Bauphase I: Auftakt

Das Abenteuer beginnt!

Inspiriert von einigen Outdoor-Urlaube machten wir uns schon länger Gedanken um das ideale Reisefahrzeug, denn unabhängige Mobilität gehört für uns zu den Voraussetzungen einer gelungenen Reise. Wir möchten im Urlaub möglichst unabhängig von externer Infrastruktur und frei in der Wahl unserer Reiseroute sein. Das bedeutet ein gewisses Maß an Autarkie in der Versorgung. Zu kleinen Zugeständnissen sind wir bereit, wir wollen aber unterwegs nicht auf allen Komfort und ein Stück sicheres Zuhause verzichten. Unsere Gedanken fingen beim Rucksackreisen an, gingen zum Fahrrad mit Anhänger über, kreisten um einen Geländewagen und endeten bei einem Transporter mit Allradantrieb. Der  klar erkennbare Trend: Je größer der fahrbare Untersatz, umso mehr Komfort und Unabhängigkeit ist damit erreichbar.

Irgendwann entdeckte ich im Internet mein erstes LKW-Wohnmobil. Da war es um mich geschehen: Ein Allrad-LKW musste es sein! Aber die anfängliche Begeisterung wich schnell ernsthaften Zweifeln: Wie sollten wir das machen? Wie könnten wir ein ausrangiertes Militärfahrzeug zu einem Offroad-Wohnmobil umbauen? Was würde das kosten? Wohin damit im normalen Alltag? Die Vor- und Nachteile lagen schnell auf der Hand, aber zu einer Entscheidung kam ich nicht. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Ich wusste, was ich wollte, aber nicht, wie ich es erreichen könnte. Irgendwann hatte die Chefin genug von der Grübelei und entschied: Wir probieren es aus! And here we are - Jetzt ist der Truck tatsächlich da!

Mit dem lang ersehnten Steyr 12M18 fand eine lange Suche nach einem Basisfahrzeug ihr Ende. Eigentlich hatte ich schon vor über einem Jahr an diesem Fahrzeugtyp Gefallen gefunden. Aber die Sache mit der 7,5-Tonnen-Grenze und dem großen Laster-Führerschein schreckte mich ab. So kam es noch zu einigen Irrwegen und Verwirrungen.  Und als ich dann doch einen 12M18 haben wollte, war der Markt leergefegt. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir schließlich bei Aigner Trucks im schönen Oberbayern fündig wurden. Jetzt ist unser Laster da und das Allrad-LKW-Expeditionsmobil-Projekt kann beginnen.

Warum musste es gerade diese Basis sein? Weil der Steyr 12M18 von Haus aus alles an Antriebs-, Motor- und Fahrwerkstechnik mitbringt, was seinerzeit state-of-the-art war: Permanent-Allrad, drei Differentialsperren, komfortable Parabelfedern, einen durchzugsstarken Turbodiesel-Motor, Scheibenbremsen, uvm. Und weil das Fernfahrerhaus groß genug für zwei Personen und viel Gerödel ist, aber nicht zu groß (wie eine Doppelkabine) und unnötig Aufbaulänge verschenkt. Und weil mir das Karosserie-Design auf Anhieb gefiel!

Als Startpunkt für den Umbau zu einem Expeditionsmobil bat ich Franz Aigner, schlauchlose Räder in der Größe 14.00R20 und einen zweiten Originaltank zu montieren. Ein paar "wie-alles-begann"-Bilder vom grünen Monster finden sich - in Ermangelung frühzeitiger Dokumentationsbestrebungen - leider nur als Links auf die Referenzen unter Franzens Homepage: hier, da und dort.

Ziemlich groß ist der Laster und nicht ganz billig war er. Und wie das bei Autos immer so ist, ab jetzt wird es nur noch teurer. Aber ich wollte ihn unbedingt haben. Am 3. März holten wir den Steyr in Bayern ab. Die 700 Kilometer Überführungsfahrt nach Düsseldorf meisterte die beste aller frisch gebackenen LKW-Fahrerinnen mit Bravour, während ich auf dem Beifahrersitz mit einem Männerschnupfen vor mich hin vegetierte. Nur etwa 16 Liter Diesel gönnte sich der Steyr im Durchschnitt auf 100 Kilometer. Ein Wert, der so niedrig ist, dass ich ihn kaum glauben kann. Inzwischen steht das Objekt der Begierde ganz in der Nähe und hört auf den Namen Oschi.

Stand heute sind wir schon seit 15 Wochen stolze Steyr-Besitzer. Was ist in dieser Zeit passiert? Die ersten paar Wochen machten wir uns mit dem Fahrzeug vertraut: Was ist da alles drin und drum und dran? Was passiert, wenn man auf welchen Knopf drückt? Wo sind die im Wartungshandbuch angesprochenen Stellen am Auto? Funktioniert alles wie es soll?  Nebenbei begannen wir uns Ausrüstung, einige Ersatzteile und Werkzeug zu beschaffen und bauten die quitschende Heizung aus. Im Mai verbrachten wir unseren Jahresurlaub in England und Schottland, nicht ohne währenddessen Pläne zu schmieden, wie wir aus dem Haufen Alteisen ein Reisefahrzeug machen könnten. Seit wir aus dem Urlaub zurück sind versuchen wir, unsere Ideen umzusetzen.

Leider sind unsere Rahmenbedingungen alles andere als ideal. Wir haben keinen Bastelkeller zur Wohnung, keine Garage, keinen Parkplatz vor dem Haus, kaum Werkzeug und keine Ahnung. Wir sind beide keine Handwerker und als Zugezogene fehlen uns Kontakte. Ein Auto haben wir auch nicht (abgesehen von Oschi). Wovon indes reichlich vorhanden ist: Bock auf das Projekt. Ich hoffe, damit lassen sich einige Hürden nehmen...

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