Alles bleibt anders

Es ist keine ganz neue Erkenntnis, sondern nur eine, die uns wieder einholt: Gegenüber dem Leben auf Achse ist das Leben in einer festen Wohnung unglaublich zeitraubend und teuer. Manch treuer Leser mag es in diesen Zeilen schon erkannt haben, uns selbst wurde es erst in den letzten Wochen so richtig klar. Anstatt den Kreis unserer Möglichkeiten mit der Düsseldorfer Stadtwohnung zu erweitern, so wie wir uns das nach Afrika vorgestellt hatten, haben sich die Möglichkeiten nur verschoben. Weg vom mobilen naturverbundenen Leben, hin zum Stadtleben. Nicht wirklich das, was wir wollten.

Die logistischen Probleme hindern uns leider daran, den Steyr öfter zu satteln. Jeder Ausflug ist ein Kraftakt. Das Aufrödeln vor und Abrödeln nach einem Wochenendtrip ist unter jeweils drei Stunden nicht zu machen. Entsprechend selten wird das automobile Stück Freiheit genutzt. Mal ganz ohne Umschweife: Der Steyr vergammelt an seinem Stellplatz während wir in Düsseldorf versauern. Das kann doch nicht unser Ernst sein!

Natürlich bietet der feste Hausstand Vorteile. Angefangen von der rechtssicheren Meldeadresse, über eine Wasch- und Spülmaschine, einen großen Kleiderschrank, bis zum Arbeitszimmer. Das sind alles handfeste Erleichterungen im Alltag. Auch die zentrale Lage mit sehr gutem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr ist von Vorteil. Trotzdem suchen wir schon fast seit unserem Einzug wieder nach einer anderen Bleibe. Auslöser für die erneute Suche war die unfassbare Pannenserie durch die unterirdische Qualität der Haussanierung, die bis heute anhält. Doch selbst ohne u.a. drei gravierende Wasserschäden wären wir nicht zufrieden, da drei wesentliche Nachteile mit der Wohnung nicht zu beheben sind:

  1. Uns fehlt die Mobilität mit Oschi. Unterwegs zu sein mit einem Expeditionsmobil war, ist und bleibt einer der Glücksfaktoren in unserem Leben. Viel Arbeit steckt im Steyr und wir sollten ihn nutzen, solange er (noch) fährt bzw. fahren darf.

     

  2. Weil eine von uns an wechselnden Einsatzorten arbeitet, führen wir ungewollt eine Fernbeziehung. Da ich inzwischen beruflich vollkommen mobil bin, liegt es für mich nahe, an den jeweiligen Einsatzort zu folgen (zumal ich umso produktiver bin, je mehr ich von der Welt sehe).

     

  3. Trotz vieler Ideen können wir Oschi aktuell nicht aus eigener Kraft weiterentwickeln, denn Werkzeug und Auto befinden sich 12 km voneinander getrennt. Dass wir überhaupt einen Platz zum Schrauben haben, verdanken wir der Großherzigkeit unseres Schlossermeisters. Dennoch steht der Trumm dort seit Jahren im Weg und behindert den laufenden Betrieb.

Wir sind mittlerweile davon überzeugt, dass uns die Führung eines festen Haushalts auffrisst. Bei jedem kleinen Ausflug mit Oschi fehlt uns rein gar nichts von dem Hab und Gut in unserer Wohnung. Warum also binden wir uns diesen Ballast dauerhaft ans Bein? Weil wir vielleicht (oder auch ziemlich sicher) irgendwann in unserem restlichen Leben etwas davon brauchen? Ist es das wert? Die Lagerhaltung ist mit 15.000 Euro Miete im Jahr ganz schön teuer. Das ist eine Menge Geld, die erst einmal verdient werden will, um sie für etwas auszugeben, das man nicht vermisst, wenn es nicht da ist.

Was wäre, wenn wir das Pferd von hinten aufzäumen und uns nur nehmen, was wir wirklich brauchen und wann wir es brauchen? Wir brauchen gelegentlich eine feste Wohnung mit etwas Komfort, was sich durch Mis Projektarbeit regelmäßig ergibt. Mit einer Meldeadresse im Familienkreis können wir bei Bedarf auch eine Ferienwohnung oder ein möbliertes Zimmer mieten, wenn uns danach ist, ohne den obligatorischen administrativen Behördenquatsch. Wir brauchen ein Basislager für den Hausrat, den wir nicht dauerhaft mitführen können. Und wir brauchen eine Bastelecke für Service- und Reparaturarbeiten am Truck. Eine kleine Halle oder eine Garage in einem Industriegebiet würden dafür reichen.

Die letzten Wochen probierten wir aus, inwieweit der Berufsalltag mit Oschi zu meistern wäre. Das Ergebnis überraschte uns, denn es scheint tatsächlich machbar. Sicher erfordert es mehr Planung und Zugeständnisse als mit einer festen Wohnung, und oft genug wird es aufwändiger sein. Aber wir sind optimistisch, dass den neuen Nachteilen der Wegfall der großen jetzigen Nachteile gegenübersteht. Wenn wir in Oschi leben, müssen wir nach einem Ausflug nie mehr nach Hause fahren und ausladen, denn das Zuhause fährt immer mit! Vor allem aber wird das Leben wieder wunderbar einfach und das auch noch zu geringeren Fixkosten.

Findet Ihr nicht auch, dass es den Versuch wert ist, ein klein wenig Komfort und Bequemlichkeit gegen das eigentlich gewünschte Leben einzutauschen? Was kann schon schief gehen? Im schlimmsten Fall sparen wir eine Menge Geld. Also haben wir unsere Wohnung gekündigt.

See you on the road!

Euer Christian aka Oschi



Kommentare: 7
  • #7

    videomundum (Freitag, 29 Juni 2018 10:30)

    Liebe Ingrid, liebe Uschi,

    ich musste einfach noch mal sicher gehen, dass mir beim #vanlife nichts fehlt, was mich glücklich macht. Mi wäre schon nach Afrika am liebsten in Oschi geblieben ;-). Jetzt drehen wir den Spieß einfach mal um. Größere Einschränkungen erwarte ich nur dann, wenn wir im Winter nicht in den Süden fliehen können. Aber wie geschrieben, wenn es schief geht, haben wir im schlimmsten Fall eine Menge Geld gespart :-)))

    Man sieht sich!
    Christian

  • #6

    Ingrid + Uschi (Donnerstag, 28 Juni 2018 23:44)

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung!!! :-)
    Wir verstehen euch gut, auch wenn wir uns den steinhäusigen "Rückfall" erspart haben. Es ist einfach vieles anders (und wir finden besser) als in einer Wohnung. Vor ein paar Jahren haben wir schon einmal einen Artikel darüber geschrieben:
    https://oscarlottaontour.wordpress.com/2015/02/07/wo-das-leben-tobt/
    Wir stehen allerdings, im Gegensatz zu euch, aus diversen Gründen fast ausschließlich auf Stell- oder Campingplätzen, aber das ändert ja an den grundlegenden Bedingungen nichts. Seit mehr als 15 Jahren leben wir jetzt schon so, haben es nie bereut, sind noch nicht verwahrlost ;-) und können/wollen uns nichts anderes mehr vorstellen!

    Oschi wird sich auch freuen!!! Allzeit gute Fahrt!

  • #5

    MOGnautilus (Montag, 11 Juni 2018 16:29)

    Wow! Wie schön, auch so zeitnah von diesem Entschluss zu lesen. Ich war auf der Suche nach Abwasserlösungen, die ich auch bei euch beschaut habe. Wir fangen Ende der Woche mit dem Innenausbau der MOGnautilus an und freuen uns, euch unterwegs zu treffen.

    Herzliche Grüße
    Daphne & Evan

  • #4

    Maureen Thunderbolt (Sonntag, 27 Mai 2018 18:30)

    Haben euch gerade gesehen, so um 17.30 Geilenkirchen. Schade, ihr fuhrt in die falsche Richtung, sonst hätten wir euch eingeladen und wenn ihr nächstes Mal im Kreis Heinsberg seit, sagt vorher Bescheid, Stellplatz und ein Kaffee ist jederzeit hier.

    glg. und gute Fahrt jederzeit!

  • #3

    Sabine (Samstag, 19 Mai 2018 22:36)

    Ich gratuliere. An einem solchen Plan arbeitet mein Hirn auch gerade und Oschi ist das Voebild meiner Träume!

  • #2

    Nobody Special (Sonntag, 29 April 2018 14:21)

    Ich hätte gerne von Euch eine vblog wie von den Hermans!!! Oschi ist der Beste!

  • #1

    ...der “Käfer“ Oliver (Dienstag, 24 April 2018 17:04)

    ...wenn ich die Möglichkeit hätte (oder den Mut:-)), tät ich es. Leider hängt bei mir der Betrieb dran.
    Ich finde Eure Entscheidung klasse!