Freitragende Einstiegstreppe: Projektplanung

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Versuchsaufbau für eine freitragende Einstiegstreppe zur Wohnkabine

Die Problemstellung

Eine Eingangstreppe oder Leiter ist für den Zugang zum Wohnmobil mindestens komfortabel wenn nicht sogar unentbehrlich. Vor allem für den LKW-Expeditionsmobilisten führt ohne Treppe oft gar kein Weg in den Wohnaufbau. Die Türschwelle unserer Eingangstür liegt ungefähr bei 155 cm über dem Boden. Ohne Treppe gibt es keine Chance, sie zu überschreiten, um den Ort autarker Freiheit zu erreichen.

Bislang behalfen wir uns mit einer abgesägten Stufenklappleiter mit 5 Sprossen. Die oberste und größte Sprosse lag auf dem Gaskasten auf, wodurch mit etwas Übung ein ästhetisches Ein- und Aussteigen möglich war. Aber die Behelfsleiter hat erhebliche Nachteile, die ein Neubau alle wettmachen soll. Außerdem wird der Gaskasten den Tankumbauten zum Opfer fallen.

Lösungen für Einstiegstreppen gibt es fast so viele wie unterschiedliche Expeditionsmobile. Zunächst sahen wir uns deshalb am Markt nach vorhanden Lösungen um. Es gibt tiefgezogene Einstiegstüren (haben wir nicht), unter der Kabine ausziehbare Leitern (bei uns ist dort der Hilfsrahmen im Weg), Anstelltreppen und Falttreppen (wollen wir nicht). Eine Lösung lehnten wir von Beginn an ab: Das Ausklappen der Leiter aus dem Innenraum. Zugegeben, eine im Innenraum aufbewahrte Leiter hat Vorteile bei der Einbruchssicherheit. Andererseits fällt beim Einklappen ins Bad der ganze Dreck hinein und die Leiter ist dort dann auch im Weg.

Eine Lehrstunde in Psychologie

Treppenbau hat, wie uns der Meister zu berichten wusste, viel mit Psychologie zu tun. Befindet sich ein Halt in Reichweite oder schaut man ins Leere? Ob man einer Leiter vertraut oder nicht, ob man ein Geländer braucht oder nicht, ob man sich traut, die Stufen vorwärts herunterzugehen oder nicht, das alles ist Kopfsache. Generell gilt, hinauf ist einfacher als hinab.

Viele Aspekte spielen in die Trittsicherheit hinein, weswegen der Haustreppenbau auch eine durchreglementierte Wissenschaft für sich ist. Haustreppen bauen länger als hoch, d.h. der Treppenwinkel liegt unter 100 % (45 Grad). Der vertikale Stufenabstand beträgt idealerweise 240 mm und die Stufen sind ca. 300 mm tief. Um die Höhendifferenz zu unserer Türschwelle zu überbrücken kommt ein Aufstieg in Haustreppenbauweise jedoch nicht in Frage, wenn wir die Leiter noch von Hand bewegen und am Fahrzeug unterbringen wollen. Ein solcher Aufstieg würde einfach zu raumgreifend und schwer.

Treppe oder Leiter?

Ein an unser Fahrzeug angepasster Kompromiss muss her, nicht nur zwischen Treppe und Leiter, sondern auch zwischen Mi und mir. Jeder Mensch ist unterschiedlich risikobereit, hat eine unterschiedliche Schrittweite und unterschiedliche Laufgewohnheiten. Aus der Erfahrung des Meisters bauten wir deshalb ein flexibel verstellbares Modell aus Siebdruckabschnitten, mit dem wir verschiedene Stufenabstände und Anstellwinkel testen konnten.

Nach den Modellierungsergebnissen wird die Treppe ungefähr 145 cm lang sein und mit vier Stufen auskommen müssen. Mehr Stufen erforderten einen flacheren Anstellwinkel, um das Mehr an Auftrittsfläche nutzen zu können. Dadurch würde die Treppe wieder länger und schwerer - vor allem aber zu lang, um sie noch an der vorgesehenen Stelle am Fahrgestell unterzubringen. Die endgültige Einstiegstreppe muss die nachfolgend aufgeführten Rahmenbedingungen erfüllen.

Die Rahmenbedingungen

Trittsicherheit

Für die Trittsicherheit sind in erster Linie große Stufen hilfreich und in zweiter Linie zählt das Oberflächenprofil. Je nach Beschaffenheit bleibt die Treppe auch bei verdreckten Stufen trittsicher. Allerdings soll sie auch barfuß angenehm benutzbar sein.

freitragende Konstruktion

Die Treppe soll freitragend, d.h. ohne Bodenkontakt, halten. Bodenkontakt ist nur bei ebenem Grund von Vorteil, wenn die Treppe an vier Punkten gleichzeitig aufliegt. Aber ebener Untergrund und Expeditionsmobil...? Im Gelände sinkt die Treppe mal im Boden ein, mal steht sie nicht tief genug (passiert auch beim Parken am Randstein) oder sie steht generell uneben und kippelig, weil sie nur an drei Punkten anliegt. Alle Untergrundprobleme fallen weg, wenn die Treppe keinen Bodenkontakt hat.

werkzeuglose Befestigung

Die Treppe wird mit dem oberen Ende in einer Befestigungskonsole einrasten, die werkzeuglos bedient werden kann. Dort stützt sich die Leiter ab, um die Freitragung zu ermöglichen. Eine weitere Abstützung erfolgt über einen klappbaren Bügel auf halber Länge der Treppe zwischen Trittstufe und Fahrgestell. Dazu arbeiten wir an einer ebenso simplen wie genialen Lösung für bis zu drei Konsolenpaare. Je zwei Konsolen könnten sich nämlich auch unterhalb der beiden Stauraumklappen befinden - für einen bequemen Zugang zum Laderaum per Treppe.

höchste Stabilität bei niedrigstem Gewicht

Eine freitragende Treppe stellt besondere Anforderungen an die Statik, da sie eine enorme Hebelwirkung auf die einseitige Befestigung ausübt. Durch die zusätzliche Abstützung am Fahrzeug auf halber Treppenlänge reduziert sich der Hebel zwar, die Krafteinleitung in die Befestigungskonsole bleibt trotzdem höher als durch das reine Körpergewicht. Zum Treppenbau verwenden wir gekantete Aluminiumprofile, die - miteinander verschraubt - eine sehr hohe Biegesteifigkeit ergeben. Das Material Aluminium hält das Gewicht gleichzeitig sehr niedrig, wir rechnen mit maximal 15 Kg Gesamtmasse. Für eine freitragende Treppe wäre das ein ausgezeichneter Wert.

Treppengeländer

Erst ein Geländer nimmt dem Hinabsteigen einer steilen Treppe den Schrecken und so könnte unsere Einstiegstreppe optional durch ein Geländer ergänzt werden. Perfekt wäre ein Handlauf an der Innenseite der Eingangstür, sofern diese (Tür) oder dieser (Seniorenbügel) bei 90° Öffnungswinkel einrasten würde.



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Kommentare: 1
  • #1

    Detlef B. (Donnerstag, 02 März 2017 12:44)

    Hy, ich bin gerade selber mit der Thematik beschäftigt. Ich möchte die Treppe aber auch von Innen ausfahren wollen, was eine Elekt. Idee erfordert.
    Aber bei dem Beitrag steht was von Stufenhöhe -- 240 mm -- . Ich habe hier mal eben im Hause nachgemessen, die sind nur 180 hoch. Man sollte bedenken, das je höher die Stufen, je höher auch der Auftritt beim Runter gehen. Rauf ist es nicht so dolle, denn da hat man ja auch nicht so viel Schwunggewicht, als wenn man runter geht.