Bauphase I: 2013/KW26

Theorie...

Der Plan - d.h. soweit man es einen Plan nennen kann - lautet wie folgt: Innerhalb eines Jahres soll unser Steyr grob reisefertig sein. Aufgrund begrenzter Mittel streben wir kein High-Tech-Showmobil an. Das Ziel ist vielmehr ein No-Stress-Mobil: praktisch, bodenständig und zuverlässig. Als Wohnkabine hat die weibliche Projektleitung einen Eigenbau aus Holz in Fachwerk/Sandwich-Bauweise bestimmt. Über Holz kann man geteilter Meinung sein (was wir auch sind), aber es sprechen einfach gute Gründe dafür. So finden wir weder einen fertigen Aufbau aus anderweitigem Material in unseren Wunschmaßen, noch können wir uns einen solchen zeitnah bauen lassen. Und als Selbstbau-Laien wiederum trauen wir uns kein anderes Material als Holz zu.

Ich habe noch keine exakte Vorstellung davon, wie die Wohnkabine konstruiert sein soll. Im Moment kreisen mir viele Ideen durch den Kopf und ein paar davon zu Statik und Verbindungstechnik der Holzbauteile brachte ich schon als Skizze zu Papier. Ein detaillierter Plan entsteht aufgrund des aktuell sehr hohen Zeitbedarfs für die Aufbereitung des Fahrgestells bestenfalls nebenbei.

Um überhaupt einmal ein Gefühl für die Dimensionen und Materialstärken der Konstruktion zu bekommen, begannen wir am Küchentisch ein Balsaholzmodell im Maßstab 1:10 zu bauen. Der Modellbau schreitet langsam voran und bringt wertvolle Erkenntnisse (Euphemismus für: Probleme über Probleme). Die Bilder zeigen den Aufbau von Bodenplatte und Kabinendecke sowie die Konstruktion der Stirnwand (die einen Durchgang zum Fahrerhaus ermöglich soll).

...und Praxis

Da der Steyr nach einer gründlichen Durchsicht doch etwas mehr Rost im Detail zeigte als bei der oberflächlichen Besichtigung wahrgenommen, beginne ich die Fahrzeugaufbereitung mit dem Entfernen des Rosts. Bei einem so verschachtelten und zugebauten Objekt wie einem LKW-Rahmen kann man entweder monatelang mühsam herumschleifen oder man geht mit der groben Keule ran: Strahlen! Das die schnellste und gründlichste Lösung. Dafür muss das Fahrgestell jedoch möglichst weit in seine Einzelteile zerlegt werden. Ich sprach also bei einigen Strahl- und Lackierbetrieben in der Gegend vor. Zunächst kassierte ich nur skeptische Blicke und Absagen, als ich mit dem Steyr vorfuhr. Ein ganzes Fahrzeug wollte niemand strahlen, wenn überhaupt, dann nur einzelne Teile. Über Wochen bemühte ich mich erfolglos, einen willigen Strahlbetrieb zu finden. Das Projekt erschien den Betrieben zu umfangreich und zeitaufwändig. 

Schließlich fand ich über meinen Teilehändler eine Kooperationsmöglichkeit in der Nähe. Der Betrieb wollte das Strahlen, Grundieren und Lackieren in Eigenregie während unseres vierwöchigen Schottland-Urlaubes im Mai vornehmen. Als wir aus dem Urlaub zurückkehrten, hatte es der Betrieb jedoch nur geschafft, vier der sechs Pritschenschrauben zu lösen. Nun ja, dann packen wir wohl doch besser mit an und erbringen die gewünschte Demontage in Eigenleistung. Wir zerlegen das Fahrzeug also auf dem Gelände des Sandstrahlbetriebes, der uns einige Vorgaben machte. So muss das Fahrzeug noch auf eigener Achse in die Strahlhalle rollen können und darf dort nur für kurze Zeit stehen bleiben. Außerdem wäre eine Vorbehandlung durch Eisstrahlen nötig, um das Sandstrahlgut zwecks Wiederverwendung nicht mit Fett und Wachs zu kontaminieren. Okay...

Diese Woche war nun Superhelden-Treffen am Bauplatz. Trockeneis-Man pustete drei Stunden lang altes Fett von Rahmen und Fahrerhaus und machte echt viel Lärm für's Geld. Danach machte sich Sandstrahl-Man an die Arbeit. Ihn zähle ich inzwischen eher zu den Superschurken als zu den Superhelden, weil er einige Kollateralschäden auf dem Gewissen hat. Der Kühler ist leck geschlagen, die Heckscheibe zerbröselt und ein Scheinwerfer halb blind. Sandstrahlen ist wohl keine minimalinvasive Chirurgie. Etwas suspekt erscheint mir auch das Abstützen des Fahrerhauses an der Decke der Strahlhalle, aber was verstehe ich als Laie schon von fachmännischer Arbeit...

Knapp drei Monate schrauben wir nun schon am Steyr und was mir anfangs wie ein üppiger Zeitplan vorkam, erscheint mir nach den ersten spärlichen Erfolgen inzwischen sehr sportlich...

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