Kein schöner Land als ... Portugal!

Hm ... Portugal ... was hatten wir von Portugal eigentlich erwartet? Genau genommen nichts. Die Idee Portugal zu besuchen entstand aus der Gelegenheit heraus. Wenn wir schon in der Nähe sind, dann könnten wir diesem kleinen Land, das ganz im Westen Europas auf der iberischen Halbinsel liegt, doch direkt einen Besuch abstatten. Vermutlich wäre es dort sonnig, landschaftlich vielleicht etwas karg, aber sonst...? In Wirklichkeit hatten wir gar keine Erwartungen an Portugal, aber die wurden weit, weit, weit übertroffen.

Knapp vier Wochen durchqueren wir das Land, von Süd nach Nord, von Ost nach West und wieder nach Ost und jeder Winkel begeistert. Und obwohl der Monat März recht früh erscheinen mag, ist das Wetter bis auf zwei Regentage sehr brauchbar: überwiegend warm und sonnig, mit teilweise kräftigem Westwind. Um Portugal zu beschreiben, muss ich einige Worte verwenden, die in meinem Wortschaft sonst eher selten vorkommen: schnuckelig, lieblich, verträumt, romantisch, liebenswert, niedlich. Oder kurz und bündig: Dieses Land ist ein Knaller! Der Titel des schönsten Landes dieser Winterreise geht definitiv an Portugal.

Portugal ist grün, unglaublich saftig grün. Wasser sprudelt aus unzähligen Quellen, sammelt sich in unzähligen Flüssen und Seen. Portugal hat zahlreiche Nationalparks mit unkultiviertem Weideland, Wälder voller urig-knorriger Korkbäume, schroffen Felsen, Schluchten, Granitgestein - Die Landschaft erinnert an ein Best Of aus Schottland, Norwegen und Schweden mit dem Bonus mediterranen Klimas (obwohl an Portugals Küste natürlich der Atlantik rollt). Die Sandstrände sind so sauber, als würden sie täglich gereinigt. Wir finden fantastische Küstenabschnitte mit tollen Park- und Bademöglichkeiten. Wir fahren durch sanft rollende Hügellandschaften, vorbei an großen runden Granitfelsen, bis über die Baumgrenze hinaus in die schneebedeckten Berge (wo uns die Nationalgarde an einem gesperrten Pass an der Weiterfahrt hindert). Wir fahren Serpentinen bis zum Abwinken und quetschen uns durch kleine und noch kleinere Dörfer. Das ganze Land ist so abwechslungsreich, wie ich es mir nur wünschen kann, ob Küste oder Inland, Ebene oder Berge, Stadt oder Dorf - es gibt einfach keinen öden Landstrich.

Trotz vieler aufgegebener Landhaus-Ruinen ist die Landschaft kaum zersiedelt, was ausgedehnte freie Naturflächen mit sich bringt. Freies Stehen ist also nahezu überall problemlos möglich. Dank der stoischen Uninteressiertheit der Portugiesen fühle ich mich hier so frei wie in keinem anderen Land dieser Reise. Durchfahrtsverbote wie in Deutschland oder Frankreich sind praktisch unbekannt und Flächen sind selten abgezäunt. Ein Stellplatz ist schöner als der andere, und wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Jeden Tag kann man ohne große Vorbereitung aufs Neue auswählen, ob man lieber auf einem Berg oder an einem See stehen möchte ... oder warum nicht gleich an einem Bergsee?

In den beschaulichen Städten und Dörfern versorgen wir uns mit allem, was wir brauchen. Auch die Entsorgung ist easy, denn an Straßen und Plätzen stehen immer wieder große Abfallcontainer zur Müllentsorgung bereit. Brauchwasser finden wir an Tankstellen und Dorfbrunnen, teils in gechlorter Qualität. Trinkwasser kaufen wir in großen 6-Liter-Gebinden im Supermarkt (die auch sonntags geöffnet haben). Vor den großen Supermärkten waschen und trocknen wir unsere Wäsche in Münz-Waschstationen. Die Supermärkte sind auf französischem oder spanischem Niveau und selbst der Discounter Lidl hat dort eine Frischfischtheke zum Niederknien. In den Lebensmittelabteilungen gibt es alles zu essen, was lecker ist, vorausgesetzt man ist bereit dafür zu bezahlen (während es in Deutschland alles gibt, was billig ist, vorausgesetzt man ist bereit es zu essen). Mit einem Mehrwertsteuersatz von 23% ist Portugal im allgemeinen nicht günstig, dennoch gibt es auffällige Ausnahmen (z.B. Internetvolumen bei MEO: 30GB für 15 Euro, 15 Tage gültig).

Die Straßen sind meist wellig und kurvig, aber mit dem Laster gut zu fahren. Es herrscht kaum Verkehr; ich habe keine Ahnung, wo die Portugiesen alle sind, aber vielleicht gibt es nicht so viele. Selbst in den kleinen Bergdörfern, durch die ich unseren Truck öfter mal millimetergenau durchwinden muss, ist kaum jemand auf der Straße unterwegs. Aus der Perspektive eines Rennradfahrers muss ich sagen, ich habe noch kein besseres Trainingsrevier gesehen als dieses engmaschige anspruchsvolle Straßennetz mit wenig Verkehr und fantastischen Ausblicken in die Natur. Und das gilt für alles, was ich von Portugal sehe. Es scheint keinen Flecken in diesem Land zu geben, an dem ich nicht locker für eine oder zwei Wochen mein Lager aufschlagen wollte, um mit dem Rad loszuziehen.

Portugal ist auch ein Offroadparadies, aber soweit ich das beurteilen kann ausnahmslos für Geländewagen und Enduros. Mit dem Laster keine Chance! Wir nehmen zwar einige Pistenkilometer unter die Räder, aber das sind alles nicht-asphaltierte Straßen. Wann immer es offroadmäßig interessant wird, hindert uns der dichte Bewuchs an der Durchfahrt. Die Landschaft ist eben ausgesprochen grün und der Baumbestand zahlreich. Um Portugal zu erkunden, braucht es keinen 4x4-Antrieb, er kann den Suchradius bei der Stellplatzwahl allerdings erheblich erweitern.

Wir hätten es von unserer Hochzeitsreise nach Madeira ahnen sollen: Portugal ist schön. Wir wollen auf jeden Fall wieder kommen, auch wenn es kein Katzensprung ist: Von Grenze Deutschland zu Grenze Portugal sind es um die 2.000 km. Im Falle einer LKW-Reise bedeutet das eine Menge Diesel. Getankt haben wir in Portugal übringens nicht, Kraftstoff ist in Spanien ca. 30 Cent billiger (kurz hinter der Grenze rund 1 EUR pro Liter).

Ich mag es bunt und liebe die wilde Natur. In dieser Hinsicht hat mich Portugal mit seiner landschaftlichen Schönheit vollkommen überwältigt. Und das muss ich einmal festhalten: Gegen so viel ungezähmtes Grün, aufgelockert durch wilde Flüsse und klare Seen, mit malerisch drapiertem Granitgestein - da kommt mir keine Wüste gegen an.



Kommentare: 3
  • #3

    Jürgen El (Sonntag, 09 April 2017 09:19)

    Einfach nur "Wow"!

  • #2

    Thorsten Kuttig (Sonntag, 09 April 2017 07:07)

    Interessant...interessant :)
    Ich muss gestehen - wir waren letztes Jahr im Dezember in Portugal - dass meine Erwartungshaltung vielleicht zu hoch war, aber mir hat Portugal gar nicht so arg gefallen.
    Ich meine...es ist ein schönes Land...ok...aber jedes Land hat so seine ganz eigenen Reize.
    Die Nationalparks sind nett, die Küsten sind toll, klar - und das Inland hat auch ein paar
    nette Seiten, aber ich sollte eigentlich mal einen blog darüber schreiben:
    "Der Portugiese fackelt sein Land förmlich bis auf den Erdboden nieder",
    was ich äußerst erschreckend fand.
    Ansonsten sind die Menschen dort wirklich sehr nett, das Ozeaneum in Lissabon ist (grad noch) "klasse", aber kein Vergleich zu dem in Barcelona ;).

    Mir fehlen zwar noch 7 europäische Länder, aber aktuell steht Portugal bei mir auf dem letzten Platz :)
    (naja...vielleicht war auch die Jahreszeit einfach die falsche?

    Grüße
    Thorsten von den TRAVELcandies

  • #1

    Márika (Mittwoch, 05 April 2017 08:41)

    Hallo ihr Beiden!
    Wunderschöne Bilder und ein Reisebericht, der Lust macht, sofort den LKW wieder einzuräumen und los zu fahren! Weiter so!
    Liebe Grüße, Márika