Bauphase I: 2013/KW37

Montag

Ich habe Feierabend und es ist trocken! Der Himmel sieht auch gut aus. Also besuche ich spontan Oschi, um vor der nächsten Regenzeit den Hohlraumschutz zu erledigen. Drei Liter Fluid Film A warten auf mich.

Ich versuche es erst mit einer Pumpflasche ... Pump-Flasche (nicht, dass jemand fragt, was eine Pumpf-Lasche ist). Das Zeug ist aber zu dickflüssig und wird nicht gut zerstäubt. Also probiere ich die Grundierpistole, die zerstäubt zwar gut, aber es geht gefühlt die Hälfte in die Luft verloren. Im folgenden wechsle ich etwas planlos zwischen Flasche und Pistole, komme aber trotzdem gut voran.

Es regnet wieder. Wieso stimmt der Wetterbericht heute? Ich verkrieche mich mit der Pistole unter das Auto und besprühe alles von unten. Dann schlage mir beim Aufstehen fast den Schädel an der Trittstufe ein. Im Spiegel ist eine 3 x 10 Zentimeter große Schwellung mitten auf meiner Platte zu sehen. Monday, bloody monday ... ich gucke mir das besser nicht so genau an.

Zwei Liter bringe ich am Fahrgestell und am bzw. im Fahrerhausboden unter. Einen halben Liter Fluid Film verteile ich in den Hohlräumen im Innenraum der Hütte mit der Pump-Flasche. Als ich aussteige, danke ich für den Regen, der das Zeug, das überall raus läuft und auf den Boden tropft, etwas wegspült. Ups.

Freitag

Zunächst macht sich Ernüchterung breit, denn dort wo der Regen hinfiel, ist kein Fluidfilm mehr. Am Boden nicht, gut, am Auto auch nicht, schlecht. Die Variante A war wohl zu flüssig. Außerdem steht wieder etwas Regenwasser in beiden Fußräumen. Vielleicht liegt es an den verbliebenen fünf Löchern in der Stirnwand des Fahrerhauses.

Es ist einiges zu vermessen für Bestellungen. Zeug, das man wieder nirgendwo passend bekommt. Erst googelt man ewig, bis man die richtige Bezeichnung herausfindet, dann googelt man Stunden, ohne die richtige Größe zu finden. Bisher nicht gefunden habe ich rechtwinklige Spritzwasserdurchführungen für 6 x 1 Millimeter Schlauch und 8 Millimeter Bohrloch-Durchmesser und für die dreieckige Dichtschnur der hinteren Seitenscheiben im Fahrerhaus. Werde ich doch wieder bei MAN vorbei müssen...

Der Rest vom Tag:

  • Schmutzlappen angenietet.
  • Haltegriffe an der Stirnwand angeschraubt (geht allein nur dank seeeehr laaaanger Arme). Damit verbleibt nur noch ein Loch in der Karosse für den Wassereinbruch, sonst muss es an den Dichtungen liegen. Apropos Dichtungen, die Türen gingen schon wesentlich leichter auf und zu, die Türdichtungen haben sich etwas gesetzt.
  • Fenster geputzt.
  • Die einzige nicht zerbröselte Dichtschnur eingepopelt, mühsame Fummelei, das, ohne Spüli.
  • Dann versucht, die restlichen Löcher in der Karosse mit der dritten Sorte Karosseriestopfen zu stopfen. Aber, auch die passen nicht. Wie kann das sein, dass ich mehrmals ein 20 Millimeter Loch ausmesse und Stopfen für 20 Millimeter Bohrungen einfach durchfallen? Jetzt sind 22 Millimeter Stopfen bestellt...

Das Wochenende wird entscheidend, vielleicht kommt Oschi endlich nach Hause.

Samstag

Der geniale Sommer scheint vorbei, das Wetter ist gekippt. Wir hatten dieses Jahr so viel Glück mit dem Wetter, dass wir unser Projekt bisher ohne Halle realisieren konnten, aber nun regnet es am Wochenende.

Der Regen hilft, die Ursache für den Wassereinbruch zu finden. Es sind die vorderen Dreiecksfenster. Der Vorreiber übt nicht genug Druck auf den Klappmechanismus aus, das Wasser kommt problemlos an der Dichtung durch. Ich überlege, die Dichtung aufzupolstern.

Der Fahrersitz kommt an seinen Platz und Oschi wird  zum Lackieren rückwärts in die Werkstatt eingeparkt. Zunächst jage ich eine Kartusche schwarzer Butyl-Scheibendichtmasse unter die vorderen Dichtungen, sicher ist sicher. Dass ich das Zeug großzügig auf der Hütte verschmiere, fällt nicht ins Gewicht, sie wird gleich abschließend lackiert. Ich finde eine Pistole mit Druckminderer, muss aber eine halbe Stunde alte Farbreste wegputzen, bevor sie sauber funktioniert. Dann ist es ein Traum, mit ihr zu arbeiten. Und auf Oschis Hütte sind am Ende zwei alte und sechs neue Lackschichten drauf.

Mit meinen selbstgeschnittenen Dichtungen der Spiegelhalterscharniere aus Tankspannbandunterlage bin ich nicht zufrieden. Zu dick, zu weich. Aus Teichfolie schneide ich neue. Die Spiegelarme wollte ich ursprünglich strahlen und kunststoffbeschichten lassen. Sie sind aber innen völlig verrostet und da man dort nicht drankommt, lasse ich sie so wie sie sind. Sie werden "aufgebraucht" bis sie brechen. Die Heizkabel hatte ich schon rausgerupft, ich lasse sie draußen und befestige sie mit Kabelbindern. Oschi bekommt zwei zusätzliche Weitwinkel-Spiegel für je 10 Euro. Der Gewinn an zusätzlichem Sichtfeld ist genial (auch wenn ich eine Spiegelhalterung verkehrt herum anbaue).

Da der Ersatz-Scheinwerfer noch nicht da ist, baue ich den blind gestrahlten ein. Kurz vor Feierabend mache ich einen Elektriktest und bin fassungslos, bis auf einen Blinker und einen Scheinwerfer ist die Beleuchtung tot. Meine Partylaune hält sich stark in Grenzen, da (Auto-)Elektrik und Verzweiflung bei mir gleichbedeutend sind...

Sonntag

Es ist Sonntag und die Sonne lacht - ein gutes Zeichen. Heute soll Oschi wieder nach Hause kommen. Nach einigen seltsamen Vorgängen auf dem Betriebsgelände des Strahlbetriebs ist unser Vertrauen geschwunden und wir möchten unseren Steyr in Sicherheit wissen. Außerdem sind zuhause auch die Wege kürzer. 

Wir kommen kurz nach 10 Uhr an und legen los. Dass elf Stunden Arbeit vor uns liegen, ist uns noch nicht klar.

Wir beginnen mit den lauten Arbeiten, die wir zu Hause nicht gut machen können: Aussägen der neuen Innenverkleidung.

9 mm Siebdruck ist das Material der Wahl. Etwas überzogen denke ich, aber einen Versuch wert.

Die Rollenverteilung sieht heute so aus: Während Mi sich um die drängenden Arbeiten kümmert, spiele ich mit der Elektrik.

Die Dachluke wird von innen mit Owatrol gestrichen. Dem Dichtprofil der Dachluke ist nicht zu trauen, kaum ein Steyr 12M18 hat keinen Wasserschaden am Himmel.

Eine Rolle Schwerschichtmatte wird im Innenraum verklebt.

Die Frontblende, bisher stiefmütterlich ignoriert, wird angeschliffen und schwarz lackiert. Ein letzes Mal Kompressor und Pistole, oooohhh :-(

Heute gehen schon drei Blinker vorne (war ich gestern auf einem Auge blind?). Ich schaue mir den toten Seitenblinker an. Ah, ich erinnere mich, ein früher Kollateralschaden. Der Blinker war vom Kabel abgerissen worden. Das Kabel steckt tief in der Kunststoffröhre des Kotflügels und ich muss den Trittkasten abschrauben, um das Kabel ziehen zu können. Dieser Umweg ist allerdings meinen Vermessungskünsten bei den Bohrungen des Trittkastens geschuldet. Etwas später ist der Erfolg auf meiner Seite, vier Blinker vorn gehen: Check!

Beim blinden Scheinwerfer ist die Glühbirne defekt. Ich wechsle sie aus und: Fiat Lux! Oder: 2:0 für mich.

Leider ist die Beleuchtung hinten immer noch komplett tot, obwohl alle Birnchen ok sind. Ich verfolge den Kabelstrang bis zur vordersten Quertraverse, alles ok. Dann werfe ich einen Blick in den Sicherungskasten. Uuups, zwei lose Stecker? Ja, ich erinnere mich... Mit den hergestellten Steckkontakten sieht es schon besser aus: Alle Blinker gehen, ein Rücklicht links und ein Bremslicht rechts, kein Rückfahrscheinwerfer. 4:2 für Oschi. Nun ja, ein bißchen Schwund ist immer. Zum Nach-Hause-Fahren sollte es reichen.

Während Mi bei den vorderen Dreiecksfenstern die Dichtung verstärkt, fahre ich den Stapler spazieren, denn die Pritsche will zur Abfahrt wieder montiert werden. Diese soll als Grundlage für eine Wohnkabine verstärkt und anschließend gestrahlt und lackiert werden, dann aber lieber an anderer Stelle.

Ich räume die Pritsche, die seit dem Kauf als Lager dient, leer. Auch das Ersatzrad muss aufgrund der Gewichtsverteilung raus. Dann hebe ich sie mit dem Stapler an, greife einmal um und habe sie schließlich hoch und halbwegs sicher auf der Gabelverlängerung. Da rangieren mit dem schwankenden Trumm nicht gut geht, stelle ich den Stapler ab und will Oschi passend darunter stellen.

Es folgt ein hartes Zirkeltraining. Runter vom Stapler, rein in Oschi, paar Zentimeter fahren, raus aus Oschi, rauf auf den Stapler. Und das ganze nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Zentimeter für Zentimeter positionieren wir Oschi parallel unter der Pritsche und die Pritsche näher am Rahmen.

Es gibt ein paar Tücken, z.B. dass die Gabel falsch unter der Pritsche positioniert ist, ich kann die Pritsche so nicht ablassen, weil ich sonst den Tankstutzen massakrieren würde. Also alles wieder zurück auf Start.

Irgendwann sind wir wieder so weit. Oschi muss nur noch wenige Zentimeter rückwärts fahren, um die hervorstehenden Längsträger der Pritsche unter dem Fahrerhaus einzufädeln. Alles geht gut, bis ich Oschi abstellen will. Die Feststellbremse greift, der Rückwärtsgang ist draußen, ich lasse die Kupplung los, aber der Gang ist noch drin! Ich habe die Geländeuntersetzung eingelegt, um feiner rangieren zu können, und das Drehmoment ist hoch. Oschi ruckt zweimal nach hinten.

Es rummst. Ein Schrei. Kühlwasser spritzt und qualmt. Ich bekomme Oschi zum Stehen, drehe mich um und sehe die Pritsche bedrohlich schwanken. Verd..., wenn die jetzt runter aufs Auto fällt...

Schnell raus und den Schaden begutachten. Die Längsträger der Pritsche durchtrennten einen Kühlwasserschlauch am Ausgleichsbehälter. Und schrammten den Fahrerhausbügel an. Und meine hochgelegte Differentialentlüftung kratzte ein paar Punkte Lack von der Rückwand. Sonst ist nichts passiert! Ich habe einen riesen Bock geschossen aber mehr Glück als Verstand gehabt. Es finden sich sogar ein passender Messingfitting und Schlauchschellen, um den Schlauch zu flicken.

Nach einer Schreck-Pause geht es in die Verlängerung und diesmal geht alles glatt. Die Pritsche findet gaaaanz laaaagsam ihren Platz. Der Tankstutzen ist natürlich wieder im Weg, weil ich bei dem Unfall die Pritsche um ca. 15 Zentimeter auf der Gabel des Staplers nach hinten geschoben habe. Mit Unterleghölzern und einmal umgreifen ist das aber getan.

Zugabe gefällig? Leider kann ich die Gabel nicht komplett rausziehen, hinter dem Stapler ist zu wenig Platz zum Rangieren. Also bleibt die Gabelverlängerung stecken und ich fahre den Stapler so weg. Die Gabelschuhe wuchten wir dann von Hand aus dem Unterrahmen der Pritsche raus.

Mit vier Schrauben wird die Pritsche gesichert, dann ist das Schlimmste geschafft. Hundert weitere Details müssen noch gemacht werden (u.a. diverse Druckluftverbinder, hintere Stahl-Kotflügel, Seitenmarkierungsleuchten, Gurt/-peitsche, große Aufräumaktion, usw.) und schnell wird es dunkel. Aber, wir sind abfahrbereit!

Bis darauf, dass ich den Weg nach Hause um die Umweltzone herum fast nicht finde, geht alles glatt. Oschi läuft tadellos und raucht nur am Anfang etwas, aber er stand ja auch über vier Monate.

Übrigens: Von Standplatten merke ich auf der Heimfahrt nichts, ob das schon die Wirkung der Auswuchtperlen ist?

Dieses Wochenende schraubten wir zu zweit fast 40 Stunden und fühlen uns beide nun wie 80. Alles, wirklich alles tut weh. Kleine und größere Blessuren sind nicht ausgeblieben. Aber wir haben es geschafft, Oschi ist "in Sicherheit".

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