Beachte den Haftungsausschluss!

Bremsanlage

Feststellbremse  |  Luftkessel  |  ALB  |  Bremsaggregate  |  Druckluftverbindungen  |  Versorgungsleitung  | Druckprüfung  |  Erfahrungswerte

Feststellbremse

Die Luftversorgung der Handbremse im Fahrerhaus verläuft durch einen Schlitz zwischen Fahrersitz und Motortunnel. Der Schlitz ist nur durch einen großen Klumpen Silikon verschlossen. Die theoretisch beste Idee, eine Reihe von Schottverschraubungen in ein passendes Blech einzusetzen ließ sich aufgrund der Baugröße der Verschraubungen praktisch nicht verwirklichen. Dennoch führen die Leitungen nun durch ein Blech (Größe 120 x 20 Millimeter). Zur Vorbeugung von Scheuerstellen sind die Leitungen beidseitig in einer dick aufgetragenen Schicht MS Polymer sicher verklebt.

Verlegung der Luftkessel

Die beiden 20-Liter-Druckluftkessel verlegten wir von der Fahrerseite in das Rahmenheck nach der Hinterachse, um den Platz anderweitig zu nutzen. Die Kessel hängen an einer abgewinkelten Trägerkonstruktion quer unter dem Rahmen. Es darf weder im Ober- noch im Untergurt des Fahrzeuglängsträgers gebohrt werden. Deshalb ruhen die Querträger auf zwei Winkelschienen, die in den Seitenwangen verschraubt sind. Die Kessel liegen in je zwei Halbschalen, in denen sie durch Gelenkbolzenschellen fixiert sind.

Die Stahlkessel wurden neu lackiert. Die Trägerkonstruktion ist feuerverzinkt, Winkelschienen und Gelenkbolzenschellen sind aus Edelstahl. Alle Verschraubungen sind in Edelstahl ausgeführt.

Versetzen des ALB

Der im Rahmenheck befindliche ALB (automatisch-lastabhängiger Bremskraftregler) verteilt die Bremskräfte zwischen Vorder- und Hinterachse, je nach Beladung bzw. Lastverteilung im Fahrbetrieb. Der ALB hängt an einer L-förmigen Konsole, die wir aus Gründen des Platzbedarfs der Luftkessel um 180° verdrehten. Die Konsole muss dazu etwas nachbearbeitet werden, weil die rahmenseitige Verschraubung unsymmetrisch ist und das Knotenblech des L etwas stört. Nach dem Umbau zeigt der rahmenseitige Schenkel des L nach unten, so dass der ALB ein Stück nach oben rutscht (vorher zeigte der Schenkel nach oben). 

Der ALB selbst ist durch den waagerechten Schenkel verschraubt. Das lässt  sich einfach lösen und umkehren. Am Ende glichen wir das Hebel-Gestänge des ALB zur Hinterachse mit einem Edelstahlstab an die gewonnene Bauhöhe an, um die originalen Hebelverhältnisse wiederherzustellen. Damit wird einer Veränderung der Einstellung und des Bewegungsablaufs vorgebeugt.

Aufhängung der Bremsaggregate

Mit dem Wegfall des Batteriekastens wurden die daran befestigten Bremsaggregate (Umsetzer, Vierkreisschutzventil, Druckregler, Kessel) an fast gleicher Stelle über eigenständige Trägerkonsolen aufgehängt. Zusätzlich konnten wir dort den Tankumschalter ergonomisch günstig platzieren.

Laut Aufbaurichtlinien ist eine (Tank-)Konsole mindestens durch drei Stück M16-Schrauben am Rahmen zu befestigen. Passende Löcher sind werkseitig in ausreichender Zahl vorhanden. Die Grundplatten der Konsolen passten wir auf das originale Lochbild an. Die Ausleger bestehen aus einem U-Profil und sind mit einem zusätzlichen Knotenblech auf der Grundplatte verschweißt. Die Konsolen wurden feuerverzinkt.

Im Original hängt das Vierkreisschutzventil vertikal an einem etwas windigen Winkel. Um den Platzbedarf zu reduzieren, fertigten wir eine Halterung aus einem Edelstahl-U-Profil an, in der das Bauteil horizontal aufliegt. Die Halterung passt auf zwei Bohrungen, die sich von Haus aus im Träger der Umsetzer (Pneumatik/Hydraulik) befinden.

Revision der Druckluftverbindungen

Die Einsteck-Druckluftverschraubungen des Herstellers Foss sind zerlegbar. Die wiederverwendeten Verschraubungen wurden von außen und innen blank geputzt, die O-Ringe gewechselt und die Einzelteile wie bei der Erstmontage unter Einsatz von Schraubensicherungskleber wieder verschraubt. An den Druckluftkesseln brachten wir teilweise neue und günstiger geformte Einsteck-Verschraubungen an.

Die Druckluftleitungen aus dem Kunststoff Polyamid (PA) sind bis zu den Kesseln verlängert. Die meisten Leitungen wurden gegen Neuware getauscht, doch einige wurden gekürzt bzw. mit fahrzeugbautauglichen Steckverbindungen verlängert. Grundsätzlich ist der Komplett-Austausch der Leitungen zu bevorzugen, da die Gummidichtung der Steckverbinder nur auf neuem glatten Kunststoffrohr sicher abdichtet. Unsere Leitungen haben aber neben dem Alter auch einmal Sandstrahlen und Lackieren auf dem Buckel. Für einen Austausch der Steckverbinder werden Bauteile für die Dimension 12 x 1,5 Millimeter benötigt.

Zum gesicherten und scheuerfreien Verlegen der Druckluftleitungen war der Kabel- und Leitungsbaum zu lösen, umzulenken und wieder zu sichern. Zu diesem Zweck fertigten wir einige neue Leitungshalter aus Edelstahl, Aluminium und feuerverzinktem Stahl passgenau an.

Druckluft-Hauptversorgungsleitung

Von der Kühlschlange zum Druckregelventil, von dort zum Regenerationsspeicher des Lufttrockners (Kessel 1) und von dort zum Vierkreisschutzventil (VKSV) führt die Hauptversorgungsleitung der Druckluft-Bremsanlage. Die metallische Rohrleitung (vermutlich eine harte Kupferlegierung) hat die Dimension 18 x 2 Millimeter und liefert Luft direkt vom Kompressor. Die komplex gebogene Rohrleitung zwischen Kessel 1 und VKSV fertigten wir neu an, da die vorhandene Leitung von Länge und Breite her nicht mehr passte. Hinter dem Kompressor ist die verdichtete Luft noch ca. 80°C heiß. Zudem verläuft die Leitung parallel zum Auspuffs, so dass wir die thermisch exponierte Leitung in Edelstahl ausführten.

Die neue Rohrleitung ist aus Abschnitten und Rohrverbindern, den sog. Fittingen, zusammengesetzt. Da Edelstahl viel härter als normaler Stahl ist, kann ein sicherer Anschluss nur über Edelstahl-Schneidringverschraubungen erfolgen. Zur fachmännischen Montage ist ein sog. Vormontagestutzen in passender Größe aus gehärtetem Stahl nötig, weil der Bund des Edelstahlrohrs durch den Schneidring nicht so stark aufgeworfen wird wie bei weichem Stahl. Mit diesem Spezialwerkzeug wird der Schneidring in einem separaten Arbeitsschritt auf der Rohrleitung verklemmt. Dazu ist Kraft nötig, sehr viel Kraft! Erst dann erfolgt die Endmontage an Ort und Stelle. Bei der Montage empfiehlt sich die Verwendung von Keramik-Paste (Anti-Seize), wenn die Edelstahl-Verschraubung lösbar bleiben soll.

Druckprüfung

Sicherheitshalber ist nach der vollständigen Montage aller Bauteile eine Druckprüfung vorzunehmen, um den erfolgreichen Umbau zu testen. Mit dem motorseitigen Luftpresser  - oder mit einem externen Kompressor über die Fremdeinspeisung unter der vorderen Stoßstange - wird das Druckluft-Bremssystem bis zum Abblasen des Druckreglers befüllt. Kommt es so weit, ist das schon ein erster Erfolg. Dann wird der Motor abgeschaltet und eine Hör- und Sichtprüfung vorgenommen. Grobe Undichtigkeiten machen sich bereits jetzt geräuschvoll bemerkbar. Feine Undichtigkeiten findet man mithilfe eines Lecksuchsprays (z.B. aus dem Gasanlagenbau, alternativ: Spülmittellösung in Pumpflasche). Damit werden alle Druckluftverbindungen eingesprüht. Bei Undichtigkeiten wirft das aufgesprühte Mittel Blasen; umgekehrt bedeutet das: keine Blasen -> alles gut gemacht! Wenn dann auch die Druckmesser im Cockpit in den nächsten Tagen und Wochen keinen nennenswerten Druckabfall verzeichnen, ist das umgebaute System definitiv dicht.

Erfahrungswerte

Egal wie groß der Laster ist - und der Steyr ist nun nicht gerade klein - gibt es Engstellen, an die man partout nicht herankommt (vor allem nicht bei aufgesetzter Wohnkabine). Daher ist es ein zweischneidiges Schwert, so kompakt wie möglich zu bauen, um Höhe einzusparen. Ein bereits aufgebautes Fahrzeug nach eigenen Wünschen umzubauen ist - wenngleich es Neulingen öfter mal empfohlen wird - kein Zuckerschlecken.

Es empfiehlt sich immer und ausnahmslos, von Anfang an in ordentlicher Baugröße und mit satten Materialstärken zu arbeiten. Ansonsten fertigt man das selbe Bauteil bis zu dreimal an bis es tut was es soll. Außerdem ist es ratsam, gleich ein paar Einheiten mehr zu kaufen, denn gutes Material bleibt selten übrig.

Vor dem Trennen der Druckluftleitungen empfiehlt sich eine exakte und beständige Markierung der Anschlüsse, um keine Fehlfunktionen der Bremsanlage durch Verwechselungen zu riskieren. Überhaupt sind alle Arbeiten an der Bremsanlage unter größtmöglicher Umsicht und Sorgfalt - m.a.W. fachmännisch - auszuführen!