Und dann

Und dann sitze ich im Büro, schaue nach draußen und die Gedanken schweifen ab. 

Und ich denke an die eingestaubte Kameraausrüstung, mit der ich gerne in fremden Ländern auf Entdeckungstour gehen möchte. 

Und ich erinnere mich an all die angefangenen Blogartikel, an denen ich weiterschreiben will.

Und ich denke an all die Umbauten, die ich vor der nächsten großen Reise am Auto noch fertigstellen möchte, an die Reihenfolge der Arbeitsschritte, und an die Teile, die ich noch bestellen muss.

Und mir kommt in den Sinn, was ich alles noch lernen möchte, vielleicht eine handwerkliche Ausbildung, vielleicht ein weiteres Studium, vielleicht den Hubschrauberführerschein.

Und ich denke, dass ich eigentlich gar keine Zeit habe, hier zu sitzen, während mein Leben ohne mich vergeht.

Und ich fühle, ich muss da raus, muss mein Leben leben und gestalten, und dass es gar nicht darauf ankommt, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern einfach nur genug. 

Und ich glaube, dass Glück eine Sache der inneren Einstellung ist, und kein einziger Glücksmoment meines Lebens viel Geld erforderte. 

Und ich stelle mir vor, wie ich geduldig und zufrieden vor mich hin werkele und mit viel Liebe zum Detail an meinen Produkten feile (und ich höre im Geiste die Liebe meines Lebens lachen, weil sie mich gar nicht geduldig und zufrieden kennt).

Und so schmiede ich Pläne, um mir den Rücken einige Zeit frei zu halten, bis ich einen neuen Platz im Leben mit neuen Existenzgrundlagen gefunden habe.

Und so trete ich den schweren Gang an zu meinen Vorgesetzten, um zu offenbaren, dass ich andere Pläne für mein Leben habe und nicht weiter für sie arbeiten kann.

Und dann beantworte ich die Fragen der Kollegen, Freunde und Verwandten nach dem Warum damit, dass das Spiel des Lebens nur ein Level und das letzte Hemd keine Taschen hat. 

Und dass ich hier vielleicht das Geld und die Sicherheit bekomme, die sie brauchen, aber nicht den Freiraum und die Abwechselung, die ich brauche.

Und dann komme ich nach Hause, treffe meine Frau, und wir sehen uns wissend in die Augen.

Und ich habe in ihr eine Künstlerseele gefunden, die meine Idee eines freien und kreativen Lebens unterstützt. 

Und ich weiß, dass wir unseren Weg gemeinsam gehen werden durch dick und dünn, Armut und Reichtum, Glück und Traurigkeit. 

Und so gehe ich hin und reihe mich frohen Herzens ein in die Menge der Träumer, die glücklich daran glauben, von der Hand in den Mund leben zu können.

Und ich freue mich euphorisch auf die grenzenlose Freiheit, all das Tun und Lernen zu können, was mir wichtig ist.

Und mir ist klar, dass die Euphorie verfliegen wird, aber ich habe keine Angst vor dem danach, weil ich weiß, was Armut ist.

Und ich verspüre die Vorfreude auf ein neues Leben, und auch die Anspannung und Erwartung, die mit dem Unbekannten einhergehen.

Und dann bin ich frei und ungebunden und nur noch mir selbst gegenüber verantwortlich, und stehe endlich mit beiden Beinen mitten im Leben und halte mein Glück in den eigenen Händen.

Euer Christian aka Oschi



Kommentar schreiben

Kommentare: 0