Spanien - Ein Zwischenspiel

Sonntag, 19. Februar

Der letzte Tag in Marokko bricht an. Schwer fällt der Abschied nicht, denn wir konnten uns schon gut entwöhnen. Seit Dakhla pilgern wir ununterbrochen die Atlantikküste entlang nach Norden, wahlweise auf der Suche nach einem Ersatzrad oder der Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung. Die Suche kostet Zeit, die wir nicht auf den schönen Pisten des Landes verbringen können. Stattdessen schauen wir uns die Industriegebiete der großen Küstenstädte an und übernachten an der Autobahn. Was wir in Marokko an landschaftlicher Schönheit und Entspannung erlebten, scheint schon lange her zu sein. 

In der letzten Nacht betteln drei Jugendliche an unserem Auto lautstark um Zigaretten. Ich rauche nicht. Zu ihrem Pech bin ich auch nicht begeistert, dass sie ihre Würde für Zigaretten opfern. Meine gestenhafte Erklärung müsste eigentlich verständlich sein, doch die Halbstarken stören weiter beharrlich unseren Schlaf. Irgendwann platzt mir der Kragen und ich drohe den Jungs mit der Schaufel. Das scheinen sie besser zu verstehen und ziehen sich endlich zurück. Das Erlebnis bestätigt nur, was wir schon ahnten: Wer Ruhe sucht, hält sich aus Marokkos Städten besser raus. Die Episode ist nicht repräsentativ, doch mittlerweile freuen wir uns auf Europa.

Den Fährhafen Tanger Med erreichen wir im strömenden Regen und genau zur Mittagspause. Zwei Stunden später öffnet der Check In. Erst zehn Stunden später rollen wir in Algeciras von der Fähre. Es ist ein Ende mit Schrecken, denn über der Meerenge von Gibraltar tobt ein Sturm.

Der Fährverkehr kämpft mit erheblichen Verspätungen. Ich bin verblüfft, dass überhaupt Fähren gehen. Kaum ist auf afrikanischer Seite der sichere Hafen verlassen, kommt richtig Bewegung in die Überfahrt. Anfangs ist es noch spaßig, mit jeder Welle vom schaukelnden Heck in die Höhe gehoben zu werden. Im Laufe der Überfahrt wurd aus Spaß jedoch gefühlter Ernst und ich finde mich seekrank an der Reeling wieder. Die Fähre stampft, rollt und schlingert was das Zeug hält. Ich beginne​ mich zu fragen, wo auf dem Fahrzeugdeck wohl unser Truck inzwischen unterwegs ist. Zu meinem völligen Erstaunen hat Oschi sich später keinen Millimeter bewegt. Offensichtlich sorgen die 10 Tonnen für gute Standfestigkeit bei schwerem Seegang.

Ziemlich erschöpft aber auch erleichtert rollen wir von der Fähre und suchen bei Regen und Dunkelheit unseren alten Stellplatz in Castellar de la Frontera auf. Hier hatten wir vor drei Monaten die letzten Nächte​ vor der Hinreise verbracht. Was haben wir in der Zwischenzeit nicht alles erlebt! Aber waren wir wirklich da gewesen? Als wir weit nach Mitternacht endlich ins Bett fallen, erscheint Marokko schon fast wie eine unwirkliche Erinnerung.

Montag, 20. Februar

Vom trüben Wetter ungetrübt ist die Stimmung bestens - wir sind zurück im Land von Schweinefleisch und Bier! Ab sofort wird wieder unvernünftig eingekauft und gefuttert bis die Schwarte kracht. Der Carrefour in Algeciras sieht uns mit zwei vollbeladenen Einkaufswagen von dannen ziehen. Auch Baumarkt und Media Markt laden zu einem ausgedehnten Bummel ein. Es gibt immer etwas zu optimieren.

Guter Dinge ziehen wir in Richtung Nordwesten los. Portugal ruft, und unser heutiges Tagesziel ist die sogenannte Schweinewiese bei Tarifa. Angeblich hat dieser Flecken Land seinen Namen vom Zustand bei Regen erhalten. Aber man soll dort frei und unbehelligt stehen können. 

Apropos unbehelligt, das ist überhaupt das schönste an unserer Rückkehr nach Europa: Spanien hat uns grantig und muffelig empfangen. Kein Smalltalk, kein Händeschütteln, keine unerwarteten Besucher. In Marokko gibt es für Overlander keine Regeln, niemand kümmert, was man tut oder lässt. Das ist Freiheit, die man hierzulande nicht hat. Aber die Freiheit hat einen Preis: die Neugier der Marokkaner. Sich in Europa an strenge Regeln halten zu müssen und dafür unbehelligt zu bleiben, ich muss zugeben, das hat auch seine Vorteile. 

Ein gutes Stück vor der Schweinewiese stehen rechts einige Camper frei auf einer Wiese und wir stellen uns kurzentschlossen dazu. Auf der anderen Straßenseite, gleich hinter einem Pinienwäldchen, stehen auf dem Bankett einer kleinen Uferpromenade Camper an Camper. Wir bummeln bis zum Einbruch der Dunkelheit am Sandstrand entlang. So kalt und windig es auch ist, ich genieße den sauberen Strand und probiere in der Dämmerung noch ein paar Aufnahmen mit verschwommenen Wellen. Mit dem Wissen um einen vollen Kühlschrank verspricht der Abend gemütlich zu werden. Draußen toben die Elemente, drinnen schlemmen wir. 

Dienstag, 21. Februar

Wir haben ein Programm. Unter anderem suchen wir ein Ersatzrad. Außerdem haben wir seit Wochen einen Kabelbruch in der Solaranlage, wodurch nur zwei von vier Solarpaneelen Strom liefern. Das reicht bei Sonne, aber bei Wolken wird es knapp. Ein Y-Verbinder muss her, um die Module zusammenzulegen. Solange leistet der B2B zum Laden während der Fahrt wertvolle Dienste. Wäsche waschen müssten wir auch mal wieder und das Fotoequipment will ich noch aufstocken. Und falls wir mal glücklich über eine LKW-Bude stolpern, würde ich gerne eine Verstärkung der hinteren Federpakete prüfen. Auf dem Weg nach Portugal liegen einige größere Städte wie Chiclana, Cadiz, Jerez und Sevilla, wo wir unser Programm in den nächsten Tagen umsetzen wollen. Das wird auch höchste Zeit, denn unseren zeitlichen und räumlichen Freiraum können wir mit all den offenen Baustellen nicht so nutzen wie wir das wollen.

Mehr oder weniger auf dem Weg liegt das Industriegebiet von Chiclana de la Frontera. Versuch macht kluch, denke ich mir, und parke einen Kreisverkehr zu, um in der anliegenden Reifenbude vorstellig zu werden. Nein, hier nicht, aber gleich um die Ecke ist ein LKW-Reifenhändler, zu dem man mich schickt. Nach monatelangem marokkanischem Verhaltenstraining ergreife ich parallel zum begrüßenden "Hallo, wie gehts" sofort die Hand, sobald ich einen Menschen treffe. El Chefe ist irritiert, würde mir aber trotzdem zwei Ersatzreifen besorgen: einen 10 Jahre abgehangenen Semperit oder einen taufrischen Conti. Das läuft ja super, dann müssen El Chefe und ich uns nur noch beim Preis handelseinig werden ... werden wir jedoch nicht, was unter anderem daran liegt, dass El Chefe keinen marokkanischen Basar betreibt. 

Die Großstadt Cadiz liegt nur wenige Kilometer weiter, also wagen wir dort einen neuen Versuch. Lange und ergebnislos gurke ich durch die peripheren Industriegebiete von Cadiz, bis ich schließlich in einer Werkstatt des spanischen Automobilclubs nachfrage. LKW-Reifen? Kein Problem. Fährst Du zu Antonio Paradela nach Chiclana. Hmpf ... dass ich da gerade herkomme und den Preis nicht bezahlen wollte, verschweige ich dem hilfsbereiten Mechaniker. 

Wo wir schon mal da sind, fahren wir mit der Bahn für einen Stadtbummel ins Zentrum. Die Altstadt von Cadiz hatten wir vor Jahren bereits besucht und in bester Erinnerung. Aber manchmal sollte man schöne Erlebnisse besser auf sich beruhen lassen. Der Versuch, die Stimmung von damals zurückzuholen gelingt irgendwie nicht. Schade eigentlich, den Cadiz hat eine traumhaft schöne Altstadt. 

Im Dunkeln geht die Fahrt zurück nach Chiclana, wo wir vor dem Eingang des Industriegebiets eine unruhige Nacht verbringen.

Mittwoch, 22. Februar

Am nächsten Morgen suche ich mit so weit erhobenem Haupt wie angemessen die LKW-Reifenbude auf: "Jaaa, alsooo ..." Ich knicke ein. "OK, Sie haben gewonnen, wir nehmen den Conti." El Chefe ist schlecht gelaunt, grummelt aber zufrieden, als Mi die Anzahlung leistet. Der Reifen muss bestellt werden und soll morgen oder übermorgen da sein. 

Die Gegend um Chiclana ist mir aus Trainingslagertagen wohl bekannt. In Küstennähe quartieren wir uns auf einem riesigen Campingplatz ein. Es gibt dort alles, was das Herz begehrt und direkt an der Einfahrt einen Anschiss von einem deutschen Autofahrer, dem ich mit Oschi den Weg versperre. Willkommen daheim. 

Am Abend werfe ich nach alter Campersitte den Weber an. Aus einem unerfindlichen Grund qualmt der Grill aber wie verrückt und der Rauch zieht auch noch direkt ins Vorzelt unserer niederländischen Nachbarn. Ich versuche den Grill an einem anderen Ort aufzustellen, aber das Habitat der Niederländer zieht den Rauch wie magnetisch an. Als ich mich für mein Unvermögen entschuldige, lachen die beiden und zeigen viel Humor - sind halt keine Deutschen.

Donnerstag, 23. Februar

Am nächsten Morgen bin ich vollkommen gerädert. Die Nacht war die Hölle. Die hinterste Ecke des Campingplatzes, in die wir uns verkrochen hatten, grenzt direkt an einen Bauernhof. Auf dem Spielplan des tierischen Ensembles für die vergangene Nacht stand: Old McDonald has a farm - mit all den richtigen Geräuschen. Seit der tiefen Nacht krähen die Hähne wie verrückt und die Kühe muhen dazu wie angestochen. Das ganze untermalt ein Chor ausgesuchten Gebells aus zahlreichen Hundekehlen. Auf die Einkaufsliste schreibt Mi ein Luftgewehr. 

Die gute Nachricht des Tages kommt am Nachmittag von El Chefe. Der Reifen ist da und wir vereinbaren für morgen die Montage. Den heutigen Tag widmen wir der Wäsche und einem langen Spaziergang zu einem Caravan-Shop.

Freitag, 24. Februar

Langsam zeigt der Schlafmangel Spuren in der Gedächtnisleistung. Bei der Abreise prelle ich versehentlich die Zeche, als Mi und ich einem Kommunikationsproblem erliegen. Natürlich begleichen wir die offene Rechnung, als ich im Rückspiegel die Rezeptionistin bemerke, die uns rufend und winkend hinterher rennt. 

Um 13 Uhr sind wir wieder mal bei Antonio Paradela, Reifenhändler in Chiclana de la Frontera. Beim Reifenwechsel muss ich zusehen, helfen darf ich aus Sicherheitsgründen nicht. Ohnehin wissen die Monteure besser mit Sprengringfelgen umzugehen als ich. Bei der Demontage wird mir klar, dass ich den kaputten Reifen unterwegs niemals mit Bordwerkzeug von der Felge bekommen hätte. In den vier Jahren seit der Montage hat er sich einfach zu stark mit der Felge verklebt.

El Chefe ist heute bestens gelaunt und füllt sogar noch höchstpersönlich neues Auswuchtpulver in den Reifen. Dafür nimmt er auch satte 930 EUR. Ein stolzer Preis für einen Reifen. Mit einer festen Lieferadresse hätte ich beim Internetkauf wohl bis zu 200 EUR sparen können, aber bei keinem Angebot im Netz war das Herstellungsdatum angegeben. Angeblich gilt ein LKW-Reifen auch noch im stolzen Alter von fünf Jahren als neu, wenn er nicht benutzt wurde. Unser bestellter Reifen hingegen ist so neu, wie ich ihn mir nur wünschen kann: hergestellt im November 2016. Bei so guter Qualität tut der hohe Preis nicht mehr ganz so weh.

Wo wir uns heute schon so gut verstehen, spreche ich El Chefe auf mein hängendes Fahrzeugheck an. Volltreffer! Er hat da jemanden in der Familie, der sich mit so etwas auskennt. Persönlich eskortiert er uns mit dem Auto durch das enge Zentrum von Chiclana bis zu einem Fahrzeugbauer. Ein Grantler mag er sein, der Chef, aber im Grunde herzensgut. Unterwegs fällt mir übrigens auf, dass die meisten Reifenhändler in Chiclana auch Paradela heißen. 

Der Federschmied von Ballestas Salvado guckt sich mein Anliegen an. Für eine ausgeglichene Seitenlinie hängt Oschis Rahmen hinten um ca. 50 mm zu tief. Auf Fotos lässt sich das meist kaschieren, aber es stört mich nicht nur aus optischen Gründen. Auf Marokkos Pisten musste ich unser Tempo im Vergleich zu anderen Fahrzeugen deutlich reduzieren, weil der Aufbau mit der Hinterachsbewegung sehr stark schwankte. Mit einer höheren Federspannung würde sich meiner Meinung nach das Fahrverhalten verbessern lassen. Grundsätzlich gibt es für das Anheben des Hecks zwei Lösungen: Unterlegklötze oder eine zusätzliche Federlage. Die günstigere Klotzlösung überzeugt mich nicht, da sie das schwammige Fahrverhalten der Hinterachse nicht ändert. Der Fahrzeugbauer sieht das ebenso und verspricht bis Montag die Kosten für den Einbau einer weiteren Federlage zu kalkulieren. 

Das Wochenende droht und das bedeutet für uns, einen Übernachtungsplatz für mehrere Tage zu finden. Zunächst versuchen wir es auf einem Wanderparkplatz an der Küste bei Novo Sancti Petri. Auf dem großzügigen Platz stehen nur zwei weitere Autos. Um die anderen nicht zu stören oder die Sicht zu versperren, halten wir viel Abstand. Gegen 22:30 Uhr erreichen zwei spanische Familien den Parkplatz und finden in dessen Weitläufigkeit keine bessere Lösung, als ihre Autos unmittelbar neben uns zu parken. Und wer einmal erlebt hat, wie drei Spanier allein ein komplettes Bierzelt auf dem Oktoberfest rocken, kann erahnen, was nun folgt.

Samstag, 25. Februar

Wieviele Nächte kann der Mensch eigentlich ohne Schlaf überleben? Wir sind jedenfalls nahe dran. Die Spanier sind schon wieder munter (ich glaube sowieso nicht, dass die auch nur ein Auge zugemacht haben) und schaffen es sogar, vor uns zu verduften.

Da Wochenende ist, rechnen wir mit dem Schlimmsten und konsultieren die Karte für Alternativen. In rund 50 km Entfernung befinden sich zwei Stauseen, da sollte sich doch ein ruhiges Plätzchen finden lassen. Und in der Tat, der Parkplatz am Embalse del Celemin bietet zwar bei Tage nicht viel sehenswertes, dafür ist in der Nacht Ruhe.

Sonntag, 26. Februar

Dem zweiten Stausee Embalse de Barbate statten wir ebenfalls einen Besuch ab. Hier erleben wir einen noch entspannteren Tag, den ein Nachtkauz später allerdings mit einem privaten Konzert ungebührlich verlängern wird. Immerhin ist der Abend windstill genug, um mit der Drohne einen ersten Testflug nach dem Crash in Marokko zu unternehmen. Das Ergebnis ist durchwachsen, die Drohne zieht nach links und die Videoübertragung liefert nur einen Blue Screen ... Beschäftigung für die nächsten Tage.

Montag, 27. Februar

Der Chef der Federschmiede hat sein Angebot durchkalkuliert. 750 EURO wird die Sache kosten, aber die erwarte Verbesserung ist es mir wert. Der Preis ist geringer als der einer Fachwerkstatt in Deutschland und wenn die Qualität nur halbwegs passt, bin ich zufrieden. Wir besiegeln den Deal per Handschlag, dann werden die Federn bestellt. Ob er keine Anzahlung will? Nein, meint der Chef, Geld nimmt er erst nach Abnahme der Arbeit. Ich staune, denn das bin ich nicht mehr gewohnt.

Wieder gilt es ein paar Tage zu überbrücken, denn morgen ist ein Feiertag und wenn die Feder übermorgen geliefert wird, kann der Umbau erst am darauffolgenden Tag angegangen werden. Der Herumgurkerei überdrüssig, geben wir dem Wanderparkplatz an der Küste eine zweite Chance. Wenn wir uns ganz oben hinstellen, dort wo es eigentlich total unattraktiv ist, dann ... vielleicht?

Es klappt. Wir bleiben eine Nacht...

Dienstag, 28. Februar

 ... und eine zweite. Eine Überraschung ist, dass wir Sid von der Finca Caravana hier wiedertreffen. Ob wir schon wieder aus Marokko zurück sind, will er wissen. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht.

Mittwoch, 1. März

Wir lassen die Tage ruhig angehen. Alle Termine stehen und was zu erledigen war, ist erledigt. Der Kühlschrank ist gewohnt randvoll und der Grill glüht bei Tag und Nacht. Am Nachmittag schauen wir in Chiclana bei der Federschmiede rein. Der Chef freut sich. Die Feder ist da und morgen um 9 Uhr kann es losgehen. Wir parken für die Nacht um die Ecke, zentral aber ruhig gelegen, mitten in der Stadt.

Donnerstag, 2. März

Pünktlich um 9 Uhr fahre ich Oschi in die Halle. Mit zwei hydraulischen Wagenhebern wird der 10 Tonner in Position gebracht und die Hinterachse demontiert. Derweil bittet uns der Chef in ein nahegelegenes Cafe zum Frühstück. Zwei seiner Freunde sind dabei und zu fünft verbringen wir eine lustige Stunde.

Zurück in der Werkstatt bekommt Mi weiche Knie, als der Auspuff neben dem Auto liegt. Noch nie hat jemand anders an unserem Truck herum geschraubt. Ob die das überhaupt können? Ein Bummel durch Chiclanas Altstadt lenkt für ein paar Stunden ab. Als wir zurückkommen, ist ein Federpaket zur Anprobe montiert. Auf diesem steht Oschi rund 20(!) cm höher als zuvor. Huch! Äh ... hatten wir nicht 6 cm vereinbart? Der Chef-Mechaniker zuckt mit den Achseln und meint trocken, bis 4 Meter Höhe wär doch alles erlaubt. Jetzt bekomme ich weiche Knie. Aber ich glaube, er macht nur Spaß. Zu zweit bauen sie das Federpaket zur Anpassung wieder aus.

Am Abend ist der Umbau beendet und als ich mit dem Meterstab nachmesse, steht Oschis Heck auf den Millimeter genau die gewünschten 6 cm höher. 10 mm Überstand zu einer waagerechten Seitenlinie wählten wir, um der Feder etwas Luft zum Setzen zu geben. Vielleicht ist das etwas zu knapp, wenn wir Oschi noch weiter ausbauen, das muss man sehen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich das Auto beim Fahren jetzt anfühlt. Doch bevor ich mich hinter das Steuer setzen darf, werden wir noch in die Familie aufgenommen und müssen hoch und heilig versprechen, wiederzukommen. 

Bis zu unserem Übernachtungsplatz auf einem Stück Brachland mitten in Chiclana ist es nicht weit. Aber auf den wenigen Kilometern mit ein paar Kreisverkehren, Bahngleisen und Tempoblockern wird bereits klar, Oschi fährt sich vollkommen anders.

Freitag, 3. März

Endlich lassen wir Chiclana hinter uns und ziehen weiter Richtung Portugal. Über ein abwechslungsreiches Verkehrsnetz eiern wir langsam der Grenze entgegen. Mal auf der Autobahn, mal auf kleinen kurvigen Sträßchen, mal auf einem Feldweg mit tiefen Schlaglöchern. Mein Grinsen wird immer breiter. Zwar klappert nun wie erwartet die freigelegte Schwerlastfeder wieder, aber das Fahrgefühl ist phänomenal besser. Brachte der Einbau der x-fach härteren Koni-Stoßdämpfer schon eine massive Verbesserung der Straßenlage, so lässt sich unser Brocken mit der verstärkten Federung jetzt über Pisten und durch Kurven jagen, dass es eine Wonne ist. Knaller, ein 10 Tonnen schweres Gokart! Jetzt noch so ein Ladeluftkühler für mehr Motorleistung und dann ... (das darf ich nur nicht laut sagen, sonst sperrt mir jemand mein Taschengeld).

Eine Nacht verbringen wir noch in Spanien, diesmal auf einem Strandparkplatz bei Isla Christina. Hier ist Camping zwar verboten, aber bei dem heutigen Sturmregen kann ich mir nur schwer vorstellen, das sich jemand von uns gestört fühlt. Außerdem campen wir ja nicht. Ich bin Fotograf und mache Bilder. Nachtbilder.

Und morgen geht es endlich nach Portugal.



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Kommentare: 1
  • #1

    Rolf (Donnerstag, 23 März 2017 13:43)

    Hallo Mi, Hallo Christian,

    bin über Herman unterwegs auf Euch „gestoßen“!

    Tolle Seite mit vielen Tipps !
    Die Berichte der Reisen und Pannen sind sehr treffend geschrieben,
    könnte auch aus dem Magazin „Allradler“ stammen, wo solche Erfahrungsberichte veröffentlicht werden !
    Ich hoffe ihr habt weiterhin den Spass mit Oschi ,den ihr euch wünscht !

    Gruß und allzeit gute Fahrt !

    Rolf