Am Ende ist immer Schluss

"Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick,

mit Träne in d'r Auge loor ich manchmol zurück"

Es war ein großer Schritt und kein leichter. Nach einer langen Bürokarriere gab ich meinen Managerposten auf. Vorbei sind die Zeiten des sicheren Einkommens, der Sozialleistungen und der Altersversorgung. All die Jahre ging ich gerne zur Arbeit und für meine Treue sprachen viele Gründe: Ein kreativer Freiraum, den ich kaum ausschöpfen konnte; ein moderner Arbeitsplatz; ein vertrauensvolles Arbeitsklima; eine gute Bezahlung; und nicht zuletzt die leckere Kantine, zu deren Umsatz ich einen überproportionalen Anteil beitrug. Vor allem aber stimmte der Zusammenhalt unter den Kollegen.

Mein kleines Team war motiviert bis in die Haarspitzen. Wir entwickelten und strukturierten, automatisierten und optimierten. Jeden Wunsch wollten wir erfüllen und nebenher noch Sonderaufgaben abwickeln. Am wohlsten fühlten wir uns, wenn richtig Feuer unter dem Dach war. Mehrere Aufgaben gleichzeitig? - Her damit! Multitasking? - Mehr davon! Deadlines? - Wann hätten Sie es denn gern? Es war anstrengend und stressig, aber es gab uns auch ein gutes Gefühl. Es war eine wilde Zeit.

Natürlich kam was kommen musste, denn nichts bleibt wie es ist. So abgedroschen das klingt, so entscheidend war es. Neue Leute betraten das Spielfeld und brachten neue Ideen mit. Eine neue Kultur zog in das Unternehmen ein. Neue Besen kehren gut. Ich blieb dabei. Der Wind kam zwar von vorn und so manche Entscheidung teilte ich nicht, doch ich blieb dabei. Zweifel keimten und ich ignorierte sie. Ich blieb dabei. Doch irgendwann war klar, das ist nicht mehr meine Welt und sie wird es auch nicht mehr werden. Das war's. Nein, ich hätte mich nicht arrangieren können. Der Gaul war tot. Ich will nicht klagen, ich bin dankbar für all die guten Jahre.

Ein Neuanfang steht an. Es ist nicht der erste, es wird nicht der letzte sein. Ich war schon vieles und mal unten und mal oben. Tiefs machen mir keine Angst mehr. Schwer zu sagen, was als nächstes kommt. Irgendwie scheint alles möglich. Der größte Reiz geht für mich jedoch immer von den Dingen aus, die ich noch nicht kann. Und davon gibt es genug. Die Liste der Dinge ist lang, die ich immer schon mal lernen wollte - weitere kommen täglich hinzu. Das Leben scheint mir viel zu kurz, um alle Träume zu verwirklichen, aber wir wissen ja: Der Weg ist das Ziel.

*Übersetzung für Nicht-Kölner:

Was war das früher doch eine supergeile Zeit,

mit Tränen in den Augen schau ich manchmal zurück.



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