90 Tage oder die (Nicht-)Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis

Bei der Einreise nach Marokko erhielten wir eine Aufenthaltserlaubnis für 90 Tage. Für ganz Marokko. Natürlich reichen 90 Tage nicht, um jeden Winkel Marokkos zu erkunden. Also wollten wir entweder eine Verlängerung beantragen oder kurz über die mauretanische Grenze hüpfen, um bei der Wiedereinreise weitere 90 Tage zu erhalten. Es kam anders als gedacht.

Für Mauretanien fehlte uns nach einer Reifenpanne das Ersatzrad, also wurde der (im übrigen recht kostspielige) Abstecher gestrichen. Wir konzentrierten uns stattdessen auf die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, die angeblich problemlos gewährt würde: Einfach die Unterlagen bei der Gendarmerie Royale einreichen und - voilà - am nächsten Tag den abgestempelten Pass wieder abholen. So einfach war es dann doch nicht.

Versuch Nr. 1

Etwa zwei Wochen vor Ablauf der 90 Tage schlugen wir in Dakhla auf. Die Gendarmerie Royale war schnell gefunden. Auf dem Weg dorthin stolperten wir über einen Copyshop, der uns die relevanten Seiten im Reisepass kopierte. Lichtbilder hatten wir dabei und eine Adresse auch. Der freundliche Sachbearbeiter prüfte unsere Unterlagen und ließ uns wissen, dass wir für eine Verlängerung zu früh dran seien. Wir mögen in einer Woche wiederkommen, also eine Woche vor Ablauf der Frist.

Hätten wir nicht schon etwas Erfahrung im Land gesammelt, wir hätten uns wohl darauf verlassen. Jedoch, mit ein wenig Phantasie sitzt in einer Woche ein anderer Sachbearbeiter mit anderen Regeln am Schreibtisch. Oder der selbe Sachbearbeiter hat eine neue Anordnung zu befolgen. Ginge irgendetwas schief, wäre unser zeitlicher Puffer stark geschrumpft. Wir geräten unter Druck und wären der Behördenwillkür ausgeliefert. Vielleicht ist das nur ein Produkt meiner Phantasie. Vielleicht entstehen so aber auch jene Situationen, die nur noch gegen Geld zu lösen sind. Wir wollten es lieber nicht darauf ankommen lassen und traten den Rückzug an. Auch andere Provinzhauptstädte haben eine Gendarmerie Royale.

Versuch Nr. 2

In El Aaiún liegt die Gendarmerie Royale an der Ausfallstraße nach Norden, umgeben von einer LKW-Verbotszone. Mit ein wenig Kreativität fanden wir dennoch hin und legten unsere Unterlagen vor. Ein missmutiger Beamte wirft einen Blick auf die Unterlagen und weist mich auf die fehlende Adresse hin. Ups. Ich flitze zurück zum Auto und hole die Visitenkarte des Chefs von MAN. Der Beamte greift zum Telefon um die Sache zu überprüfen. Der Chef von MAN weiß worum es geht und bestätigt, dass wir zur Reparatur des Trucks einige Wochen länger in Marokko bleiben müssen. Sichtlich verärgert verlässt der Beamte für einige Minuten den Raum. Als er wiederkommt lautet seine Story, dass wir zu früh dran sind. Wir sollten in zehn Tagen wiederkommen, d.h. genau am letzten Tag. Hm... lass mich überlegen... Nein! Das ist mir zu heiß.

Versuch Nr. 3

El Aaiún ist eine große Stadt und eine Stadt mit vielen Behörden. Mit etwas Glück weiß hier die eine nicht, was dort die andere tut. Warum also stellen wir uns nicht mal doof und probieren es bei der Polizei am Flughafen? Wir fragen uns bei der Ankunft durch und werden an allen Sicherheitsschleusen vorbei zur Polizei geführt. Kein Problem, meint der Polizeichef dort und erklärt uns vor seinem Hofstaat mit großen Gesten wie es läuft: Wir deponieren das Auto auf dem Zollparkplatz und fliegen mal eben auf die kanarischen Inseln aus. Alles sicher, alles kein Problem. Für uns ist das aber überhaupt nicht akzeptabel. Das klingt nach zu viel Aufwand und zu viel Risiko für die Verlängerung.

Versuch Nr. 4

Mehr oder weniger zufällig landen wir kurz darauf auf dem Campingplatz in Tiznit. Das Verlängerungsverfahren ist dort Business as usual. An der Rezeption hängt ein Zettel, der über Unterlagen und Verfahren aufklärt. Zu den Mindestanforderungen gehören hier vier Wochen bezahlter Aufenthalt. Der Vorgang auf dem Amt soll mindestens zwei Wochen dauern. Ich weise den Rezeptionisten auf unseren kläglichen Rest von einer Woche hin. Der wackelt vielsagend mit den Augenbrauen: Wir wären eine Woche zu spät dran, das sei ein großes, großes Problem. Zwischen den Worten höre ich, dass sich das große, große Problem wohl mit Geld lösen ließe. Ein kurzer Blick über den Campingplatz reicht mir, um eine Entscheidung zu treffen. Den Aufenthalt verlängern, um vier Wochen in einem Weißware-Gefängnis einzusitzen? Never ever! Andere Länder haben auch schöne Flecken.

Es ist so: Grundsätzlich ist in Marokko eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nicht vorgesehen. Im begründeten Ausnahmefall ist sie jedoch möglich. Möglich heißt, sie kann gewährt werden, liegt aber im Ermessensspielraum der Beamten. Das Prozedere dazu ist von Provinzhauptstadt zu Provinzhauptstadt und von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter anders. Offiziell vorausgesetzt werden beglaubigte Kopien vom Reisepass, ein Lichtbild und ein formeller Antrag mit einer Begründung, warum die Verlängerung notwendig ist. Außerdem ist eine bestätigte Aufenthaltsadresse in Marokko vorzuweisen, was in der Regel zu einem 2-4 wöchigen kostenpflichtigen Aufenthalt auf einem Campingplatz führt. Man munkelt, es gäbe Leute in Marokko, die vermuteten, dass sich das Verfahren vereinfachte, wenn ein paar Scheinchen zwischen den Unterlagen lägen. Ist aber nur so ein Gerücht.

Wir bekamen unseren Aufenthalt nicht verlängert. Vielleicht hatten wir einfach nur Pech, vielleicht standen wir uns auch selbst im Weg. Wir hatten ausgeschlossen, mehrere Wochen auf einem Campingplatz zu verbringen. Wir hatten auch ausgeschlossen, Bestechungsgelder zu bezahlen. Wir hätten verlängert, wenn das regulär möglich gewesen wäre. Aber die Regeln waren für uns nicht verlässlich: zu früh, zu früh, zu spät. Dennoch finden sich im Internet viele Reiseberichte, in denen die Verlängerung in dieser oder jener Stadt einfach und unproblematisch geklappt haben soll.



Kommentare: 7
  • #7

    Curio Sity (Freitag, 17 März 2017 16:17)

    Hallooooo?
    Ist da noch wer?
    Was ist dem Geschichtenerzähler passiert?
    Die treue Leserschaft erwartet unterhalten und bespaßt zu werden!

    :-) MfG
    Curio

  • #6

    Familie reiners (Montag, 13 März 2017 21:18)

    Wir haben vieles mit Begeistrung
    Gelesen, auf einmal ist alles wie abgeschnitten, der Chef fragt, was los ist, ob es euch noch gibt. LG die reiners

  • #5

    Maria (Dienstag, 07 März 2017 03:35)

    ...notgedrungen noch eine Reise unternehmen = wahrhaftig ein hartes Los ;-)

  • #4

    videomundum (Montag, 27 Februar 2017 14:41)

    Danke für Eure Vorschläge!

    Die temporäre Ausreise nach Ceuta, Melilla oder Mauretanien ist sicher die sauberste Lösung, um länger in Marokko bleiben zu können. Den Umweg von mehreren hundert oder tausend km und die damit verbundenen Kosten war es uns aber nicht mehr wert (noch dazu ohne pistentaugliches Ersatzrad). Wir haben zwar nicht alles aber doch genug von Marokko gesehen und es wäre nur um etwa 2-3 Wochen mehr gegangen. Wenn davon noch die Hälfte allein für die Fahrerei drauf geht...? Da ziehen wir es dann lieber vor, mit mehr Zeit entspannt durch Portugal zu reisen.

    Was Videos aus eigener Produktion betrifft, da soll noch mehr kommen. Allerdings taugt der Rechner, mit dem ich aktuell unterwegs bin kaum für Bildbearbeitung und schon gar nicht für Videoschnitt. Ich muss mir erst einen potenten Rechner besorgen und dann wohl notgedrungen noch eine Reise unternehmen... ;-)

  • #3

    Simo (Montag, 27 Februar 2017 13:31)

    Hallo Ihr beiden,
    Bloss keine Bestechung !!! Er habt zwei Möglichkeiten :
    1- ihr sucht eine günstige Wohnung mit Mietvertrag für einen Monat ( kostet zwischen 130.- 200.-€).
    2- Einfach vor ablauf der 3 Monate kurz rüber nach ceuta oder melilla ( Ceuta ist am einfachsten), da gemütlich noch Steuerfrei einkaufen gehn und wieder zurueck.

    Liebe Grüße aus Rabat
    Simo

  • #2

    balatro (Mittwoch, 22 Februar 2017 19:42)

    Vieln Dank für den schönen Bericht und die tolle Seite!
    Kommen auch noch Videos? Ich finde das Video von euch in der RP und das bei Herman-unterwegs echt klasse. Bitte mehr davon.
    Im Übrigen: wunderschöne Türen.

    MfG

  • #1

    Flo (Dienstag, 21 Februar 2017 13:00)

    Das ist ja ganz schön viel act gewesen für nix und wieder nix...
    Warum habt ihr nicht die Variante Ceuta rein und wieder raus gewählt?