Reisevorbereitung Casamance

Sieben Länder, 14 Grenzübertritte und mindestens 15.000 Kilometer - das ist unser Programm für die nächsten sechs Monate. Nach zweieinhalb Jahren Fernreise-Pause geht videomundum wieder auf Tour. Zwei Reisevorhaben sind in der Zwischenzeit geplatzt und auf die Frage "Reist Ihr schon oder schraubt Ihr noch?" war unsere Antwort meist nur ein verlegenes Herumdrucksen. Aber jetzt geht's endlich wieder los!


Weil Winter ist, fahren Mi und ich wieder nach Afrika. Und weil wir bei Sand und Steinen nicht so richtig steil gehen, ist der Plan, diesmal ein gutes Stück weiter nach Süden vorzudringen und das richtige Afrika zu sehen, das sagenumwobene grüne Afrika. Unser Fernziel ist die Casamance-Region im Süden des Senegal. Aus der Sahara kommend ist dies der erste Landstrich in Afrika, der mit tropischem Regenwald aufwarten kann. Dort erwarten wir nicht nur jede Menge exotischer Natur, sondern auch viele historische Kulturstätten, die Afrikas Ruf als Wiege der Menschheit begründeten. Mi und ich freuen uns riesig auf viel Wasser, eine überbordende Vegetation und Tiere, Tiere, Tiere!

Das Motto der Winterreise 2019/20 lautet: videomundum goes djungel! Aber nicht mit dem Flieger, nein, warum einfach wenn es auch kompliziert geht? Wir wollen mit dem Auto hin. Von Deutschland aus. Der Weg sei schließlich das Ziel, sagt man. Wir wollen die Casamance mit Oschi auf eigener Achse erreichen. Nach allem, was wir vorab wissen, wird diese Reise für uns und unseren Truck erstmals echten Expeditionscharakter haben. Diesmal soll es richtig ernst werden, diesmal sollen Mensch und Maschine so richtig gefordert werden. Entsprechend gründlich bereiten wir uns vor. Als leidenschaftlicher Hypochonder begeistere ich mich natürlich für die Krankheiten, die ich mir in Afrika holen könnte: Malaria, Gelbfieber, Hepatitis, Meningitis, Cholera, ... Um es kurz zu machen: Alles was Du nicht haben willst kommt aus der Ecke. Sagt der Doc. Sieben verschiedene Impfungen haben wir uns deshalb vorsichtshalber abgeholt. Dazu kommt die unverzichtbare Malariaprophylaxe, denn der Senegal liegt leider in der Zone der immer noch tödlichen Malaria tropica. Ersatz-Wasserfilter und hochwirksame Mittel zur Wasserdesinfektion und Mückenabwehr liegen bereit und der Medizinschrank wurde aufgestockt. 

Die Vorbereitungen für das Abenteuer laufen schon seit Wochen. Erst die letzten, dann die allerletzten und dann noch die allerallerletzten. Immerhin lassen wir auf dem Weg nach Süden kaum eine Klimazone aus: Nach dem Start im kontinentalen Winter steuern wir zunächst auf eine Pyrenäenüberquerung zwischen Frankreich und Spanien zu. Später werden wir in Südspanien den Kontinent wechseln. Wir folgen dem Lauf der Sonne durch das Atlasgebirge. Danach wartet eine Saharadurchquerung von Nord nach Süd auf uns. Einige tausend Kilometer weiter südlich erreichen wir das Ziel unserer Reise. Nach Plan treffen wir im grünen Afrika in der Mitte zwischen zwei Regenzeiten ein. Dann läuft die Zeit, denn wir müssen auch wieder durch die Sahara zurück, bevor uns der afrikanische Sommer auf den Grill legt. Ende April schlagen wir wieder in Deutschland auf und haben für die Daheimgebliebenen den Frühling im Gepäck dabei.

Die Beschaffung der nötigen Papiere für Zoll, Visa und Fahrzeug ist abgeschlossen. Ein Carnet de Passage liegt bereit, der Geltungsbereich der grünen Karte wurde von der KFZ-Versicherung auf Marokko erweitert. Elementare Vorräte, angepasste Kleidung und gutes Schuhwerk sind im Auto verstaut. Die persönlichen Vorkehrungen sind gut planbar und lassen sich per Checkliste abarbeiten. Unsere  ausführliche Checkliste für Reisen aller Art werde ich für Euch demnächst in den Reiseinfos zum Download ablegen.

Was unser Ziel betrifft, so ist - wie bei vielen Orten Afrikas - auch die Geschichte der Casamance eine der bewaffneten Konflikte. Durch Gambia und den Gambien River vom restlichen Senegal abgeschottet, ist die überaus fruchtbare Region schon seit der Kolonialzeit von Separatisten und Regierungstruppen umkämpft. Die Waffen ruhen erst seit wenigen Jahren. Zu den Expeditionsvorbereitungen gehört deshalb unbedingt auch die Einschätzung der politischen Sicherheitslage der bereisten Regionen. Sagt das Auswärtige Amt. Also lasen wir die offiziellen außenpolitischen Internetseiten Deutschlands und der Schweiz. Die einhellige Kernaussage: Du sollst da nicht hinfahren. Nicht in die Westsahara, nicht nach Mauretanien, nicht in die Casamance. Wenn Du aber schon hinfahren musst, dann nicht in Städte aber auch nicht in abgelegene Gebiete. Und wenn Du schon da bist, dann bleib am besten im Hotel oder nimm Dir einen registrierten ortskundigen Guide. Von Ausflügen auf eigene Faust wird in jedem Fall abgeraten. Damit war unser gesamter Reiseplan eigentlich gestorben. Am nächsten Tag jedoch ging durch die Presse die Nachricht von dem beknackten deutschen Arschloch, das in Halle mit einem Auto voller Waffen und Sprengstoff auf Menschenjagd ging. So gesehen sind wir ja auch in Deutschland nicht sicher. Meinen wir. So what...

Gespannt sind wir darauf, wie Oschi sich durchschlagen wird. Lässt man das hohe Gewicht des mit allen Schikanen ausgestatteten Wohnaufbaus mal außen vor, ist der Steyr 12M18  sicher genau das richtige Basisfahrzeug für den geplanten Abenteuertrip. Die Offroadfähigkeiten des Steyrs lassen keine Wünsche offen. Aber auch die beste Allrad-Technik kommt an ihre Grenzen, wenn der Untergrund zu weich oder der Fahrer zu übermütig wird. Nicht wenige Gedanken entfallen daher auf die nötige (Berge-)Ausrüstung. Insbesondere hätte ich gerne einen zweiten Ersatzreifen dabei, doch sind die Pläne zur Unterbringung am Fahrzeug dafür noch nicht umgesetzt. Alles schafft man eben nie.

Die technische Zuverlässigkeit unseres Trucks empfinde ich trotz langjähriger Erfahrung immer noch als große Unbekannte. Oschi war in der Vergangenheit immer für eine Überraschung gut. Dadurch ist mein Urvertrauen in den Steyr etwas geschwunden. Andererseits sollte die Technik nach all den großen und kleinen Reparaturen jetzt in Bestform sein. Und ich kann ja nicht nur noch in Sichtweite unserer Werkstatt bleiben. Eine Garantie, dass unterwegs nichts kaputt geht, gibt es auch bei einem Neuwagen nicht. An einem Auto geht alles irgendwann kaputt, das ist nur eine Frage der Zeit und Beanspruchung. Solange ein Defekt nicht zum Show-Stopper wird, können wir damit umgehen. Die Bordmittel zur Feldreparatur sind entsprechend aufgestockt. Ernsthafte Defekte möge sich Oschi bitte aufsparen, bis wir wieder zurück sind. Dann fahren wir zur Nachsorge ohnehin zu HaKaWe, wo man an Grube 3 gerüchteweise inzwischen eine Plakette mit dem Schriftzug "Oschi" angebracht haben soll.

Bis Mitte der Woche der Startschuss fällt, arbeiten wir noch fieberhaft an der Reiseroute. Einige gut erschlossene Nationalparks liegen ebenso auf der Strecke wie ein paar abgelegenere Fotospots, die man nur mit Allradantrieb erreichen kann. Die anspruchsvolle Anfahrt und die möglichen Übernachtungsplätze plane ich anhand hochauflösender Satellitenbilder. Zwar kann man die Machbarkeit erst vor Ort wirklich einschätzen, aber wer nicht vorher schon ein paar Alternativen gut vorbereitet hat, ist schnell aufgeschmissen und vom Zufall abhängig. Wenn mir die letzte Fernreise eines aufgezeigt hat, dann den Unterschied zwischen "flexibel" und "planlos". Ganz grob wird unsere Route von Deutschland über Luxemburg, Frankreich und Spanien nach Marokko führen. Andorra und Gibraltar lassen wir diesmal aus. Unser Weg durch die Sahara verläuft durch die Westsahara und Mauretanien. Interessant dürften die Grenzübergänge in den Senegal und nach Gambia werden, ich habe da Geschichten gehört, also ... da muss ich hin!

Über die Details der Reise halte ich Euch natürlich bei Facebook und im Blog auf dem Laufenden. Wenn Ihr mögt, seid dabei, und drückt uns live und in Farbe die Daumen, dass wir unser Ziel erreichen. Auf das Geschichtenerzählen freue ich mich ganz besonders, weil ich mir nach dem positiven Feedback meiner Vortragspremiere durchaus vorstellen kann, noch öfter die Rampensau in mir herauszulassen. Jetzt habe ich aber schon viel mehr verraten, als ich gemeinhin tue. Schauen wir erst einmal, ob wir uns von Pension Mama lösen können...

See you on the road ;-)

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