Wetterbericht Marokko

Nebel, Nieselregen und Schneefall in Deutschland - und auf unseren Bildern sieht der Betrachter blauen Himmel und Sonnenschein. Offensichtlich war es eine gute Idee, über den Winter in den Süden zu fahren. Aber wie gut ist das Winterwetter wirklich in Marokko?

Die Wetterwende kam auf unserer Reise mit der Passüberquerung von Frankreich nach Andorra. Vom Schneefall ins T-Shirt-Wetter binnen weniger Kilometer. Das war Mitte November und wir hatten den Winter erstmals abgehängt. Nur kurz, aber immerhin. Wir fuhren weiter nach Südspanien, denn der kontinentale Winter blieb uns auf den Fersen. In einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen lag mal der Winter vorn und mal wir. Als wir im strömenden Regen die Meerenge von Gibraltar überquerten, checkten wir ein letztes Mal vor unserer Einreise die Wetterprognose für Marokko. Und siehe da, mit einer angekündigten Kaltfront kam der Winter zeitgleich mit uns im Norden Marokkos an. An der Mittelmeerküste erlebten wir Sturm und Regen, und im Rif und im Atlas dichten Schnee. 

Weiter und immer weiter südwärts fuhren wir, bis der Winter am Nordrand der Sahara endlich aufgab. In der Sahara ist es ihm wohl zu warm. Seitdem ist das Wetter an 9 von 10 Tagen top, mit strahlend blauem Himmel und reichlich Sonnenschein. Dann folgen ein oder zwei stürmische Tage mit manchmal auch ein paar Regentropfen. Nach spätestens zwei Tagen ist der Spuk aber vorbei und die Sonne strahlt wieder vom wolkenlosen Himmel.

Bei Windstille lässt es sich tagsüber draußen gut im T-Shirt aushalten. Hinter Glas, drinnen und im Fahrerhaus, wird es sogar richtig heiß. Wenn die Fenster geöffnet bleiben, steigt die Raumtemperatur in der Kabine auf bis zu 28°C. Besonders warm fühlt sich das aber nicht an, denn die Luftfeuchtigkeit ist mit 25-35% sehr gering.

Sobald die Sonne am Abend den Horizont berührt, fällt die Temperatur in der Wüste jedoch schlagartig. Begleitend erhebt sich meist ein leichter Wind. In der Sahara wird es innerhalb von Minuten bitterkalt. Der warme Sandboden, in dem ich eben noch die Füße vergrub, wird eiskalt. Man kann sich gar nicht so schnell mit Pulli, Jacke und Mütze einpacken, wie es kälter wird. Nachts fallen die Temperaturen in der Sahara bis unter den Gefrierpunkt. Dann sind in der Früh die Dünen und die Schattenseite des Autos vereist. Das ändert sich, sobald die Sonne über den Horizont klettert. Schon die ersten Strahlen haben Kraft und wenn die Morgenröte verschwunden ist, kann man sich wieder im T-Shirt nach draußen wagen.

Tagsüber knackwarm, nachts ar...kalt, ab und zu stürmisch, meist windstill, in der Regel knochentrocken aber auch mal viel zu nass - das Wüstenklima ist ein wüstes Klima und eine Zerreißprobe für das Material. Beim Fels sehen wir die Folgen der Temperaturschwankungen besonders deutlich an den gesprengten Steinen.

Es ist erstaunlich, dass Sand und Stein, die den ganzen Tag intensivem Sonnenschein ausgesetzt sind, keine Wärme für die Nacht speichern können. Es gibt verschiedene erklärende Faktoren für dieses Phänomen: Es hat mit der Höhe zu tun - immerhin liegt die Wüstengegend, die wir seit drei Wochen durchkämmen, auf rund 1.000 m. In Richtung Küste sind die Nächte auf nur noch 400 m Höhe bereits lauwarm. In der Wüste fehlt auch eine isolierende Dunstschicht, um die Wärmeabstrahlung am Abend zu verhindern. Wenn mal eine Wolkendecke den Sonnenuntergang verschönert, ist der Abend gleich spürbar wärmer. Wikipedia weiß sogar, dass die Tageshitze nicht tief genug in Sand und Fels eindringen kann, um nachhaltig zu wirken. Die Oberflächenspannung ist mit ein Grund für das Bersten der Steine.

Die großen Temperaturschwankungen wirken sich auch auf das Wohnen im Auto aus. Ab Sonnenuntergang läuft die Fußbodenheizung mit, um die Kabine vor dem Auskühlen zu bewahren. Wir könnten auf das Heizen auch verzichten, um Gas zu sparen. Dann müssten wir nachts komplett durchlüften, um Kondenswasser in der Kabine zu vermeiden. Dass das funktioniert, haben wir getestet. Die Kehrseite der Gaseinsparung sind einstellige Temperaturen am Frühstückstisch - zugegebenermaßen nicht ganz mein Ding.

Wer in der Wüste überwintern will, kommt um warme Kleidung und eine dicke Bettdecke für die Nacht nicht herum. Bei Tag reicht dem kältegewöhnten Europäer lockere Sommerkleidung. Marokkaner sind auch tagsüber dick eingepackt, teils zum Schutz vor Sonne, Wind und Staub, teils weil sich ihr Temperaturempfinden an der sommerlichen Extremhitze von weit über 40°C ausrichtet.

Außerhalb der trockenen Wüstengegend ändert sich das Klima etwas: Die Luftfeuchtigkeit steigt auf ca. 50% und morgens gibt es oft Nebel und Tau. Es bleibt tagsüber sonnig und warm. Die Nachttemperaturen ändern sich zum Positiven. An der südlichen Atlantikküste und in den niederen Höhenlagen erleben wir im Winter laue, fast schon schwülwarme Sommernächte. Bei Windstille bleiben die Fenster auch in der Nacht geöffnet und es muss nicht geheizt werden. Dann sind wir nachts sogar um eine kühle Brise froh. Generell ist die Küste aber deutlich windiger. Wer direkt an der "Waaterkant" steht, muss bei auflandigem Wind mit stark salzhaltigen Meerwassertropfen auf dem Auto leben. 



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