Bauphase I: 2013/KW31

Zusammenbau

So, neulich gab es eine Schubkarre voller Teile vom Feuerverzinken zurück. Verzinken ist eine schöne Sache, guter sauberer Rostschutz, und es setzt auch nette Akzente am Fahrgestell. Allerdings sind stückverzinkte Teile nicht mit galvanisch verzinkter Massenware (z.B. aus dem Baumarkt) zu vergleichen. Das Zink aus dem Tauchbad trägt stellenweise richtig dick auf. Es gibt Tropfen, Pickel, Grate und manchmal schwarze Krusten. Etwas Nachbearbeitung ist also von Nöten.

Flächige Bleche neigen beim Feuerverzinken zum Verziehen. Diese hier sollten sich beim Anschrauben aber wieder in Form bringen lassen:

Die Nachbearbeitung kostete mich einen Samstagvormittag in der Schlosserei. Mein Lieblingsschlosser meint zum Thema Rostschutz: lieber unschön verzinkt als schlecht pulverbeschichtet. Und bei einem ordentlichen Lackaufbau weiß man immer, was man hat.

Oschi bekommt also ein paar silberne Akzente. Außerdem neue Schrauben. Wie kommt es, dass immer gerade die Schraubengröße/-länge, Mutter oder Unterlegscheibe fehlt, die ich brauche? Ich horte inzwischen massig Eisenwaren, aber der Steyr wartet immer wieder mit einer neuen Größe auf. Vom Gefühl her war da schon mal jemand am Auto dran, so viele unterschiedliche Schrauben und Unterlegscheiben gab es doch kaum ab Werk.

Die durchgerosteten Trittkästen ließ ich vom Schlosser neu bauen, sie sind auch schon fertig. Die originalen Kästen kosten bei MAN oder Indutec rund 750 Euro pro Stück!

Inzwischen sind auch locker 200 neue Kabelbinder am Auto verbraten. Hauptsache es wackelt nix mehr am Kabelbaum. Wir wollen Scheuerstellen an den Kabeln vorbeugen, um nicht mit Elektrikproblemen liegen zu bleiben. Am besten kauft man gleich Großpackungen von 100 oder 200 Stück - die gehen schon weg (z.B. auch mal als dritte Hand). Meine Lieblingskabelbinder sind von Hellermann-Tyton und heißen "Befestigungsbinder für Einlochmontage". Die sind besonders gut für Bohrungen oder Löcher im Rahmen zu verwenden.

Außerdem ging mal wieder einen Urlaubstag zum Schrauben drauf. Ein paar Besorgungen, ein paar Kabelbinder hier, ein paar Schrauben da, zwei Stunden Fummelei an den drei Hitzeschutzblechen zwischen Kabelbaum und Auspuff (passten irgendwie nicht mehr so wie zuvor), und noch flugs den Bügel hinter dem Fahrerhaus abgebaut - schon war der Tag rum.

Überlegungen zum Zwischenrahmen

Eine andere Baustelle ist der Hilfsrahmen bzw. die Lagerung für die Wohnkabine, da bin ich noch nicht wirklich weiter. Wir machten im Strahlbetrieb einen einfachen Verschränkungstest, indem wir mit dem Stapler ein Hinterrad anhoben bis auch das Vorderrad den Bodenkontakt verlor. Die Längsträgerprofile vom (nackigen) Steyr verziehen sich dabei relativ zueinander um nicht mehr als sechs Zentimeter. Diese geringe Verwindung erlaubt nach Meinung vieler Internetforisten ganz klar eine sogenannte Federlagerung.

Die Aufbaurichtlinien von Steyr sind schon länger Bettlektüre, aber wie immer, wenn es mehrere Lösungen gibt, finde ich den Baum im Wald nicht. Denn neben der Federlagerung gibt es auch noch Drei- und Vier-Punkt-Lagerungen. Parallel zu meinen Überlegungen ließ der Chef vom Strahlbetrieb mal einen seiner Spezis über mein Projekt schauen, der pauschal 4.500 Euro für eine federverspannte Verbindung von Aufbau und Fahrgestell veranschlagte. Das hat mich schon erschreckt und ich bat den Chef von Alu 4x4 um eine zweite Meinung. Der war die Tage  zur Vermessung vor Ort und sein Angebot für eine Federlagerung liegt in der Größenordnung von 1.600 Euro.

Etwas problematisch für den Zwischenrahmen wird sich die derzeitige Montagehöhe der Tanks und des Luftfilters auswirken. Die Bodenplatte der Kabine würde sich am äußeren Rand im Verschränkungsfall um bis zu etwa sechs Zentimeter auf die Anbauten absenken. Damit sie nicht an den Tanks anstößt, müsste sie 26 Zentimeter über den Rahmenlängsträgern liegen und damit ca. 150 Zentimeter vom Boden entfernt (unbelastet, mit 14.00 R 20 Rädern). Bei 2,20 Meter Aufbauhöhe wird das Auto dann 3,70 Meter hoch. Niedriger ginge es nur mit Ausschnitten im Koffer, eine Verkomplizierung der Bauform, auf die ich überhaupt keine Lust habe. Die Längsträger würden laut Alu 4x4 160 Millimeter hoch, darauf kämen Querträger mit 100 Millimeter Höhe zu liegen (alles C- bzw. U-Profile). Ein Reserveradträger könnte hinten in die Längsträger integriert werden.


Das klingt nach Standard-Bauweise, aber irgendwie zündet die Sache bei mir nicht. Eine Federlagerung hat Grenzen, die eine Vierpunktlagerung nicht hat. Eine Vierpunktlagerung ist jedoch kompliziert zu berechnen und aufwändig (=teuer) im Bau, außerdem gilt sie als weniger fahrstabil. Vierpunkt oder Feder, Feder oder Vierpunkt?

Lackierversuche

Soweit die Theorie, praktisch warte ich seit Wochen darauf, dass der Lackierer des Strahlbetriebs das Fahrerhaus des Steyrs lackiert. Möglicherweise kommt es dazu aber nicht. Wie ich leidvoll herausfinden musste, wurde der Antriebstrang zu dünn lackiert. Nach ein paar Regengüssen zeigt sich am Verteilergetriebe schon wieder Flugrost. Den Lackierer ficht das nicht an und ich habe zur Zeit alle Hände voll zu tun, das schnellstmöglich in Ordnung zu bringen! Wenn man nicht alles selber macht, grrr! Jetzt muss ich den Staub abbürsten, den Antrieb fertanisieren,  und kärchern und besser selbst lackieren. Es scheint sich also wohl zu empfehlen, dass ich das Fahrerhaus auch selbst lackiere. Pfuschen kann ich auch selbst, dafür brauche ich niemanden zu bezahlen. Naja, Rückschläge machen den Champion...

Kleinteile wollte ich bisher nicht lackieren, um mir die Zeit für das Erlernen des Umgangs mit der Spritzpistole und den Platz für das Trocknen der Farbe zu sparen. Da war Verzinken eine gute Alternative, es muss ja nicht schön, sondern nur rostfrei werden. Allerdings werde ich jetzt wohl doch anfangen, einige Teile zu lackieren, da sie sich schlecht verzinken lassen. Die Infrastruktur (Kompressor und Spritzpistole) ist da und nach der zu dünnen Lackierung am Verteilergetriebe mache ich es lieber selber schlecht.

Als Vorbereitung wurde Oschi heute drei Stunden lang gekärchert. Nach einer Stunde fand ich etwas ungemein hilfreiches heraus: Das, was ich für irgendwelche komischen Ventile hielt, waren die am Gerät geparkten Aufsätze, die den "Hochdruck" machen. Bis dahin kam nämlich nur ein müder Strahl aus dem Gerät und ich dachte schon der Wasserdruck der Hausleitung wäre zu gering...

Danach packte ich den Steyr sorgfältig in eine Plane ein (die natürlich über Nacht reißen wird) und morgen wird dann abgeklebt und vielleicht schon lackiert. Also sobald der angesagte Regen aufhört. Ach ja... Es könnte alles so einfach sein - isses aber nicht.

Am Samstagvormittag 1,5 Liter schwarzen 3-in-1-Lack am Chassis verballert - ein Tropfen auf den heißen Stein. Mehr Farbe war leider nicht mehr vorrätig, obwohl ich mehr gehortet hatte. Dafür stand ein frisch in schwarzer Farbe lackiertes Fahrgestell eines anderen Autos auf dem Firmengelände. Da muss wohl jemand in meinem Vorrat fündig geworden sein. Wie neulich bei den Batterien: Finde ich zwei Autobatterien in der Werkstatt des Strahlbetriebs am Ladegerät, die meinen verdächtig ähnlich sehen. Stellen sich auch als meine heraus. Frage ich den Strahler: Wieso hängen meine Batterien (die ich auf der als Teilelager genutzten Pritsche versteckt hatte) hier am Ladegerät? Antwortet der Strahler: Weil sie leer sind. Ich: Wieso sind die leer? Der Strahler zuckt nur mit den Achseln. Forsche ich etwas auf dem Gelände nach und finde heraus, dass der Betrieb hier ein Unimog-Fahrgestell mit Anlasser und meinen Batterien auf dem Hof herumrangierte bis die Batterien leer waren. Sachen gibt's... Irgendwie ist das nicht sehr vertrauenswürdig.

Am Samstagnachmittag und Sonntag - erstaunlich was zwei Leute in eineinhalb Tagen schaffen können - wurde die Hütte von uns lackierfertig vorbereitet. Einmal Führerhaus innen und außen komplett anschleifen, entrosten, zweimal grundieren außen, einmal innen. Viel Schufterei auf der Betonplatte in der prallen Sonne. Beim abendlichen Duschen fand ich unter der Haut noch einige Zentimeter Draht von der Topfbürste ... uahaha 😲

Die Arbeit mit der Lackierpistole macht zu meiner Überraschung richtig Spaß. Vielleicht liegt das am steten Verdünnungsnebel... Das Ergebnis ist beim ersten Mal natürlich nicht perfekt. Hier und da finden sich Läufer und Kleckse. Aber besser zu viel als zu wenig Farbe. Eine wichtige Erkenntnis: Wir kriegen das auch selbst hin! Und vielleicht schleifen wir ja vor dem Decklack noch einmal drüber.

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