasser sollten getrennt gespeichert werden und Brauchwasser sollte nicht in Trinkwassertanks gefüllt werden. Unter einfachen Verhältnissen rechnen wir mit zehn Litern Brauchwasser pro Kopf und Tag, 300 Liter Wasser reichen dann für zwei Personen gut zwei Wochen. Können Freigewässer zum Spülen und Waschen genutzt werden, vergrößert sich die Autarkie. Gute Erfahrungen haben wir mit einem separaten Trinkwassertank (für Mineralwasser) gemacht. 60 Liter  reichen für zwei Personen genau zwei Wochen (Gemüse waschen, Nudelwasser, Zähne putzen, Tee, Kaffee).

Sanitär

Die Entsorgung der unvermeidlichen Ausscheidungen eines jeden biologischen Organismus wird als Thema in Wohnmobilforen immer wieder gern und amüsant diskutiert. In diesem menschlichen Bedürfnis sind wirklich alle Menschen gleich, nicht jedoch bei den Ansprüchen, selbiges zu verrichten.

Die einen führen hunderte Liter Frischwasser mit, um den häuslichen Komfort eines WCs auch beim mobilen Wohnen nicht zu entbehren (entsprechend dimensionierte Abwassertanks finden sich seltener). Anderen reicht ein Vorrat für wenige Tage, chemischen Zusätzen und stetiger Abluftabsaugung sei Dank. Aus den Augen, aus dem (Geruchs-)Sinn gilt bei beiden zuvorgenannten Lösungen jedoch nur eingeschränkt. In Wahrheit ist das Entsorgungsthema nur vertagt und drängt eher früher als später erneut auf die Tagesordnung.

Etwas länger verschafft sich Luft, wer nicht wieder zusammenführt, was bei der Schöpfung getrennt wurde. Kleine und große Hinterlassenschaften reagieren nicht unter olfaktorisch belästigender Ammoniakentwicklung, wenn sie strikt getrennt gelagert werden. Die sogenannten Trenntoiletten können dank Luftabsaugung Feststoffe geruchsneutral trocknen und über mehrere Wochen sammeln. Fürs kleine Geschäft in der großen Welt reicht dann ein kleiner Tank. Einzig die Frage, wohin mit den Bergen von Hygienepapier, bleibt aktiv zu lösen.

Die Industrie wartet mit noch innovativeren Lösungen wie einer Verbrennungstoilette auf. Der heiße Stuhl kann wahlweise mit Gas oder einem Flüssigbrennstoff betrieben werden. Die mitzuführenden Brennstoffmenge kann je nach Reisedauer, Pro-Kopf-Verbrauch und ... Einlage ... beträchtlich sein. Deshalb weigert sich so mancher Mobilist generell dort zu sch... wo er (fr)isst und findet außerhalb der vier Wände immer einen Weg, wo auch ein Wille bzw. ein Gebüsch ist.

Wäsche waschen

Eine Waschmaschine oder gar ein vollautomatischer Waschtrockner an Bord wäre der ultimative Traum. Mitten in der Wildnis stehen, das Daunenkissen im Wollwaschprogramm waschen und anschließend fluffig trocknen lassen. Welcher hartgesottene Abenteurer würde da nicht schwach?

Allein, es scheitert an der Vernunft. Zusätzlich zum Waschtrockner bräuchten wir mindestens die doppelte nutzbare Batteriekapazität, einen richtig fetten (und teuren) Spannungswandler, die doppelte Solarstromkapazität und evtl. eine stärke Lichtmaschine (wie sollen die Batterien sonst geladen werden?) Die Anschaffungskosten belaufen sich auf etwa 5.000 bis 6.000 Euro zzgl. Unterhalt. Die Zusatzkosten für mehr Trinkwasserkapazität fallen da schon nicht mehr ins Gewicht.

Und die Amortisation? Nun ja, ein Budget von 6.000 Euro reicht bei 1 bis 2 Waschladungen pro Woche und Fremdkosten von 10 Euro pro Besuch im Waschsalon um die 10 Reisejahre, in günstigeren Gegenden auch für deutlich länger...

Es gibt auch Sparlösungen wie die handgekurbelte Waschtrommel oder den mit einer Waschlösung gefüllten Weithalskanister, der im Fahrbetrieb die Wäsche sauber schaukelt. Wobei das Waschen in der Wildnis nicht so das Problem ist. Unterwegs findet sich immer irgendwann irgendwo irgendeine Waschmöglichkeit. Das eigentliche Problem ist das Trocknen der Wäsche in nicht ganz so trockenen Ländern. Das Trocknen der Wäsche in der Wohnkabine sollte man wie jeden anderen unnötigen Eintrag von Feuchtigkeit aus Sorge vor Schimmelbildung tunlichst unterlassen. Bleibt also nur die gute alte Wäscheleine und viel Geduld.

Nahrungsmittelversorgung

Die langfristige Grundversorgung mit unverderblichen Lebensmitteln ist unkritisch, die Autarkie wird durch Waren mit Kühlbedarf sowie Obst und Gemüse beschränkt (je nach Präferenzen der Reiseküche). I.d.R. verdirbt Fleisch zuerst, dann Obst und danach Gemüse (Käse zuletzt). Viele Kühlwaren halten mindestens 1 bis 2 Wochen, eingefroren noch länger. Daher hängt die Autarkie von der Kühlkapazität ab.

Unser 55 Liter Kompressor-Kühlschrank bietet eine Kühl- und Gefrierleistung wie zuhause und reicht vom Volumen für zwei Personen maximal eine Woche. Mit einer zusätzlichen Kühl-/Gefrierbox steigern wir die Autarkie um eine weitere Woche. Eine Aufenthaltsdauer über zwei Wochen hinaus erfordert dann den Verzicht auf frische Lebensmittel.