Wir sind Marke!

Ich weiß noch, wie das alles begann mit dem Bloggen. Wie seinerzeit ein guter Freund von unserem LKW-Projekt erfuhr und mich beschwor, den Umbau zu dokumentieren. Oh, ich wusste was eine Umbaudokumentation ist; nächtelang hatte ich zahllose Internetdokumentationen durchgelesen. Aber dokumentieren, ich? Bilder machen, Texte schreiben? Ich konnte mir nicht vorstellen, neben der Schrauberei ein Tagebuch zu führen geschweige denn sogar noch ansprechend zu gestalten. Die Idee verdrängte ich so schnell wie sie entstanden war. Doch wie das so ist mit guten Ideen, sind sie einmal geäußert, dann setzen sie sich durch und nehmen wie von selbst Gestalt an. Eines Tages formulierte ich ein paar Sätze im Kopf, schrieb sie auf, stellte sie um, feilte hier und da an Formulierungen und da war er dann: Umbaubericht Nummer 1.

Als nächstes stellte sich die Frage: Wohin nun mit dem literarischen Erguss? Ich las Mi den Bericht vor und Mi lachte. Das muss ins Internet, schlug sie vor, am besten dahin wo ich so viele andere Berichte gefunden hatte - in ein Forum. Hmm, dachte ich, der bisher keine Spuren im Internet hinterlassen hatte, meine Texte in das virtuelle Licht der Öffentlichkeit stellen? Der geneigte Leser weiß, wie ich meine Prinzipien über Bord schmiss und die Frage damals entschied.

Später kam auf unserer Islandreise dann die Idee auf, eine eigene Homepage zu gründen. Zuhause erwarteten Freunde, Arbeitskollegen und Verwandte regelmäßige spannende Berichte von unserer Reise über die geheimnisvolle sagenumwobene Insel aus Feuer und Eis. Mit den visuellen Gestaltungsmöglichkeiten meiner Berichte auf der Plattform eines Forums war ich schon länger unzufrieden. Ich wollte nicht länger nur mit Worthülsen um mich werfen, sondern auch mit Bildern Islands großartige Landschaft für die Daheimgebliebenen einfangen. Es gab so viele tolle Reiseblogs ...vielleicht sollte ich auch? Immerhin gehörte die "Umbaudoku Oschi: Steyr 12M18" mittlerweile zu den am häufigsten angeklickten Themen im Forum. Ein Versuch war es also wert.

Voller Tatendrang stürzte ich mich in das Abenteuer Homepage. Um ehrlich zu sein, das klingt dynamischer als es in Wahrheit war, denn zunächst einmal hatte ich keine Ahnung von gar nichts. Dafür hatte ich Zeit. Und mit der Zeit tastete ich mich mangels HTML-Kenntnissen an einen Webbaukasten heran. Schnell versperrte ein weiteres Hindernis den Weg. Ich hatte keine, brauchte aber eine: Domain. Wobei nicht ich, sondern die anderen das Problem waren, denn meine Namensideen waren alle schon besetzt! Tagelang suchten wir vergeblich nach einem Bezug zu unserem Oschi und zum Reisen. Alle Klassiker waren schon vergeben. Irgendwann verfielen wir darauf, unser Heil in einer Fremdsprache zu suchen. Englisch, Französisch, alles gut und schön, aber so richtig seriös klingt es ja erst in Latein. Und so war die Namensgebung der Homepage wahrscheinlich das erste Mal, dass sich die Jahre staubtrockenen Lateinunterrichts bezahlt machten. 'video mundum' steht für 'Ich sehe die Welt': 'video' - ich sehe, und mundum ist im grammatikalisch korrekten Satzbau der Akkusativ von 'mundus' - die Welt. videomundum, da hatten wir es. Und die Domain war sogar noch frei!

Ungezählte Stunden Versuch und Irrtum flossen seither in den Internetauftritt. Ich kann gar nicht sagen, ob mittlerweile mehr Stunden in den Truck oder in den Blog geflossen sind. Aber gehört videomundum deshalb uns? Mit dem Hegen und Pflegen der Homepage nimmt man auch einiges Halbwissen bezüglich der Rechtsprechung rund um das Internet mit. Was wäre wenn? Wenn plötzlich ein Unternehmer seine Waren oder Dienstleistungen unter "unserem" Namen vertreiben wollte? Warum sollte nicht eines Tages ein Produzent oder Dienstleister auf der Matte stehen und den Namen videomundum für sich beanspruchen. Und dann? Dann steckten wir vielleicht mitten in einer juristischen Auseinandersetzung um Markenrecht und Domainrecht, um Abmahnungen oder sogar um Schadenersatz und Unterlassung.

Einen Rechtsstreit wollten wir nicht riskieren und suchten im Internet und beim Juristen Rat. Das Ergebnis: Der deutsche Gesetzgeber steckt für diese Fälle rechtliche Rahmenbedingungen ab. Um seine Leistungen unter dem etablierten Namen zu schützen, muss größeres Geschütz als das (prinzipiell entbehrliche) Copyrightzeichen aufgefahren werden. Der Markenschutz musste her.

Wie und wo man den Markenschutz bekommt, was er kostet und was er bringt, das ist eine sterbenslangweilige Geschichte voller Paragraphen und juristischer Spitzfindigkeiten. Ich erspare Euch die Details. Aber durchgezogen habe ich es und videomundum ist nun als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingetragen. Wir sind Pabst, titulierte die Bildzeitung einst mit Josef Kardinal Ratzinger, und angeleht daran lautet die Schlagzeile für diesen Text: Wir sind Marke! videomundum ist jetzt videomundum®. Ein kleiner aber feiner Unterschied.



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Kommentare: 1
  • #1

    scurra (Freitag, 10 Februar 2017 19:06)

    www.oschi-unterwegs.de ist noch nicht registriert!

    :-)w