Bauphase II: Innenausbau - Der Schrank

Der spinnt, der Spind

Im ersten Ausbau kostete uns das große Badezimmer den Platz für einen vernünftigen Schrank. Zwar hatten wir direkt neben der Außentür ein raumhohes Regal, doch war das mit der zentralen Elektrik und dem Kühlschrank bereits ausgefüllt. Unser neuer Innenausbau hat nun einen doppelten Schrank und bietet trotz diverser technischer Einbauten noch eine Menge Stauraum. In den Bau flossen folgende Reiseerfahrungen ein:

  • Schrank an Ort und Stelle des früheren Badezimmers
  • nur soviel Material wie nötig verwenden
  • so luftig wie möglich bauen
  • Kisten und/oder Schubladen integrieren
  • Kühlschrank auf Sichthöhe hat sich bewährt
  • Luxusvariante: Backofen auf Sichthöhe

Der Schrank endet oben mit zwei offenen Fächern und der Zugriff ist dort von vorn und von der Seite möglich. Der Verzicht auf geschlossene Fronten lockert das Raumgefühl spürbar auf. Zusammen mit der Milchglastür des Badezimmers ist der vordere Teil der Kabine entgegen aller Befürchtung kein dunkles zugebautes Loch geworden, sondern ein angenehm helle und ruhige Ecke.

An Wohntechnik nimmt der Schrank den Backofen (diesmal mit Wandkamin), den Kühlschrank, den Gastank und vier auswechselbare Kunststoffkisten auf. Außerdem sind sowie zwei 230 Volt Steckdosen im Dreieck-Fach unter der Dachschräge angelegt sowie ein Blindkabel für zukünftigen Bedarf.

Bauweise

Streng genommen hat der Schrank gar keine eigenen Wände - er entstand zwischen der vorderen Kabinenwand, der Außenwand und einer Stehwand, die das Dach abstützt. Die kräftig anmutende Stehwand ist eine dünne Sandwichkonstruktion mit 6 mm dicken Deckflächen und 20 mm XPS-Hartschaum. Konstruiert ist der Schrank aus einzelnen Regalböden, die auf Wandleisten und Stützbrettern aufliegen. Die Stützen teilen den Schrank in zwei Spalten. Die Front ist aus einem Stück gefertigt. Alle Möbelteile sind verklebt und verschraubt, somit ist der Möbelbau für die Ewigkeit angelegt (aber das war der erste Ausbau auch...). Die nachträglich eingebaute Wohntechnik und die Installationen können jederzeit zerstörungsfrei demontiert werden.

Alle Flächen sind gelocht, um eine freie Luftzirkulation in den Möbeln zu ermöglichen. Es finden sich Belüftungsbohrungen mit 50 bis 120 Millimeter Durchmesser und drei große Belüftungsschlitze. Dadurch beschränkt sich der Materialeinsatz auf das Nötigste. Durch die zahllosen Löcher mag nun auch der Wüstenstaub in jede Ritze dringen, aber für uns sticht die bessere Heizleistung. In den hinteren Ecken wurden Installationsschächte für Kabelkanäle und Gasleitungen vorgesehen (mind. 25 x 50 Millimeter, hier sollte mit Platz nicht gegeizt werden).

Das Material ist Birke Multiplex mit einer Materialdicke je nach Belastungsanspruch zwischen 6 und 15 Millimeter. Vom Schreiner hätten wir beschichtetes Sperrholz erst ab 18 Millimeter Stärke erhalten. Aus ökonomischen Gründen entschieden wir uns gegen beschichtete Oberflächen (von der großen Frontfläche blieben nur ein paar dünne Stege übrig). Als Oberflächenfinish kam weiße Farbe (Gori55) auf weißer Grundierung (Gori Multiprimer) zum Einsatz. Die Oberfläche ist abwischbar, auch mit Reinigern wie Silikonentferner. Die im Alltagsgebrauch besonders belasteten unteren Kanten sind mit Aluminiumwinkeln vor Beschädigungen und Verunreinigungen geschützt.

Aufwand

Der Fertigungsaufwand war gigantisch, 100 Arbeitstunden reichen für den Korpus nicht aus. Ein einfacher Doppelschrank von IKEA wäre in einer Stunde zusammengespaxt gewesen. Aber es gab keinen Bausatz für unsere Wunschmaße und ein Korpus aus Spanplatte ist in meinen Augen nichts anderes als ein Holzkeks ... Unser Ziel war ein Schrank mit höchster Belastbarkeit, in dem die Luft zugunsten der Fußbodenheizung ungehindert zirkulieren kann und der keinerlei Platz verschenkt. Aus der hohen Anzahl der Belüftungen resultiert zwar viel Aufwand, noch mehr aber aus der Tatsache, dass unsere Kabine keine gerade Wand hat und daher die Bauteile in der Größe voneinander abhängig angefertigt werden mussten. Jedes Brett ist aus der vollen Platte gesägt, jede Leiste aus einer größeren Latte, jede Bohrung einzeln vermessen, vor- / aufgebohrt / gesenkt, jedes Teil entgratet, geschliffen, mehrfach grundiert und gestrichen. Häppchen für Häppchen.

Backofen

Ein Backofen auf Sichthöhe ist ein kruder Verstoß gegen das eherne Gesetz des möglichst tiefen Schwerpunkts. Bei einem potentiellen Rallye- oder Trial-Fahrzeug gehört alles Gewicht möglichst tief und zentral am Fahrzeug angeordnet. Andererseits ist ein Backofen auf Sichthöhe einfach nur geil. Und da unser Steyr auf Rahmenhöhe genug Masse hat und vor allem der Wohnkomfort zählt, gilt für uns: "Scheiß auf den Schwerpunkt, wenn Du der Haxe beim Brutzeln zuschauen kannst!"

Laut Einbauanleitung darf unser Backofenmodell bei guter Belüftung grundsätzlich ohne Außenkamin betrieben werden. Der Ordnung halber baute ich trotzdem einen Kamin an. Der Anbau ist am Gerät vorbereitet und wirkt nach meinem Eindruck optional bzw. zusätzlich zur Innenentlüftung.  Anstelle eines üblichen Dachkamins wählte ich einen TRUMA-Wandkamin mit Rohr-in-Rohr-System mit den Durchmessern 50 und 75 mm. Ein Dachkamin wäre zum einen wegen der Solarzellen nicht in Frage gekommen, zum anderen gilt das Leitmotiv "bloß kein unnötiges Loch ins Dach". Das Abgasrohr verläuft vertikal leicht schräg, da sich an der geometrisch idealen Stelle einen Stützpfeiler in der Kabinenwand befindet.

Der Gas-Backofen ist über einen Frontrahmen reversibel verschraubt. Ein Wartungszugriff auf die Anschlüsse für Gas und Strom kann von mehreren Seiten erfolgen: von oben und seitlich über die Lüftungsgitter bzw. von unten durch zwei große 120 mm-Ausschnitte im Regalboden.

Kühlschrank

Für die Platzwahl des Kühlschranks gelten die gleichen Argumente wie für den Backofen: Das Gewicht muss nach unten. Andererseits ist es schon bequem, wenn man ohne Bücken an das kaltgestellte Bier kommt (wird mit dem Alter ja auch immer wichtiger ... Nicht das Bier!)

Der Kompressor-Kühlschrank ist wie vom Hersteller vorgesehen durch die Seitenwände reversibel verschraubt. Der Kondenswasserablauf per PVC-Schlauch (erstaunlich groß mit 12 Millimeter Innendurchmesser) ist durch die Bodenplatte nach außen verlegt. Interessant für das Wintercamping: Als technisches Schmankerl heizt der Kühlschrank über die Wärmeabgabe des Kompressors die vordere linke Kabinenecke (die vordere rechte Kabinenecke liegt im Bad und wird über die Wärmeabgabe des Heizgerätes beheizt).

Kunststoffkisten

Von Anfang an sollte der Schrank Schubladen auf Vollauszügen haben, die dann aber zugunsten vertieft eingesetzter Kunststoffkisten entfallen sind. Warum wir unsere bewährten Kisten wiederverwendeten:

  • Die Kisten in symmetrischer Größe waren in ausreichender Zahl vorhanden.
  • Die Kisten sind entnehmbar und lassen sich z.B. außerhalb des Autos beladen oder reinigen.
  • Die Kisten lassen sich dank Standardmaßen beliebig austauschen und im Defektfall ersetzen.

Keine Frage, Schubladen hätten für eine geschmeidigere Optik gesorgt. Die Kugelauszüge müssten aber auch gegen ungewolltes Öffnen gesichert werden, wobei die Kosten für optisch und technisch überzeugende Metall-Pushlocks bei rund 20 Euro pro Stück beginnen. Bei unserer Kistenlösung ist die Ladungssicherung in der Bauweise bereits kostenlos integriert; sie "spacken" durch den Aluminium-Kantenschutz in den Vertiefungen und durch Querleisten hinter der Front. "Form follows function" war also sehr kostengünstig zu erzielen (von den kalkulatorischen Lohnkosten mal abgesehen). Manchmal liegt Eleganz eben auch in funktioneller Schlichtheit.

Gas-Kompartiment

Zuunterst im Schrank ist ein 100 l-Gastank fest eingebaut. Befüllt wird er über einen Außenfüllanschluss unter dem Kabinenboden. Schrank und Gastank sind so aufeinander abgestimmt, dass der Tank nachträglich ein- uns ausgebaut werden kann, ohne den Schrank zu zerlegen. Was plausibel klingt, war gar nicht einfach zu erreichen, da die Hälfte des Tankfachs vom Elektrik-Podest vor Schrank und Durchstieg verdeckt wird. Mit mehreren Mess- und Rangierrunden von Tank, Konsolen und reversibel verschraubten Wänden ließ sich das kleine Wunder bewerkstelligen. Einziger Nachteil: Der Gastank ist im Laufe der Messorgien immer kleiner geworden.

Zu Sicherheitsbedenken: Ob in der Wohnkabine eine Gasflasche oder ein Gastank genutzt wird macht für die Bewohner im Prinzip keinen Unterschied, wenn das Ding versagt. Während eine Gasflasche aber einen Kompromiss für den mobilen Einsatz darstellt, ist ein Gastank eine professionelle Lösung mit allen Sicherheitsschikanen. Alle Verbindungsstellen, an denen Gas unkontrolliert austreten und eine Gefährdung darstellen könnte, sind beim Gastank ohne Verbindung zum Wohnraum. Der Armaturenkasten stellt (nach geringfügiger Optimierung) einen gasdichten Raum im Raum dar, der nach außen entlüftet. Im Gas-Kompartiment ist außerdem ein Gaswarner installiert. Bei der Zusammenstellung der Gasanlage konnten wir auf kompetente Beratung in der Nachbarschaft vertrauen: Die Fa. Wynen-Gas in Viersen hat bundesweit in der WoMo-Szene einen tadellosen Ruf und mich x-mal geduldigst beraten.

Die Tankkonsolen sind aufgrund unserer besonderen Einbausituation (die Fußbodenheizung mal wieder) eine Eigenanfertigung. Anstelle der serienmäßigen beiden U-Profile ruht der Tank bei uns auf zwei kräftigen L-Konsolen aus Vierkant-Stahlrohren (50 x 30 x 2 Millimeter) mit Flachmaterialstützen. Die L-Form mit individuellem Lochprofil ermöglicht die Verschraubung mit dem Kabinenboden und der Kabinenwand (pro Konsole 14 Schrauben). Der Tank muss aufgrund der starren Gasleitungen gegen jede Bewegung, insbesondere gegen Verdrehen, gesichert werden. Dazu sind die Konsolen mit einer Unterlage aus Gummi belegt, gegen den der Tank über Stahlbänder (ebenfalls mit dem Gummi unterlegt) gepresst wird. Die selbst gefertigten Spannbänder besitzen an einem Ende eine Schlaufe und werden am anderen Ende aufgewickelt. Die Wicklung erfolgt über selbst angefertigte hochfeste geschlitzte M10 Schrauben (10.9). Die Schrauben sind etwas zum Scheitel der Konsole hin versetzt, so dass für den Reibwiderstand der Spannbänder mehr als ein Viertelkreis zur Verfügung steht.

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