Auf nach Afrika!

Zwei Jahre, ein Monat und eine Woche. 768 Tage. Wenn man den Luxus mehrerer Urlaubsreisen pro Jahr kennt und dann 768 Tage lang keinen echten Urlaub mehr macht, dann ist das eine sehr lange und harte Durststrecke. Zwei Jahre, einen Monat und eine Woche lang schraubten, bastelten und klebten wir seit der Islandauszeit an unserem Truck herum. Nicht, dass der erste Wurf so schlecht gewesen wäre. Er war einfach noch nicht fertig als die Fähre ging. Während der Reise sammelten wir damals viele Erfahrungen, aus denen eine Wunschliste entstand. Und aus einer Wunschliste wurden viele ToDo-Listen.

Tausend Notwendigkeiten wurden seither erledigt, tausend Wünsche wurden Wirklichkeit. Rund um den Truck haben wir Dinge verbessert, verschönert und erweitert. Die Kabine wurde entkernt und eine schöne, neue Inneneinrichtung gebaut. Darin enthalten: Ein drittes Fenster, an allen Fenstern Rollos und Mückenschutz, eine Bad mit Toilette mit und Innen/Außen-Dusche, eine Gefriertruhe, ein großer Gastank, viel praktischer Stauraum und insgesamt drei Wassertanks. Außen wurde die Kabine teilweise mit Aluminiumtafeln beplankt und in Wagenfarbe lackiert. Das Fahrerhaus bekam einen schicken Dachträger aus Edelstahl. Die Luftansaugung wurde auf den Dachträger verlegt und die Tankkapazität auf 700 Liter erhöht. Der alte, klobige Heckträger wich einem schlanken Neubau, die kippelige Anstelleiter einer vernünftig konstruiertem Treppe. Und ein zentraler Abwassertank sorgt jetzt auch für eine gewisse Autarkie bei der Entsorgung.

Lange sah es nicht so aus als ob wir jemals fertig würden. Doch eines Tages war Oschi plötzlich  wieder reisebereit. Wir nutzten zwei verlängerte Wochenenden für erste Praxistests in der Eifel und an der Mosel. Langsam schien eine weitere Langzeitreise  in den Bereich des Möglichen zu rücken. Weil Island seinerzeit den kältesten Sommer seit Langem verzeichnete, zielten wir zum Ausgleich auf eine Überwinterung in Afrika ab. Südlich des Mittelmeeres wollten wir den verpassten Sommer wieder ausbügeln. Ein Starttermin wurde festgelegt und das Verhängnis "Deadline" nahm seinen Lauf. Der Teufel steckt wie immer im Detail und manche tolle Konstruktion stellte sich im Gebrauch überraschend als untauglich heraus. Kurzerhand ergab sich noch diese und jene offene (und vollkommen unterschätzte) Baustelle und da war es dann wieder, das Déjà-vu: Am Ende wird es immer knapp.

Aber alles Übel hat einmal ein Ende und am Ende stand diesmal die Schlüsselübergabe mit dem Hausverwalter. So sicher waren wir uns mit einem Neuanfang nach der Reise, dass wir sogar unsere geliebte Wohnung aufgaben. Adieu Fußbodenheizung, Adieu Parkettboden, Adieu Wohnküche, Adieu Glasfront mit Blick auf einen großen Garten. Adieu Waschmaschine und Spülmaschine. Der Abschied fällt leichter als erwartet, denn ohne unsere Möbel strahlt die frisch renovierte Wohnung nicht mehr die vertraute Behaglichkeit aus. In Oschis gemütlich warmem Wohnaufbau hingegen fühlen wir uns hingegen schon seit einer ganzen Woche lang wie zuhause.

Jetzt sind wir also am Ziel. Seit Projektbeginn liegen insgesamt dreieinhalb Jahre Schrauberei hinter uns. Tausende Stunden voller Hoffen und Bangen, Freude und Frust, Zufriedenheit und Entschäuschung, Wünschen und Schaffen. Verrückt müssen wir gewesen sein, so ein Ding überhaupt anzugehen, verrückt und naiv. Aber auch grenzenlos motiviert. Unser ganzes Leben haben wir für dieses Projekt auf den Kopf gestellt: jeden Arbeitstag, jedes Wochenende, jeden Feiertag, jeden Urlaubstag. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr arbeiteten wir im Akkord am Truck. Im Winter draußen, oft im Dunkeln, hungrig und vor Kälte schlotternd, in klammen dreckigen Klamotten, mit zittrigen Fingern und fiebrigen Augen. Im Sommer in der prallen Sonne, dehydiert, verschwitzt, eingestaubt, müde und erschöpft. Opfer wurden verlangt und erbracht. Sie waren es wert, denn morgen beginnt die langersehnte nächste Reise.

Nun erhält die jahrelange Schufterei ihren Sinn. Wir lassen den Alltag hinter uns und ziehen los. Nicht nur für ein verlängertes Wochenende, nicht nur für den Jahresurlaub, sondern für sagenhafte sechs Monate. Was wird uns erwarten? Wird Oschi halten oder wird die Kabine in der Sonne schmelzen? Taugt unser Umbau für den Offroad-Reise-Einsatz oder bricht das Fahrgestell auf den ersten Pistenkilometern auseinander? Werden wir das Reiseziel erreichen oder uns bis über die Ohren einsanden? Fest entschlossen, das zwischen Sanddünen und Lagerfeuern herauszufinden, freuen wir uns auf eine tolle Zeit. Morgen geht es los. Auf zu spannenden Begegnungen, auf zu neuen Abenteuern - auf nach Afrika!

Kommentare: 3
  • #3

    videomundum (Donnerstag, 13 September 2018 13:02)

    Hi Walter,

    die Navigation im Blog ist wirklich nicht gerade gelungen. Ich habe sie überarbeitet und hoffe, Du findest sie nun logischer und intuitiver. Die neuesten Artikel (und Kommentare) kommen nun immer und überall zuerst. Am Ende der Berichte springst Du über den Navigation Button [>] in die Vergangenheit und über den Navigation Button [<] wieder nach vorn (bzw. zur Startseite des Blog). Sorry für die Verwirrung, ich hoffe, das hält Dich nicht vom Lesen ab.

    Lieben Gruß
    Christian

  • #2

    WoMo Walter (Sonntag, 02 September 2018 13:09)

    Servus ihr beiden,
    bin heute auf eure seite gestoßen. Toll gemacht und die Reiseberichte super geschrieben. Nur das "Folgesystem" der Seiten habe ich noch nicht durchschaut. Wenn ich nach einem Reisebericht am ende der seite auf den rechten Button klicke, lande ich auf einen früheren Eintrag, sprich Datum. Über eine kurze info würd ich mich freuen, damit ich mir eure weiteren reiseberichte "reinziehen" kann.
    Gute und unfallfreie Fahrt
    Walter Lauber

  • #1

    Andrea (Freitag, 09 Dezember 2016 21:32)

    Hallo Ihr 2,

    wie ich Euch beneide! Ich wünsche Euch eine wunderschöne Zeit in Afrika. Es ist ein tolles Land mit wunderbaren Menschen - so habe ich es jedenfalls kennengelernt. Ich hoffe, wir treffen uns in nicht allzu ferner Zukunft in Ghana. Langsam aber sicher wird es auch bei uns ernst.

    Herzliche Grüße aus D'dorf

    Andrea