Freitragende Einstiegstreppe: Check!

freitragende Treppe Expeditionsmobil
freitragende Einstiegstreppe am Expeditionsmobil

Nach über einem Jahr mit diversen Provisorien verfügt unser Fahrzeug nun über einen vernünftigen Zugang zur Wohnkabine, die freitragende Eingangstreppe ist fertig. Als letzte Bauabschnitte waren die Aussteifung der Treppe durch eine Diagonalverstrebung, ein optionaler Stützbügel und eine sichere Transportaufhängung unter dem Hilfsrahmen der Wohnkabine zu leisten.

Diagonalverstrebung

Nach Montage der Stufen ließ sich die Treppe noch in seitlicher Richtung verziehen, denn das offene Kastenprofil der Stufen war nicht steif genug. Mit dem Wackeln hätte man zwar leben können, aber unser Anspruch war höher. Wir wollten die unerschütterliche Stabilität einer Haustreppe. Mit zwei verschweißten diagonal verlaufenden Streben aus Aluminium-Flachstangen (5 x 30 mm), die durch die hintere Kante der Stufen führen, ist diese Stabilität erreicht.

Die Herausforderung bestand hierbei darin, die Querverstrebung durch die Stufen zu führen. Ein Verschweißen an der Rückseite der Stufen wäre einfacher gewesen, war aber nicht möglich, da sich dadurch der Platzbedarf für die Tranportaufhängung unzulässig erhöht hätte. Bei starker Verschränkung im Gelände hätten wir eine Kollision mit dem Zusatztank befürchten müssen. Außerdem hätten die Streben die Treppenrückseite "geglättet" und die Treppe hätte in der Transportaufhängung ins Rutschen geraten können. Mit der Verstrebung durch die Treppenstufen bleibt die der Konstruktion immanente Rutschsicherung, bei der sich die Stufen im Hilfsrahmen verhaken, erhalten.

Stützbügel

Da die Treppe freitragend konzipiert ist, wird sie nur einseitig an Konsolen unter der Kabine aufgehängt. Die andere Seite schwebt in rund 30 cm Höhe frei über dem Boden. Hält das? Wir stellten uns mit zwei Mann auf die unterste Treppenstufe: Das hält! Und dennoch, das Auge will eine Abstützung auf mittlerer Höhe sehen. Also zogen wir ein Rohr durch die Tankkonsolen des Zusatztanks, an dem wir einen klappbaren Bügel anbrachten, der die Treppe im rechten Winkel abstützt. Schnell, pragmatisch, gut - die Treppe verkraftet jetzt auch drei Personen gleichzeitig.

Damit der Bügel die Treppe wirksam abstützt, muss er auf den Millimeter richtig bemessen sein. Dazu fertigten wir drei Teile an, den Bügel mit einem Winkelprofil als Auflage für die Treppenstufe und zwei Aufnahmen für das Rohr durch die Tankkonsolen. Ds sich die Einzelteile überlappen, konnten sie bei der Anprobe im gewünschten Maß durch Kabelbinder fixiert werden. Dann wurden sie mit dem Schweißgerät geheftet und anschließend durchgeschweißt. Alle zugehörigen Bauteile sind 100%ig aus Edelstahl beschaffen.

Um den Bügel im Fahrbetrieb am Ausklappen zu hindern, wird er durch eine Schlaufe gesichert. Es gelang uns nicht, ihn durch eine Federvorrichtung sicher genug in der Ruheposition zu halten.

Transportaufhängung

Die größte Herausforderung in diesem Teilprojekt war die Konstruktion einer pragmatischen Aufbewahrung der Treppe. Der Gitterrohr-Hilfsrahmen der Wohnkabine stellt sich immer wieder als spürbarer Nachteil bei der Nutzung des Unterboden dar. Wir entwickelten zunächst zwei Tragarme, die wir am Hilfsrahmen verschraubten. Mangels überzeugender Verriegelungsidee verbanden wir die beiden Arme mit einer abgesetzten Querstrebe zu einem komplex gebogenen Bügel. Das sollte die Entwicklung einer Spannvorrichtung, welche die Treppe rutschsicher in zwei Gummiprofile einspannt, erleichtern.

Dann sannen wir lange, lange Zeit über eine Spannvorrichtung nach und probierten diverse Lösungen aus. Bis heute fanden wir keinen überzeugenderen Mechanismus als zwei gekürzte Ratschengurte. Ich wüsste zwar schon, was ich gerne hätte, nämlich zwei abschließbare Dreh-Spann-Verschlüsse aus Edelstahl. Die müssen aber wohl erst noch erfunden werden... So behelfen wir uns mit den Gurten, bis uns etwas besseres vor die Füße fällt.

Fazit

Kein anderes Teilprojekt schien bisher schwerer lösbar als die Realisierung einer vernüftigen Einstiegstreppe und deren griffbereite Unterbringung. Das Ziel einer freitragenden Treppe war zwar schnell formuliert, aber die Umsetzung eine große Denksportaufgabe. Trotzdem fanden wir eine funktionale Lösung aus Aluminium, Edel- und feuerverzinktem Stahl, die uns sehr zufriedenstellt.

Unglücklich bin ich nur über einen Umstand, der erst bei der Fotosession zu diesem Beitrag auffiel. Die beiden Trägerkonsolen unterscheiden sich in der Höhe um 5 mm, wodurch die Treppe leicht schräg steht...

Schmankerl

Wenn einem nach wochenlangen Überlegungen plötzlich eine genial einfache Idee kommt, dann sollte man eigentlich sofort ahnen, dass etwas faul ist. Was dabei herauskommt, seht Ihr auf dem nebenstehenden Foto. Besagte Idee (natürlich nur deshalb so genial einfach, weil etwas entscheidendes übersehen wurde) bestand darin, den Gegenhalter für eine Spannvorrichtung direkt in den Hilfsrahmen zu integrieren. Das sah zwar gut aus, funktionierte aber leider nicht, denn die Treppe ließ sich nicht mehr weit genug in die Konsolen einschieben... Trotzdem war damit die Basis für die Transportsicherung gefunden.

Nachtrag

Nach einem Jahr Dauereinsatz hat sich die Treppe voll bewährt. Der gesamte Innenausbau lief über diese Treppe, die dabei praktisch täglich unzählige Male hinauf- und hinabgestiegen wurde, oft auch mit erheblichen Lasten. Ob vorwärts oder rückwärts - wir können uns auf die Treppe blind verlassen, obwohl bisher kein Griff oder Handlauf montiert ist. Die trittsicheren Lochsprossen bewähren sich insbesondere beim Duschen auf der Treppe und bei dreckigen Schuhen. An der Haltbarkeit gibt es nichts auszusetzen. Einziger Kritikpunkt ist die Kreuzverstrebung - sie verleiht der Treppe zwar eine sehr gute Statik, gelegentlich stößt man jedoch mit dem Fuß dagegen.



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Kommentare: 1
  • #1

    Guido Drost (Dienstag, 06 Juni 2017 14:08)

    Auf English besser auf in Deutsch:
    The key thing here is:
    -easy to mount
    -strong
    -a pleasant thing to look at (eyecatcher)
    -light
    -have a second function when not used as stair(personal challenge)

    To have the stair free from the floor is the best solution I agree 100%, for ants/small animals no acces, and in terrain no obstructions to place the stair.
    As this stair still has the disadvantage of hitting your feet to the cross bars it is still not perfect. The search will continue and engineering also.

    Also, and it is better with the plates on the front of the cabine how they are mounted, it is personal, I don't like the straps around the stairs in driving position. As you know I have huge respect for your work, you asked for critical readers, here you go haha.