Marokko: Einreise Algeciras - Tanger Med

Einfahrt in den Fährhafen Algeciras (Spanien)
Einfahrt in den Fährhafen Algeciras (Spanien)

Als EU-Bürger kann man sich die Einreise nach Marokko mit dem eigenen Auto einfach machen: Einfach mal mit der Fähre rüber fahren und gucken was passiert. Den Reisepass sollte man dabei haben. Wenn zusätzlich die grüne Karte für Marokko gilt, umso besser. Wenn nicht, "muss" man eine Versicherung vor Ort kaufen (das prüft aber keiner). Das Fährticket braucht man im Winter nicht im voraus zu kaufen, denn zum einen ist nicht mal Nebensaison, zum anderen sind in Spanien schon hunderte Kilometer vor den Fährhäfen alle Durchfahrtsstraßen mit Ticketbuden gesäumt. Warum es ausgerechnet die kleine Bude von Carlos in Algeciras zu internationaler Berühmtheit gebracht hat ist daher eigentlich gar nicht zu erklären. Doch wann immer wir Marokkoreisende aus Deutschland, England oder Niederlande danach fragten, sie alle kannten Carlos´ Ticketbude. Vielleicht liegt es daran, dass er nicht mit den Schleppern am Hafen zusammenarbeitet.

Auch wir holten unser Ticket und die Einreisepapiere für Oschi und uns selbst bei Carlos (200 EUR für 12 Monate freie Gültigkeit, zwei Personen und ein Truck). Da die Papiere fix und fertig ausgefüllt werden bedarf es keiner inoffiziellen "Helfer" im Hafengelände, die bei arglosen Touristen auf den schnellen Euro aus sind. "Wenn irgendjemand von Euch noch Geld will, ruft mich an", schärft uns Carlos ein. Dazu gibt es noch Auskunft, wo die nächste LPG Tankstelle ist und dass zur Zeit am Zoll nach Drohnen gefragt wird. Das geht alles ganz zwanglos und unkompliziert von statten und endet mit einer Flasche Wein und Limonenkuchen als Geschenk für uns. Wir danken recht schön!

Die eigentliche Einreise in Tanger Med in Marokko ist für den Anfänger zwar etwas chaotisch aber völlig harmlos. Wenn man mal weiß, in welcher Reihenfolge man wem was zeigen muss, ist es ganz einfach. Bis man das herausgefunden hat, läuft man etwas dämlich hin und her. Es gibt vermutlich ein klar definiertes Procedere, aber ist der Reisende erst einmal vor Ort, stellt er schnell eine eklatante Kluft zwischen Theorie und Praxis fest. Insbesondere mangelt es an sichtbaren Anhaltspunkten. Das Abenteuer beginnt schon auf der 45-minütigen Fährüberfahrt. Per Lautsprecheraufsage dazu aufgefordert, suchen wir den Polizeiposten "on board", um die Pässe abzustempeln ... und finden keinen. Nach zwei erfolglosen Schiffsrunden (die Rezeption ist nicht besetzt), wende ich mich an die Boutiqueverkäuferin (die später auf dem Autodeck unsere Ausweiserin sein wird). Sie holt per Telefon einen in Jeans und Pulli gekleideten netten jungen Mann, der mit unseren Pässen verschwindet. Ähm...? Da ist er wieder und unsere Pässe sind abgestempelt.

Als Oschi als erstes Auto von der Rampe und auf afrikanischen Boden rollt, ist das für uns ein ganz besonderer Moment. Bis hierhin sind wir aus eigener Kraft gekommen, jetzt schauen wir mal wie es weitergeht. Hier und da stehen Grüppchen von Leuten mit offiziellem Aussehen herum. In Gespräche vertieft zeigen sie jedoch kein Interesse, als ich im Schrittempo heranrolle und sie erwartungsvoll anschaue. Das ändert sich schlagartig, wenn ich vorbeigerollt bin. Plötzlich wird hektisch gerufen und gewunken, man möchte doch die Pässe sehen.

Außer uns ist fast nur Güterverkehr auf der Fähre und der wird direkt links weggeleitet. Etwas orientierungslos rolle ich langsam weiter, denn als erster kann man es schlecht jemandem nachmachen. Beruhigenderweise gibt es nicht allzu viele mögliche Wege. Wo man uns sieht, winkt man uns stetig weiter bergauf. Auch als wir (da wähnten wir uns schon durch) bei den Zollhäuschen ankommen, werden wir zunächst vorbei gewunken (und ansonsten ignoriert). Folglich rolle ich auf den nun erkennbaren Ausgang zu. Und wie unten an der Rampe so auch hier: erst will keiner was, aber wenn ich weiterrolle ruft man uns zurück. Gut, dann warten wir halt, bis jemand kommt und schauen solange dem Treiben am Zoll zu. Es ist nicht viel los, trotzdem wird ohne erkennbare Struktur hin und her gelaufen und gestikuliert, Papiere werden eingesammelt und wieder ausgeteilt, und mal darf jemand fahren (Touristen), mal muss jemand sein Auto leer machen (Marokkaner auf Heimaturlaub).

Dann kassiert ein Grenzer unsere Ausweise und Fahrzeugpapiere ein. Nach kurzer Begutachtung erhalte ich nur die Pässe und den Fahrzeugschein zurück, Oschis "Ausweis" hingegen nicht. Das ist gerüchtehalber erstmal ein Problem, denn ohne Fahrzeugausweis soll das Auto nicht mehr auszuführen sein. Ob wir Waffen dabei haben? "Nein, keine Waffen ... Und jetzt?" "Attend, Police, Passeport", so die mir unverständliche Anweisung. Wie bekomme ich jetzt wohl Oschis Ausweis zurück? Mi beobachtet derweil eine andere Reisende und schickt mich zu einem vorgelagerten Häuschen zurück. "Police?", frage ich ins Blaue. "Oui, les passeports, s'il vous plaît", ist die aufschlussreiche Antwort. Treffer! So läuft das also, es gibt zwei Stationen, A und B, und man geht erst zu B und dann zu A. Und jeder macht irgendetwas mit den Pässen.

Fahrzeugeinreisedokument
Fahrzeugeinreisedokument

Von B, dem Grenzer, erhalte ich anschließend auch Oschis Ausweis zurück. Dann will er ins Auto gucken. Wir könnten ja Waffen dabei haben? Nein, immer noch nicht. Ich baue in aller Ruhe die Einstiegsleiter an. Lässt Du mich warten, lass ich Dich warten. Beim Betreten der Kabine ziehe ich die Schuhe aus und schaue ihn erwartungsvoll an. Auf Schuhe ausziehen hat er sichtbar keine Lust. Vom Bad aus wirft er einen Blick in den Aufbau. Ob wir jetzt Waffen dabei hätten? Nein, wirklich nicht! Zum Beweis öffne ich den Kühlschrank. Er grinst, als er die Flasche Wein sieht (beschämt drehe ich das Etikett weg); dann wünscht er uns gute Reise und macht kehrt. Wir zeigen ein letztes Mal am Ausgang die Papiere vor und dann sind wir drin!

Ein wichtiger Tipp: Wir nahmen die erste Fähre - für 10h geplant, ab 11h beladen. Die afrikanische Zeitrechnung beginnt also schon in Spanien :-). Mit 45 Minuten Überfahrt und dem Papierkram kamen wir gegen 14h aus dem Zoll heraus. Damit verbleiben um diese Jahreszeit nur noch wenige Stunden, um den ersten Nachtplatz zu finden bzw. - falls im voraus bekannt - anzufahren. Wir halten es für unbedingt empfehlenswert, als Anfänger nicht im Dunkeln in Marokko zu starten. Es ist zwar nicht gefährlich, aber eine fremde Umgebung mit unbekannten Verhaltensweisen erkundet man besser bei Tageslicht. Stellt Euch vor, den angepeilten Camping gibt es gar nicht mehr (wie bei uns) und Ihr müsst im Dunkeln weitersuchen... Also nehmt die frühestmögliche Fähre, es kann immer etwas dazwischen kommen!



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