Erweiterung Tankkapazität: Projektplanung

Krafstoffpreise an einer Tankstelle
Krafstoffpreise an einer Tankstelle

Vorüberlegungen

Aktuell kann unser Steyr 12M18 bis zu 360 l Diesel bunkern, aufgeteilt auf zwei Originaltanks mit je 180 l Inhalt. Im Vergleich zu einem PKW ist das eine ganze Menge. Wozu also noch mehr Tankkapazität?

Stellen wir ein paar Berechnungen an:

Der niedrigste mit Oschi je gemessene Verbrauch betrug 16 l / 100 km (Überführungsfahrt 700 km Autobahn, Gewicht 6,5 to, Reifendruck 3,5 bar). Mit 360 l kämen wir also 2.250 km weit. Bei einer so großen Reichweite erübrigen sich größere Tanks. Nun sind die Tanks nicht so gebaut, dass der Diesel in einer Art Sumpf abgepumpt wird. An eine gewisse Restmenge kommt man im Fahrbetrieb gar nicht heran. Aufgrund der Bauform schätze ich die Restmenge auf 20 l je Tank ein. Dann steht nur noch ein Volumen von 320 l zur Verfügung bzw. eine Reichweite von 2.000 km.

Seit der Überführung ist Oschi um- und ausgebaut und schleppt einiges Gewicht mehr mit sich herum. Gewicht kostet Diesel, jeder Beschleunigungsvorgang kostet mehr Energie. Auch ist der Luftwiderstand durch die Kabine etwas höher. Der niedrigste je gemessene Durchschnittsverbrauch seit dem Umbau betrug 19 l (Autobahn Dänemark-Düsseldorf, Reifendruck 6 bar). Die vorhandene Kapazität würde damit für knapp 1.700 km reichen.

Während einer Reise fahren wir Autobahn nur zur Anfahrt ins Zielgebiet. In der Regel fahren wir Landstraßen. Einzelne Etappen sind kurz, der Motor muss häufig warm gefahren werden, die Straßen sind eng und wellig, es gibt Stop-and-Go-Situationen, Fotostopps, Shoppingtouren, etc. Mal regnet es oder es herrscht Gegenwind. Der Durchschnittsverbrauch außerhalb von Offroad-Strecken liegt eher bei 23 l. Die vorhandene Kapazität reicht damit nur noch für etwa 1.400 km.

Oschi ist nicht für die Straße, sondern fürs Gelände gebaut und wir nutzen ihn, um in die Randbereiche der Zivilisation vorzudringen. Offroad sinkt das Tempo, man fährt in kleinen Gängen. Die Anzahl der Motorumdrehungen pro km bestimmt den Verbrauch und der steigt spürbar an. Der Norm-Verbrauch auf Schlaglochpisten liegt bei ca. 28 l. Die volle Tankkapazität reicht noch für gute 1.100 km.

Wir wollen und können mit Oschi dorthin, wo andere Fahrzeuge nicht mehr hinkommen. Sandwüsten, Schlammpassagen, Flussdurchfahrten. Oschi kraxelt auch durch felsige Flussbetten. So viel Kletterfähigkeiten fordern ihren Tribut. Auf schwierigen Sand-Passagen steigt der Verbrauch auf 50-100 Liter pro 100 km an. Die volle Tankkapazität reicht im Extremfall keine 400 km mehr weit.

Folgerung

Die Rechenspielereien zeigen, dass die Reichweite je nach befahrenem Untergrund, Witterungsverhältnissen und Beladung dramatisch schrumpfen kann. Auch wenn Motor-/Getriebe-/Achs-Öle nicht die neuesten sind oder der Reifendruck nicht der höchste ist, nimmt der Rollwiderstand und damit der Dieselverbrauch zu. Wir haben glücklicherweise keine Dieselheizung, die sich noch zusätzlich am vorhandenen Spritvorrat bedient. 360 Liter Diesel sind in abgelegenen Regionen schon eine Einschränkung. Auch wenn vorerst keine Saharadurchquerung ansteht, so kann eine spritraubende Offroadpassage bei halbleeren Tanks zu unerwünschten Änderungen in der Routenplanung führen. 

Nicht immer erreicht man die Zielregion mit randvollen Tanks. Schon sind vor Ort nicht mehr alle Pisten erkundbar, will man für den Rückweg eine Reserve übrig lassen. Die Rechnerei auf den letzten Tropfen Sprit kostet Nerven und das muss nicht sein. Ein größeres Tankvolumen hat auch pekuniäre Vorteile, wenn man günstig tanken kann und dieser billig eingekaufte Vorrat lange anhält. Das alles spricht meines Erachtens dafür, dass größere Tanks die Reichweite in der Reisepraxis entscheidend erhöhen.

Um nur dann tanken zu müssen (oder zu können), wenn es gerade passt, soll die Kapazität verdoppelt werden. Der Platz für größere Tanks muss erst geschaffen werden. Dazu sind am Fahrgestell einige Umbauten geplant.

Planung Fahrerseite

  • Dank der E-Kiste kann das Batteriefach entfallen. An dessen Stelle rückt der Originaltank der Beifahrerseite. Die beiden Originaltanks sitzen dann auf einer Seite.
  • Beide Luftkessel, die unterhalb des Batteriefachs hängen, werden mit einer neuen Trägerkonstruktion in das Rahmenheck verlegt.
  • Mit dem Versetzen der Kessel sind einige Meter Druckluftschläuche zu verlängern bzw. neu zu verlegen. Bislang verliert Oschi selbst über eine wochenlange Standzeit nicht ernsthaft Druck und so soll es auch nach der Änderung am System bleiben.
  • Am Batteriefach sind weitere Baugruppen der hydropneumatischen Bremsanlage montiert: in Fahrtrichtung vorn der Luftkessel zur Regeneration der Trockenpatrone und die Trockenpatrone selbst samt Druckregelventil. Hinter dem Batteriefach die beiden Umsetzer mit ihren Bremsflüssigkeitsbehältern. Beide Baugruppen erhalten eigene Haltekonsolen und verbleiben an ihrem Ort. Der Originaltank passt dazwischen.

Planung Beifahrerseite

  • An die Stelle des Luftfilters rückt ein Abwassertank mit ca. 100-150 Liter Kapazität. Den Abwassertank werden wir aller Voraussicht nach aus Kunststoff fertigen lassen.
  • Das Luftfiltergehäuse soll auf dem Dachträger ein neues Zuhause finden. Das Kabel des Unterdrucksensors, welcher die Verschmutzung des Luftfilters misst, muss verlängert werden. Der abgehende Rohrbogen muss um 180° verdreht werden. Der originale Ansaugschlauch entfällt.
  • Der Ansaugweg verläuft zukünftig vertikal an der Fahrerhausrückwand entlang zu einem neu geschaffenen Loch im kleinen Kotflügel. Den Weg könnte ein rund 1,5 m langes Aluminiumfallrohr überbrücken, das an der Rückwand des Fahrerhauses hält.
  • Vom Kotflügel in das Radhaus übernimmt ein passendes doppeltes "Rohrknie" aus Edelstahl die Umlenkung. Zum Motor hin wird ein neuer Verbindungsschlauch benötigt. Der ursprünglich abgewinkelte Ansaugstutzen vom Turbolader wurde bereits begradigt.
  • Die hydraulische Kipphebelpumpe für das Fahrerhaus wird in das Radhaus auf der Beifahrerseite verlegt. Die gebogenen Hydrauliköl-Leitungen werden gekürzt und/oder durch flexible Panzerschläuche ersetzt.
  • Der bisherige Gaskasten wird den Umbauten zum Opfer fallen. Die Gasflaschen wandern hinter die Räder oder in den Innenraum. Der Originaltank zieht auf die Fahrerseite um.
  • An die Stelle von Originaltank und Gaskasten rückt ein maßgefertigter Dieseltank. Das Fassungsvermögen wird bis zu 400 Liter betragen. Ob der neue Tank aus Stahl, Edelstahl, Aluminium oder gar aus Kunststoff wird, ist derzeit Gegenstand intensiver Recherche.
  • Der Dieseltank soll sich den Platz am Leiterrahmen mit einer Aufhängung für die zukünftige Einstiegstreppe teilen. Bei der Formgebung des Tanks ist das zu berücksichtigen. Entweder wird er schmal genug, um die Einstiegstreppe in einem davor befindlichen Staukasten aufzubewahren (in den Staukasten könnte man zwei Trittstufen als Notaufstieg zur Kabine integrieren). Oder der Tank wird flach genug, um die Treppe darüber zu lagern.
  • Für die Beifahrerseite ist ein (durchgehender?) Unterfahrschutz vorgesehen.

Ungelöste Fragen

Auf eine Reihe weiterführender Fragen fehlen noch Antworten:

  • Wie lösen wir das Problem, den gesamten Tankinhalt anzuzeigen: Brauchen alle drei Tanks einen Geber? Wie schalten wir die auf eine Tankuhr?
  • Soll der dritte Tank an das Dieselnetz angeschlossen werden oder nur zum Umpumpen dienen? Wie wird umgepumpt? Können die beiden Originaltanks zu einem Tank zusammengeschlossen werden?
  • Wieviele Konsolen bzw. welche Auflagefläche braucht ein 400 Liter Tank, vor allem wenn er aus Kunststoff besteht?
  • Wo sollten wir sinnvollerweise einen zusätzlichen beheizbaren Dieselfilter unterbringen?


Kommentar schreiben

Kommentare: 0