Ausrüstung für Reparatur und Wartung unterwegs

Gäbe es Murphy's Law nicht, es gäbe keine Autopannen. Kein Asphaltcowboy müsste nachts um halb drei im Regen auf den Abschleppdienst warten, kein Overlander müsste in der Sahara die Kupplung wechseln. Die gelben Engel des ADAC wären eine Figur aus dem Reich der Mythen und Legenden. Das Leben könnte so einfach sein, gäbe es Murphy's Law nicht.

Murphy's Law

Nun ist Murphys Gesetz aber in der Welt und wohl jeder ist damit schon einmal in Konflikt geraten. Die Standardfassung von Murphy's Law lautet:

“Anything that can go wrong will go wrong”

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Übertragen auf ein Expeditionsmobil besagt das Gesetz, dass alles was an Fahrzeug und Aufbau kaputt gehen kann, irgendwann auch kaputt geht. Gerne im ungelegensten Moment und manchmal sogar mehrfach. Es ist nur eine Frage von Zeit, menschlichem Versagen und/oder Materialermüdung. Manchmal ist es nur ein Cent-Artikel, der eine Reise unverhofft zum Stillstand bringt und der sich dann - obwohl zuhause ein vollkommen handelsüblicher Artikel - vor Ort nicht auftreiben lässt. Erfahrene Reisende bereiten sich daher schon vor einer Tour ins Ungewisse auf den Fall einer Panne vor. Mit klug zusammengestellten Bordmitteln lassen sich viele typische Mängel unterwegs schnell beheben.

Nur, was genau nimmt der Reisende für den Pannenfall mit und was nicht? Man kann sich kaum auf alle Eventualitäten vorbereiten. Eine Standbohrmaschine und ein Schweißgerät sind zwar sehr nützlich, sie lassen sich aber auch unterwegs irgendwo auftreiben und müssen deshalb nicht unbedingt mit an Bord. Schwieriger fällt die Entscheidung bei fahrzeugspezifischen Ersatzteilen, die im Ausland vielleicht gar nicht oder nur mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand zu beschaffen sind. Kleinteile lassen sich noch gut verstauen, aber eine Achse oder ein Tausch-Getriebe? Auch wenn ein Reisefahrzeug wie Oschi einiges an Zuladung ermöglicht, ist eine Beschränkung nach Größe, Gewicht und Wahrscheinlichkeit pragmatischer als der Versuch, eine komplette LKW-Werkstatt mit Ersatzteil-Lager auf die Straße bzw. Piste zu bringen.

Welches Werkzeug also auf einer Reise mitgeführt werden sollte und welches verzichtbar ist, ist eine Frage, die sich am besten mit etwas Reise- und Pannenerfahrung beantworten lässt. Die Antwort varriert mit dem Fahrzeug und mit dem Reiseland. Je nach Zustand und Ausstattung des Fahrzeugs ist mehr oder weniger Vorsorge zu treffen. Ist die Versorgungslage im Zielland eher angespannt, nimmt man besser etwas mehr mit, denn Haben ist besser als Brauchen.

Oschis Reparatur- und Wartungsausrüstung

Unsere Pannenerfahrung ergibt sich aus 18 Monaten Reisen und mobilem Leben mit unserem Oschi. In der Zeit gab es einige kleinere und größere Pannen, die wir - mit wenigen Ausnahmen - mit Bordmitteln beheben konnten. Die Ausnahmen waren eine (unnötige?) Reparatur an Getriebe und Verteilergetriebe, ein (unnötiger?) Tausch des Turboladers und ein Motorschaden durch eine defekte Wasserpumpe. Selbst dabei hatten wir nie das Pech, wirklich immobil liegen zu bleiben. Wir haben es immer noch aus eigener Kraft bis zu einer Werkstatt geschafft. 

Aus der Erfahrung hat sich in Oschis Staufächern einige Ausrüstung angesammelt. Mein Bestreben ist es, möglichst wenig auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Deshalb nehme ich nach Möglichkeit alles an Werkzeug mit, was ich für Reparatur und Wartung schon einmal benutzt habe. Dazu gehören sowohl gängige als auch spezielle Werkzeuge, die sich schlecht substituieren lassen. Ersatzteile wiederum nehme ich nur wenige mit. Meist sind das Dinge, mit deren Reparatur ich in naher Zukunft rechne, oder Wartungsmittel, die routinemäßig benötigt werden. Bei allem anderen setze ich darauf, mir im Notfall Teile zuschicken zu lassen.

Unter dem Wohnaufbau: Verlängerungsrohr für den Radmuttern-Schlüssel
Unter dem Wohnaufbau: Verlängerungsrohr für den Radmuttern-Schlüssel

Im folgenden Teil des Artikels gebe ich eine Übersicht über Oschis Reparatur- und Wartungsausrüstung. Einiges davon ist sicher optional und allein meiner Bastelleidenschaft geschuldet, der ich auch unterwegs fröne. Umgekehrt fehlt vielleicht auch noch etwas. Zum Ausgleich habe ich etwas ergänzt, das uns nicht betrifft. So ist der Umfang der Ausrüstung nicht als fix anzusehen, sondern unterliegt je nach Bedarf gewissen Veränderungen. Der geneigte Leser möge die Übersicht als Packliste interpretieren, die er nach eigenem Gutdünken kürzen und ergänzen kann.

Wartung, Verbrauchsmaterial

  • Fettpresse, evtl. mit Ersatzkartusche (Schmierdienst unterwegs)
  • Motoröl (1-5l Vorrat zum Nachfüllen, Motoröl in Ölwechselmenge gibt es überall zu kaufen)
  • Ölfilter (sind unterwegs manchmal schlecht zu bekommen)
  • Ölfilter-Lösehilfe (Bandschlüssel, Tauglichkeit vorher ausprobieren)
  • Dieselfilter (müssen bei Verstopfung durch schlechten Diesel getauscht werden)
  • Bremsflüssigkeit (zum Nachfüllen bei undichtem Kupplungsgeber- oder -nehmerzylinder)
  • Frostschutzmittel (1,5l Konzentrat ergeben 3-5l Nachfüllmenge, natürlich nur bei wassergekühlten Motoren)

Ersatzteile

  • Ersatzrad (komplett auf Felge, weil sich ein festgebackener Reifen nicht mal eben lösen lässt)
  • Reifenflickzeug
  • Schlauch (eigentlich nur bei Schlauchreifen, kann aber auch für den Badeurlaub genutzt werden)
  • Lichtmaschinen-Regler (oder wenigstens ein Satz Kohlebürsten)
  • Flach-, Glas-, ANL-Sicherungen (falls keine Automaten verbaut sind)
  • Keil(rippen)riemen (oder Damenstrumpfhosen)
  • Gaszug (falls Vorschädigung bekannt)
  • Reifendichtring + Ersatzventile (falls der Reifenwechsel unterwegs nicht ohne Beschädigung gelingt)

Normteile

  • Zubehör für Gas-, Diesel-, Druckluft-, Wasser- und Elektrik-Installation (Fittinge, Verschraubungen, Verbinder, Kabelschuhe)
  • Schlauchschellen (in verschieden Größen)
  • Satz Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben (man weiß ja nie)
  • Dichtringe Alu, Kupfer, Gummi (für Ölwechsel und zur Beseitigung von auftretenden Undichtigkeiten)
  • Polyamidrohr-Reste (Reparatur von Diesel- und Druckluftleitungen)
Polyamidrohr und Ermeto-Verschraubungen: Heilmittel für defekte Kraftstoffleitungen
Polyamidrohr und Ermeto-Verschraubung: Heilmittel für defekte Druckluft- und Kraftstoffleitungen

Schutzkleidung

Schutzkleidung ist weniger dazu gedacht, ihren Träger vor Gefahrstoffen zu schützen, sondern mehr dafür, die guten Klamotten vor Öl und Dreck zu bewahren. Eine alte Hose, ein altes T-Shirt, Handschuhe und Sonnenbrille - fertig ist der Satz Schrauberklamotten. Tipp: Alte Klamotten gehören definitiv mit an Bord!

  • Arbeitskleidung (alte Hose, alter Pulli, altes Käppi)
  • unsichtbarer Handschuh
  • feste Lederhandschuhe, Chemie-Schutzhandschuhe, weiche PU-Handschuhe
  • Schutzbrille oder Sonnenbrille

Säubern, Reinigen, Aufwischen

  • alte Lumpen, Putztücher, feuchte Reinigungstücher
  • öldichte Unterlage (Umweltschutz)
  • Ausblaspistole (Reinigen schmutzempfindlicher Bauteile)
  • Ölbindemittel
  • Bremsenreiniger
  • Handwaschpaste + Nagelbürste

Hilfsmittel

  • (Diesel-)Handpumpe (Entnahme oder Um- und Abpumpen von Diesel)
  • Einfülltrichter (verschiedene Größen)
  • Ölkanne oder Ölflasche
  • Spritze (ohne Kanüle)
  • Eimer, Becher, Wanne, Kiste (Aufsammeln oder Aufnehmen von Flüssigkeiten)
  • Teichfolie (EPDM-Folie als universelles Dichtungsmaterial)
  • Schrumpfschlauch-Sortiment und Feuerzeug
  • Reduzierfittinge und Schlauchschellen (Flicken von Schlauchverbindungen unterschiedlicher Größe)
  • Taschenlampe, Magnet- oder Klemm-Licht (oder Mobiltelefon)
  • Dichtmittel (Hylomar), Schraubensicherungskleber, Sekundenkleber, 3M-Klebeband
  • Korrosionsschutzfett
  • Owatrol
  • universell einsetzbarer MS Polymer-Kleber
  • Kabelreste

Befestigung und "Dritte Hand"

  • Ratschenspanngurte
  • Grippzange
  • Karabinerhaken
  • Expander
  • starke Federklammern
  • Kabelbinder
  • Klebeband
  • Garn
  • Blumendraht

Werkzeugkasten (unbedingt aus Stahl!)

Ein Werkzeugkasten aus Plastik ist zwar leicht aber auch sehr zerbrechlich. Keiner unserer Plastik- und Stoff-Behälter für Werkzeug hat mehr als einen Einsatz überlebt. Ein robuster Stahlkasten hingegen lässt sich für so manchen Gewaltakt zweckentfremden und im Bedarfsfall mit dem Hammer ausbeulen. Unsere Empfehlung: Werkzeugkasten aus Stahlblech!

  • Stecknüsse + Ratsche, Adapter (1/4"-3/8"-1/2"-3/4"-1"), Kardangelenk (für schlecht erreichbare Schrauben)
  • Drehmomentschlüssel groß/klein + Verlängerung
  • gängige Gewindebohrer (M6, M8, M10)
  • Akkuschrauber + Bohrer + Bits
  • Drahtbürste
  • Metallsäge
  • Inbus-Schlüssel
  • Werkzeug für's Grobe: Hammer, Säge, Meißel, Stechbeitel, Cutter
  • Greifer (um Kleinteile aus unzugänglichen Tiefen zu fummeln)
  • Kreuz-, Schlitz- und Torx-Schraubendreher
  • isolierte Elektriker-Werkzeuge (Phasenprüfer, Zange, Schraubendreher)
  • Schleifpapier
  • Metall- und Kunststoff-Spachtel
  • Dichtungsschaber
  • Messgeräte (Voltmeter, Messchieber, Meterstab, Lineal)
  • Bleistift, Edding, Kugelschreiber, (Öl-)Kreide, Reißnadel, Körner (Anzeichnen und Markieren)
  • Zahnarztspiegel (ermöglicht den Blick um die Ecke)
  • Präzisions-Uhrmacher-Schraubendreher
  • Schraubenausdreher (für abgenudelte oder abgebrochene Schraubenköpfe)
  • Satz Spezialzangen (Kombizange, Wasserpumpenzange, Sicherungsring-Zange, Grippzange, Crimpzange)
  • Schraubenschlüsselsatz von SW6 bis SW32 (flach und gekröpft, Ring- und Gabelschlüssel, manche doppelt zum Gegenhalten)
  • Kabel-Abisolier-Zange
  • Durchschlag
  • Isolierband (selbstverschweißend)
  • Datenblatt Anzugsmomente
  • Datenblatt Kabelquerschnitte
  • Bedienungsanleitung Multimeter

Spezialteile

Spezifische Ersatzteile, die mit den individuellen Besonderheiten des Fahrzeugs oder des Aufbaus zu tun haben (Lichtmaschinenregler, Tauchpumpe, Schrauben, Wasserfilter, zöllige Schlüssel, etc.)

Sonstige Ausrüstung

Manchmal ist die Grenze zwischen Expeditionsausrüstung und Werkzeug fließend. Ein stabiler Campingtisch dient auch als Werkbank, eine Sonnenbrille als Schutzbrille, ein Wagenheber als Presswerkzeug oder eine Abschleppstange als Hebel. Der Vollständigkeit halber sollen deshalb in diesem Zusammenhang auch Oschis Grundausstattung, Bergemittel und Campinggerödel Erwähnung finden:

Fahrzeug-Grundausstattung

  • Tachoscheiben bzw. Blindscheibe (ohne die zeigt der Fahrtenschreiber keine Geschwindigkeit an)
  • Glühbirnen (fallen gerne mal aus und Ersatz ist in einigen Ländern unbedingt mitzuführen)
  • Feuerlöscher + Rauchmelder (bei einer Holzkabine eigentlich Pflicht)
  • Eiskratzer (auch in der Wüste wird es nachts kalt)
  • Warntafel, Warndreiecke, Parkwarntafeln, Warnleuchte (gesehen zu werden ist manchmal wichtiger als selbst zu sehen)
  • Verbandsmaterial, Pinzette(!), Pflaster, Desinfektionsspray (wer sich beim Schrauben noch nicht verletzt hat, hat noch nicht richtig geschraubt)

Bergemittel

  • Sandbleche (wenn sich mal keine Zweige finden lassen)
  • Bergegurte ("weiches" Abschleppen)
  • Stahlseil (Vorsicht, ein unter Belastung reißendes Stahlseil kann einen tödlichen Peitschenschlag ausführen)
  • Schäkel (Befestigung von Gurt und Seil)
  • Wagenheber (bei hoher Bodenfreiheit am besten zwei)
  • Unterstellbock (ersetzt einen Wagenheber)
  • Abschleppstange (erheblich sicherer als alle Abschleppseile, aber reduzierter Aktionsradius)
  • Unterleghölzer aus Hartholz (Unterbauen des Wagenhebers bei hoher Bodenfreiheit)
  • Reifenfüllschlauch + Manometer (kontrolliertes Luftablassen und Wiederbefüllen)
  • Ventilausdreher (zum schnelleren Luftablassen und zum Auswechseln defekter Ventile)
  • Reifenmontiereisen und Brechstange (eine festgewachsene Pelle von der Felge zu bekommen ist alles andere als einfach)

Camping

  • Tarp, Stühle, Tisch (kann eine Werkbank ersetzen)
  • Grill, Kohle, Anzünder, Zange, heißer Stein + Zubehör (ein Grillabend unter Sternen ist durch nichts zu ersetzen)
  • windfeste Laterne (für die romantische Abendstimmung)
  • Micropur + Wasserfilter (vermeidet gesundheitliche Beeinträchtigungen durch belastetes Wasser)
  • Gartenschlauch und Anschlüsse (Wasserdieb, Gardena-Verbinder, Spritze)
  • Landstromkabel + Adapter (Batterien laden)
  • Gasfülladapter für Gas-Tankstellen im Ausland (für Gastank-Besitzer)
  • Gasfüllschlauch zum Umfüllen zwischen Flasche und Tank (für Länder ohne Gas-Tankstellen)
  • Säge und Beil (Feuerholz machen)
  • Wäscheleine und Klammern
  • Satz Dreikant-Schlüssel (entsperrt im Bedarfsfall Mülleimer, Schranken und Pfosten, geltendes Recht beachten!)
Mit einem Landstromkabel kann man unterwegs schnell mal die Batterien aufladen
Mit einem Landstromkabel kann man unterwegs schnell mal die Batterien aufladen
Kommentare: 2
  • #2

    Michael (Montag, 04 März 2019 21:01)

    Danke für den übersichtlichen Einblick in Oschis "Verbandkasten".

    Für mich persönlich sind Handschuhe in allen Varianten am Wichtigsten. Wenn ich mich bei Arbeiten an den Händen verletze (und das geht ohne Schutzhandschuhe sehr schnell bei mir) oder gar rot sehe (blute), sinkt meine Motivation auf ein Minimum.

  • #1

    Roland (Sonntag, 03 März 2019 21:11)

    Hallo Christian, super Liste. Kleiner Tip: https://www.ebay.de/itm/Blindscheibe-Fahrtenschreiber-Tachograph-Leerscheibe-Tachograf-Tachoscheibe-/252060081398

    Cheers

    Roland