Bauphase I: 2013/KW28

Dienstag

Jetzt ist Oschis Rahmen lackiert und das Ergebnis finde ich optisch ganz ordentlich. Das sieht schon nach einem ganz anderen Fahrzeug aus als vorher. Lackiert wurde in der Sandstrahlhalle, deswegen ist der Lack nicht ganz staubfrei. You get what you pay for... Einen teuren Hochglanzlack braucht Oschi nicht, er war, ist und bleibt ein Gebrauchsobjekt. Leider wurde auch der Motor mitlackiert, worüber ich nicht ganz glücklich bin. Wir hatten das Kühlsystem schon in Teilen erneuert und das sah vorher besser aus. Nun ja, Optik...

Bei der Lackierung kam zur Anwendung: eine Schicht Rostkonverter (3 Liter), drei Schichten Grundierung (15 Liter) und zwei Schichten Chassislack (10 Liter) zzgl. 10 Liter Verdünnung. Der Rostkonverter ist zugegebener Maßen ein Experiment, denn Rost war nach dem Sandstrahlen keiner mehr da. Angeblich soll der Konverter aber die Oberfläche wie eine Art Brünierung/Eloxierung verschließen. Wir werden sehen... Der 3-in-1-Lack war nach 24 Stunden noch butterweich und beim Montieren der ersten Anbauteile gab es gleich einige Macken zu überpinseln. Nach weiteren 24 Stunden war der Lack schon robuster aber noch lange nicht belastbar. Ich will ganz am Schluss, wenn auch das Fahrerhaus gemacht ist, noch eine finale Farbschicht - rein für die Optik - über die Pinselstriche legen. Wenn dann zum Herbst hin alles ausgehärtet ist, soll noch Wachs und Fett in die Ritzen. Ich hoffe, so aufbereitet hält das dann weitere 28 Jahre.

Ach ja, zum bisherigen Lackieraufwand (inkl. Felgen): 5 Stunden Trockeneisstrahlen, 10 Stunden Sandstrahlen, ca. 3 Tage Lackieren. Und ungezählte Wochenendstunden Eigenleistung für die Demontage der Anbauteile.

Mittwoch

Heute bin ich "in the mood", ein wenig Nabelschau zu betreiben. Los geht es mit einem typischen Tag in meinem Schrauberleben: Frühmorgens vor meinem Bürojob war ich schon in Sachen Oschi unterwegs, um bei meinem Schlosser ein paar unlösbare Schraubverbindungen zu lösen. Ich hatte ja schon die Idee, dass man eine Mutter sprengen kann, wusste aber nicht, dass das mit Hammer und Meissel geht. Ich probierte erst selbst ein paar zarte Schläge, hatte aber zu viel Sorge, mir auf die Finger zu hauen. Also hat es dann doch einer gemacht, der es kann.

Nach Schichtende im Büro war ich dann weitere zwei Stunden in Sachen Oschi unterwegs. Die nächsten Handgriffe am Fahrerhaus waren zu besprechen. Wo muss geschweißt werden? Welche Grundierung, welcher Füller und welche Lackqualität werden benötigt? Wie baue ich die übrigen Scheiben aus (die Heckscheibe hat sich ja erledigt, grummel)? Was ist mit Türen, Innenraum, usw.? Außerdem lieferte ich noch ca. 100 Kilogramm Anbauteile aus Stahl zum Verzinken ab.

Schon verzinkt bzw. zum Teil neu gebaut sind: acht  von den Kotflügelhalterungen, die Luftfilter-Schelle und die  Deckel der Trittkästen. Noch verzinkt werden weitere Kotflügelhalter, diverse Konsolen von Aggregaten, der Unterfahrschutz, die Parabelfeder-Anschläge, die Hitzeschutzbleche des Krümmers, die großen Blechteile unterhalb der Türen und noch weiterer Kleinkram, bei dem ich schon gar nicht mehr weiß, wo der weggebaut wurde. Zum Glück machen wir fortlaufend Beweisfotos.

Den obligatorischen Gang zum Baumarkt sparte ich mir heute, da war ich ja gestern erst. Apropos Gang: die gute Schlosser-Seele ist von zuhause fußläufig erreichbar. Oschis Bauplatz liegt jedoch 20 Kilometer entfernt und "isch 'abe gar keine Auto". Da bleibt mir nur das Stadtrad und ein Leihwagen am Wochenende (günstiger Tarif). 

Kein normaler Tag vergeht, ohne dass mich das Projekt beschäftigt. Wenn nicht geschraubt wird, dann wird geplant oder eingekauft. Sind die Teile besorgt, dann wird geschraubt. Das Projekt frisst enorm Geld und Zeit, muss aber irgendwie neben Beruf und Familie und anderen Interessen zu machen sein. Wie lange hält meine Motivation wohl noch an? Kommt irgendwann der Moment, an dem es mir reicht? Und geht zuerst das Geld oder die Motivation aus?

Naja, für das Wochende steht schon wieder ausreichend Arbeit auf der ToDo-Liste. Ich sollte dafür Endlospapier verwenden. Wenn ich oben zehn erledigte Punkte rausstreiche, kommen unten 15 neue dazu.

Wir beschäftigen uns auch mit dem Grundriss der Wohnkabine. Hier ein Versuch, unsere Innenausstattung plastisch darzustellen:

Sonntag

Hurra, heute gab es keinen Glasbruch! Obwohl wir zum ersten Mal eine Autoscheibe ausbauten.

Die beiden Seitenscheiben im Steyr gehen ganz einfach raus. Zunächst muss von außen eine Gummiwurst (Keder?) aus der Dichtung gezogen werden. Dann hebt man draußen die Dichtung am Rand von der Karosserie ab und drückt die Scheiben sanft nach innen. Wenn man das flächig macht, kann man die Scheibe samt Dichtung vorsichtig durch die Fensteröffnung nach innen rutschen lassen, wo sie dann ein Helfer in Empfang nimmt.

Bei der Frontscheibe wurde mir von einem Mechaniker empfohlen, die Dichtung außen aufzuschneiden und beim Einbau später zu ersetzen. Also besorgte ich brav bei MAN eine neue Dichtung - für ein Heidengeld natürlich. Nur, jetzt brauche ich sie wohl gar nicht. Mein Lackierer zeigte mir nämlich, wie ich Scheibe und Dichtung zerstörungsfrei ausbaue: vom Innenraum aus wird die Dichtung mit einem flachen breiten Schraubendreher unter den Karosseriefalz geklemmt - Stück für Stück. Man beginnt.oben in der Mitte, dann geht es zu den oberen Ecken. Die Ecken lässt man aus und arbeitet dann die Seiten von oben bis zur Mitte herunter. So arbeitet man sich Zentimeter um Zentimeter voran. Wenn also die obere Hälfte der Dichtung unter dem Falz klemmt, kippt die Scheibe durch die Öffnung nach außen, wo ein Helfer sie dann greifen kann (ein Gerüst ist von Vorteil). Ein bisschen ruckeln und schon ist sie frei. Die größte Sorge gilt danach der Aufbewahrung der Scheibe, bis sie nach dem Lackieren der Hütte wieder eingebaut werden kann.

Hier noch ein Bild vom Fahrerhaus, bevor wir Türen, Dachluke, 100 Schrauben und Gummistöpsel, Griffe, Gurte, Teile vom Armaturenbrett und was weiss ich noch alles herausholten (man beachte die Wegfahrsperre):

Die gesamte Inneneinrichtung samt Befestigungstechnik liegt schon seit Monaten verteilt in der Wohnung herum. Mehr als die chaotische Aufbewahrung der Einzelteile stresst mich, dass wir immer mehr auseinandernehmen und Nichts zusammenbauen. Allerdings dürfte heute ein Wendepunkt im Zerlegen erreicht sein. Das feierliche Festschrauben der Luftfilter-Schelle markierte sozusagen die Halbzeit. Allerdings verzweifelte ich an der Spannung der Schelle (Schraube zu kurz, Winkel zu doof). Aber meine bessere Hälfte hatte dann die rettende Idee mit der Vorspannung durch einen Ratschengurt. Gut, wenn man zu zweit ist...

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