Siebdruck-Wohnkabine Reloaded: Projektplanung

Planung am Reißbrett
Planung am Reißbrett

Das Verkaufsangebot für unsere Siebdruck-Wohnkabine ist zurückgezogen - es fand sich kein Kaufinteressent. Das wird wohl am aufgerufenen Preis liegen. Die meisten, die mit einem Holzkoffer-Aufbau liebäugeln, werden die gleiche optimistische Kalkulation zugrunde legen wie wir und sich im zeitlichen und finanziellen Aufwand ordentlich verschätzen. So eine Holzkiste schraube ich doch ruckzuck für ein paar Euro selbst zusammen, werden sie denken. Und dabei übersehen, dass sich ein solches Format nicht mal eben aus dem vollen schnitzen lässt. Jeder einzelne Handgriff braucht seine Zeit. Die 2-3.000 Euro für Holz sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Türen, Klappen und Fenster kosten gerade noch einmal soviel. Isolierung, Klebstoffe und Werkzeuge wollen auch bezahlt werden. Und so Kleinigkeiten wie Farbe, Schrauben und etliche Meter Kantenverkleidungen gibt es auch nicht geschenkt. Das läppert sich!

Zugegeben, wir hatten den Verkauf nicht forciert und einen Preisabschlag auf die Anschaffungskosten ausgeschlossen. Unser Verkaufsangebot bestand nur in einem Forum, um zu sehen, ob die Szene an unseren Baukünsten interessiert ist. Ist sie nicht, also nutzen wir die Kabine weiter. Und weil Totgesagte länger leben, schmiedeten wir umfangreiche Pläne für das zweite Leben des Flightcase-Holzkoffers. Der Innenraum wurde bereits entkernt, d.h. alle Geräte und Möbel ausgebaut. Die Innenwände sind auch schon gespachtelt und geschliffen.

Corporate Identity

Grün, Braun, Schwarz, Silber - Oschis Erscheinungsbild ist bunt. Das weckt Sympathien. In Islands Natur integrierte sich unser Fahrzeug mit den erdigen Tönen nahtlos. Eventuell half die dunkelbraune Farbe der Siebdruckplatten im Sonnenschein auch mit, die Kabine aufzuheizen. Im Süden wird die dunkle Farbe viel intensiver wirken und dem wollen wir vorbeugen. Außerdem stört mich als Symmetrie-Fan an unserem bunten Auftreten, dass das Fahrzeug nicht aus einem Guss erscheint. Das sind zwei gute Gründe, über einen Farbwechsel nachzudenken. Die Wunschfarbe des Aufbaus ist das gleiche Grün wie das des Fahrerhauses, das inzwischen zu so etwas wie unserem Markenzeichen geworden ist.

Die wetterfest beschichteten Siebdruckplatten lassen sich nicht ohne Vorbereitung überlackieren. Auch wenn die braune Deckschicht inzwischen etwas abgewittert ist, bleibt das Sperrholz so gut versiegelt, dass Lack nicht ohne weiteres haftet. Für eine haltbare Lackierung muss die Deckschicht angeschliffen werden. Grundsätzlich ist das Verletzen der Deckschicht eine zwiespältige Sache, da diese das Holz ein Jahrzehnt vor Witterungseinflüssen schützen können soll. Der neue Decklack muss sinnvollerweise mindestens den gleichen Schutz bieten.

Unser bevorzugt eingesetzter Lack ist Brantho Korrux "3 in 1". Ob mit Pinsel, Rolle oder Lackierpistole, ob auf Stahl, Alu oder - und das kommt sehr gelegen - auf Holz, wir konnten ihn bisher immer gut verarbeiten. Der Lack ist flexibel und macht Temperaturausdehnungen anstandslos mit. Außerdem kann er jederzeit mit sich selbst überstrichen werden. Die Kehrseite der Medaille ist sein "selbstgemacht"-Finish, aber mit diesem Nachteil können wir gut leben.

Klappen / Türen

Wenn wir Oschis Aufbau schon einen neuen Look verpassen, dann betrifft das nicht nur die Farbe, sondern auch die verbauten Stauraumklappen und die Eingangstür. Die Aluminium-Bauteile für den Anhängerbau sind praktisch, leicht, robust und haben ein faires Preis-/Leistungsverhältnis. Für den Einsatzzweck im Wohnmobil sind sie von Haus aus jedoch nur bedingt geeignet: Verarbeitung, thermische Trennung, Abdichtung und Schließmechanismus sind sehr einfach gehalten.

Für den Wohnbetrieb gibt es besser geeignete Bauteile, die auch mehr kosten. "You get what you pay for" - eine speziell für Wohnmobile gefertigte Fünfeck-Klappe aus dem mittleren Preissegment bekommt der Selbstbauer ab 1.500 EUR. Sie kostet damit mehr als alle unsere fünf Bauteile zusammen. Es lag am knappen Zeit- und Kostenbudget, dass wir nicht gleich von Beginn an höherwertige Bauteile verwendeten. Die preisgünstige Variante für die Testfahrt wählten wir aus reinem Pragmatismus. Mit dieser von vornherein absehbaren Zwischenlösung kommt uns der Umbau am Ende aller Tage natürlich teurer, doch war die anstehende Reise das Ziel und nicht die Kostenminimierung des Aufbaus.

Mittelfristig kommen wir nicht umhin, höherwertige Bauteile einzusetzen. Beim Aufbauhersteller Ormocar ließen wir eine neue Tür mit Mehrfach-Verriegelung (passend zur schusssicheren Kabine) maßschneidern. Von der niederländischen Firma Outbound beziehen wir zwei fünfeckige Stauraumklappen mit Gasfedern. Die Komponenten passen für die 80 mm dicken Wände. Dichtung, Verriegelung und thermische Trennung sind dann jeweils state-of-the-art. Preis und Leistung stehen sich auf einem höheren Niveau fair gegenüber.

Durchgang

Eine verbaute Tür / Klappe soll erhalten bleiben, da es sich faktisch um eine Innentür handelt: die Durchgangstür von der Wohnkabine in den Tunnel zum Fahrerhaus. Allerdings werden wir den Anschluss des Durchgangtunnels komplett neu gestalten. Die bestehende Lösung war dicht in dem Sinne, dass Wasser einen Weg hinein aber keinen Weg hinaus fand, bis wir einen Ablauf in den Tunnelboden schnitten. Das hochflexible EPDM-Material deckt zwar den geringen Verschränkungsbereich zwischen Fahrerhaus und Wohnkabine problemlos ab, ohne an seine Grenzen zu stoßen (der Vier-Punkt-Lagerung sei Dank). Was uns am Tunnel aber entscheidend stört, ist die konstruktive Befestigung. Das Lösen an der Fahrerhausrückwand ist umständlich, Lackschäden sind unvermeidbar und das Befestigen erfordert zwei akrobatisch talentierte Personen. Die drängende Nachbesserung wird ein eigenes Thema.

Fenster

Obwohl die Kabine ausreichend belichtet ist, mangelt es an Rundumsicht. Mehr als einmal streunten Tiere oder Menschen - von uns im Inneren unbemerkt - um unser Fahrzeug herum. Unvergessen ist die Situation, als sich eine Gruppe Islandpferde hinter dem Auto vor dem Wind schützte und wir uns gegenseitig zu Tode erschreckten, als ich nachts mal raus bin. Oder als ich im einsamen isländischen Hochland die Frühstückskrümel aus dem Fenster entsorgte und einem darunter stehenden Glotzaffen auf den Kopf streute. Weitere Fenster würden also nicht nur die Belüftungsmöglichkeiten vervielfachen, sondern auch dem Schutz neugieriger Menschen dienen, die sich nicht mehr unbemerkt annähern könnten. Bei der Firma PaBST gaben wir ein passendes Fenster für den Einbau über dem Heckbett in Auftrag.

Das nicht so glücklich in die Frontschräge platzierte Outbound-Fenster werden wir zurückbauen. Es gelang mir nicht, das sich im 45° schräg stehenden Rahmen aufstauende Regenwasser am Eindringen abzuhalten. Das Problem hatte der Hersteller vorausgesehen und davor gewarnt, aber ich musste die Erfahrung selbst machen. Die Einbaulage hätte eine Dachluke und kein Fenster erfordert. Da der Grundriss ohnehin ein anderer wird und das Bad mit einem raumhohen Schrank den Platz tauscht, hätte aber auch eine Luke dort nicht verbleiben können. Das Outboundfenster werden wir vielleicht woanders wiederverwenden.

Meilensteine

Aus den voranstehenden Überlegungen ergeben sich folgende Meilensteine:

  • Kabine absetzen

  • Dachfenster ausbauen, Ausschnitt mit XPS-Hartschaum-Isolierung auffüllen, Innenwand verschließen

  • Frontschräge mit Auflage aus Aluminium-Riffelblech flächig versiegeln,

  • Eingangstür und Stauraumklappen austauschen

  • ein oder zwei zusätzliche Fenster am Heckbett einbauen

  • Außenwände anschleifen und lackieren

  • Kabine und Fahrgestell wiederverheiraten

Sobald die Kabine abgesetzt ist, kann es losgehen. Vielleicht schaffen wir all das ja über den Sommer 2015. Dann könnten wir 2016 wieder eine Runde drehen...



Kommentare: 1
  • #1

    LuMic (Donnerstag, 16 April 2015 12:22)

    Hallo Christian,
    schöne Bilder, tolle Geschichten, schöner Ansatz und Umsetzung…
    Viel Erfolg bei eueren weiteren Meilensteinen.
    Und viel Spaß beim Einbau der neuen Türe! :-)
    Ich komm dann mal vorbei…!
    LG
    Michael