Geburtstag Trucker-Style

Ein Tag wie jeder andere und doch ein besonderer Tag: Wir haben Geburtstag. Jepp: Wir! Beide am gleichen Tag. Ja, mussten wir lange für suchen. :-) Und weil große Parties zu schmeißen nicht unser Ding ist,  feiern wir traditionell in kleinstmöglicher Runde und am liebsten im Ausland. Diesmal sind wir in Belgien. Traditionell haben wir für unseren besonderen Tag einen besonderen Plan und beinahe ebenso traditionell durchkreuzt das Schicksal unsere Pläne.

So in etwa sah der Plan aus: Oschi parkt an einem ruhigen Platz mit schöner Aussicht. Wir schlafen aus und beginnen den Tag ganz entspannt mit frischem Latte und perfekten Croissants vom fußläufig erreichbaren Bäcker. Im Laufe des Tages gehen wir ins Schwimmbad nebenan und faulenzen im Hot Tub. Später essen wir in einem kleinen aber feinen Restaurant leckere Muscheln mit dicken belgischen Pommes. Dann kaufen wir noch einen Carrefour leer und abends wird gegrillt. Was soll der Geiz, Geburtstag ist nur einmal im Jahr.

Das Schicksal dazu so: Ahahahahaha!

Die Realität: Wir sind in einem großen Industriegebiet direkt an der Autobahn gestrandet und verbringen hier notgedrungen die Nacht. Der Schwerpunkt liegt hier auf Logistik, 24 Stunden am Tag, sieben Tagen in  der Woche. Die ganze Nacht hindurch rangieren schwere Lastzüge und irgendwo röhrt immer ein Kühlaggregat. Aber was willst Du machen? Oschi (aka die Dreckskarre) verliert seit dem gestrigen Abend dauerhaft Luft am linken Hinterrad. Der Reifen war etwas platt und als ich an der Tanke versuchte, ihn wieder aufzupumpen, wurde alles nur noch schlimmer. Seither zischt es permanent vom Ventil. Irgendwas ist da nicht in Ordnung, aber was genau, fand ich im Dunkeln nicht heraus. Eigentlich hätte ich das Ersatzrad einwechseln sollen. Eigentlich heißt: Ich hatte Null Bock auf einen nächtlichen Reifenwechsel und peilte stattdessen lieber eine LKW-Reifenbude in eben diesem Industriegebiet an.

Wir stehen nicht direkt neben der Autobahn, dazwischen liegt noch ein Tierheim. Die Hunde sind als erste wach und ihr Gebell übertönt sogar das Röhren der Kühlauflieger. Das Geburtstags-Brunch fällt aus, denn Oschis stetig zunehmende Schlagseite gibt Grund zur Sorge. Als erster Kunde fahre ich auf das Werkstattgelände. Ein freundlicher Mechaniker hört sich an, wie die Luft laut zischend am Ventil entweicht.  Mit einem Griff hat er es ansatzlos in der Hand. Ups! Es ist glatt abgebrochen...

Ruckzuck steht ein 80-Tonnen-Wagenheber unter der Hinterachse, bevor der Steyr gänzlich in die Knie geht. Wir begutachten das Ventil. Als „Shit-System“ bezeichnet der Mechaniker die Bauart. Er macht mich auf eine Sollbruchstelle aufmerksam. Und nach Demontage des Reifens findet er heraus, dass der Durchmesser des Gewindes für das Loch im Felgenboden eigentlich zu klein ist. Das hält so zwar seit 50tkm, ist aber trotzdem nicht optimal und schon gar nicht geeignet, mein seit dem Motorschaden beschädigtes Vertrauen in Oschi wiederherzustellen. Der Mechaniker ist gar nicht glücklich, als ich ihm eines meiner baugleichen Ersatzventile in die Hand drücke. Da die richtigen Ventile aber zwei Wochen Lieferzeit haben, baut er es widerwillig doch ein. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder fahrbereit. Die Rechnung? Erstaunlicherweise nicht der Rede wert! 

Ich kann nicht sagen, warum das Ventil angebrochen war. So etwas sollte eigentlich nur passieren, wenn übermäßig Druck/Zug auf das Ventil ausgeübt wurde. Beispielsweise, wenn ein rotierender Reifen im Geländeeinsatz bis über das Ventil im Dreck versinkt. Nur, ernsthaftes Gelände hat Oschi schon lange nicht mehr gesehen. Allerdings verlor der Reifen hinten links immer schon etwas mehr Luft als die anderen. Ich kann mich wohl glücklich schätzen, dass mir das Ventil nicht auf der Autobahn davon geflogen ist. Zwar würde sich der Reifen in dem Fall nicht schlagartig entleeren, aber wer weiß schon, ob ich die Fuhre bei 80km/h noch sicher abfangen könnte, wenn sie das eiern anfinge...?

Als wir vom Hof fahren, ist es später Vormittag und  die Laune nicht die beste. Wir sind ob der Ventile verunsichert und der Magen hängt uns in den Kniekehlen (wie mein Opa zu sagen pflegte). Die unruhige Nacht und das ausgefallene Brunch heitern uns auch nicht wirklich auf. Zumindest mit dem Mittagessen muss es jetzt schnell gehen, denn wenn die Chefin Hunger hat, ist nicht mit ihr zu spaßen. Der Notfallplan sieht Fritten mit Mayo, Schaschlik und eine eiskalte Cola vom Imbiss um die Ecke vor. Die Cola ist geil aber das Essen ebenso schlecht wie teuer. Zeit für eine Zäsur. Der Tag fing nicht gut an, aber etwas Gutes liegt trotzdem darin: Es kann nur besser werden. In diesem Sinne, wo ist der nächste Carrefour?

Euer Christian aka Oschi

PS: Um die Ventile vor einer schädigenden Hebelwirkung zu schützen, müsste eine geeignete Vorrichtung auf die Felge. Ich habe als Notlösung erst einmal Stützbleche angefertigt und aufgeklebt. Besser wäre ein geeignet modifizierter Flansch, möglicherweise verschraubt oder verschweißt. Generell halte ich so einen Schutz vor allem bei den Vorderrädern für angebracht, da man beim Aufstieg zum Fahrerhaus versehentlich auf das Ventil treten kann. Mal sehen, was mir dazu noch einfällt...

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