Expeditionsmobil-Tipps

  1. Kauf Dir ein Auto mit ordentlich Bumms, so an die 200 PS und mehr. Hat das Auto zu wenig Power, wirst Du sie bald vermissen und ewig auf Besserung hoffen. Hat das Auto hingegen genug Power, wirst Du es lieben - vom ersten Kilometer an. Mehr Power lässt Dich entspannter fahren, höhere Gänge sparen Sprit! Der Steyr 12M18 bringt von Haus aus schon 180PS mit. Er läßt sich mit einem Ladeluftkühler und optimierter Einspritzpumpe auf 210PS und mehr leistungssteigern. Und das für - im Vergleich zu den Anschaffungskosten - kleines Geld. Mehr Leistung provoziert natürlich auch mehr Verschleiß.
  2. Kauf Dir ein Fahrgestell mit kurzem Radstand von 3,60 Meter +/- 30 Zentimeter. Das Platzangebot in der Wohnkabine hängt zwar maßgeblich mit dem Radstand des Basisfahrzeugs zusammen (aber auch zu einem sehr großen Teil vom intelligenten Innenausbau). Aber je länger das Fahrgestell ist, desto weniger geländetauglich wird es. Enge Kehren kannst Du mit einem längeren Radstand schon nicht mehr nehmen, wenn der Weg tief ins Gelände eingeschnitten ist. Du läufst Gefahr die Reifenflanken oder sogar die Radaufhängungen zu beschädigen. Auch das Überfahren von Kuppen birgt größere Risiken, in der Mitte aufzusitzen und Tanks oder den Antriebsstrang zu beschädigen. Du bist im Gelände schneller in einer anspruchsvollen Situation als Dir lieb ist.
  3. Kauf Dir ein Fahrgestell, bei dem Du 14er Räder eingetragen bekommt. Du wirst die großen Räder geil finden, sobald Du sie siehst. Der Reifengröße 14.00 R 20 sagt man weltweite Verfügbarkeit nach. Du bekommst sie hierzulande günstig (wenngleich auch alt) aus aufgelösten Militärbeständen. Je größer der Raddurchmesser, desto leichter überrollst Du im Gelände Hindernisse, denn die Bodenfreiheit nimmt zu. Die Motordrehzahl nimmt ab und Du verbrauchst weniger Diesel. Wie Du siehst, gibt es sogar rationale Argumente dafür, die geilen großen Räder zu fahren.
  4. Ist Dein Budget an Zeit oder Geld knapp, kauf Dir ein bereits ausgebautes Gebrauchtfahrzeug. Über die Highend-Lösungen der Edelmarken brauchst Du Dir keinen Kopf zu machen. Preise von 200.000 EUR aufwärts sind nicht Dein Ding. Abgesehen davon musst Du bei Reisen ins Ungewisse immer damit rechnen, Dein Fahrzeug ganz oder in Teilen zu verlieren (Unfälle, Überfälle, nicht behebbare Pannen im Niemandsland). Selber bauen wird immer teurer als geplant, ganz einfach deshalb, weil Du erst 1.000 Wege ausprobieren musst, bevor Du das Ziel findest. Und Fehler passieren bei einem Selbstbauprojekt, bei dem Du Mechaniker, Lackierer, Statiker, Zimmermann, Tischler, Schreiner, Schlosser, Elektriker, Gasfachmann, Wasser- und Heizungsinstallateur, Bauherr, Finanzier und Projektleiter in Personalunion sein musst.
  5. Du willst unbedingt selbst bauen? Viele große Projekte bleiben Dauerbaustellen, weil von Anfang an zu komplexe Ziele gesteckt werden. Gestalte Dein Projekt in kleinen Schritten, flexibel planend, ständig dazulernend und dynamisch anpassend. Die Erfüllung eines Reisetraums hängt nicht davon ab, wie perfekt oder vollständig Dein Fahrzeug ist, sondern nur davon, dass die Reise tatsächlich stattfindet. Lerne, das Chaos zu managen!
  6. Überlege Dir, ob Du nicht ganz im Fahrzeug wohnen kannst. Du sparst Dir teure Miete und kannst Dich mit einem stark begrenzten minimalistischen Lebensstil auf Fernreisen vorbereiten, wo Du auch nicht viel mitnehmen kannst. Ein Auto unterhalten die meisten sowieso schon, warum dann nicht ein Nutz(!)fahrzeug? Zudem kannst Du Deine Wohnung mit in den Urlaub nehmen.
  7. Kauf Dir ein Fahrzeug, das Du verstehst. Damit sind alle modernen elektronikbehafteten Fahrgestelle raus. Du brauchst etwas altes, einfaches, was Dir unterwegs jeder Dorfschmied reparieren kann. In der Wildnis wirst Du nicht so einfach ein Diagnosegerät finden und dann wird guter Rat sehr teuer. Am besten kaufst Du Dir etwas mit nachvollziehbarer Technik. Wenn Du es auseinander schrauben kannst, stehen die Chancen recht gut, dass Du es auch repariert bekommst.
  8. Diejenigen Handwerker, die sich bei uns als seriös und von der Leistung überzeugend zeigten, waren die, die uns beim ersten Kontakt erzählten, was Ihnen schon alles misslang. Wer einen hohen Anspruch an sich selbst hat, kennt seine Schwächen und will sich verbessern. Hüte Dich vor denen, für die alles kein Problem ist oder mit denen man sich schon einigen wird!
  9. Ignoriere die Schwätzer! Wenn Du Dritten von Deinem Projekt erzählst, wirst Du unweigerlich auf die Hätte-und-Würde-Leute treffen. Das sind Leute, die an Deiner Stelle alles anders machen würden oder anders gemacht hätten. Mein Tipp für diese Leute ist immer: Erst selber machen, dann große Klappe haben. Wenn Du Ratschläge brauchst, wirst Du sie Dir aktiv einholen. Rede mit Leuten, die so ein Projekt schon gestemmt haben. Die meisten - wie wir - sind froh, wenn sie ihre Erfahrungen teilen können.
  10. Es kommt immer etwas dazwischen! Wenn Dir eine Bearbeitungsdauer genannt wird, nimm sie mal zwei. Gilt analog zum Endpreis. Dem Handwerker kommt ein wichtiger Kunde dazwischen (Du bist nur Laufkundschaft). Du wirst zum Geburtstag eingeladen. Dein Kumpel muss zum Geburstag seiner Putzfrau. Du wirst krank.  Dir fehlt immer genau die eine Schraube. Du hast Dich vermessen. Du hast das falsche Teil gekauft. Die Reihe lässt sich endlos fortsetzen. Es gibt einfach mehr Gründe dagegen, dass der Endtermin eingehalten wird, als dafür. Zeitdruck ist fatal; Du triffst unüberlegte Entscheidungen, machst Fehler und bist genervt.