Edelstahl-Dachträger/Astabweiser: Zwischenbericht

Edelstahl Dachträger Astabweiser Steyr 12M18
begehrtes Accessoire: Edelstahl-Dachträger für den Steyr 12M18

Die Produktion des Dachträgers ist auf einem guten Weg. Zeit für einen Zwischenbericht.

Konzeption

Bei der Konzeption des Dachgepäckträgers mit integrierten Astabweisern ließen wir uns zwar vom Erscheinungsbild "am Markt" vorhandener Lösungen inspirieren, gingen aber einen eigenen Weg. Materialauswahl, Maße, Dimensionen, Befestigungen und Arbeitsschritte sind Eigenentwicklungen und wurden in enger Zusammenarbeit mit unserer Haus- und Hof-Schlosserei festgelegt. Wir setzten uns ein hohes Ziel: Diesmal wollten wir den Entwicklungsaufwand in ein optisch ansprechenden Prototypen umsetzen, um den Grundstein für eine Wiederholung in Form einer Kleinserie zu legen.

Es gibt am Fahrerhaus kaum eine gerade oder rechtwinklige Fläche, auf die bei der Bemaßung Bezug genommen werden kann. Voraussetzung für eine saubere technische Konstruktion ist deshalb der Bau von Schablonen und Modellen für die maßhaltigen Bauteile. Diese fertigten wir aus Sperrholz an und legten sie dem Fahrzeug auf, um ein Gefühl für die Abmessungen und den Look zu bekommen. So konnten wir austesten, inwieweit die Öffnungswinkel von Dachluke und Türen beschränkt werden.

Zur Wahl des Rohrdurchmessers

Die Wahl des Rohrdurchmessers ist in erster Linie eine nach der Optik. Je großvolumiger die Rohre, umso martialischer der Look. Gerade bei Stahlrohren steigt das Gewicht mit dem Durchmesser aber schnell in schwindelerregende Regionen. Mit allen negativen Folgen für Kippfahrerhäuser: Dämpfer, Führung und Kippstopp.

Eine höhere Stabilität schlägt sich nicht unbegrenzt in mehr Nutzlast nieder, da die Außenhaut des Fahrerhauses nicht beliebig (dynamisch!) belastbar ist. Die mögliche Belastbarkeit ist begrenzt, so dass jedes Mehrgewicht des Trägers die Nutzlast reduziert. Auch das Argument, dass stärkere Rohre größeren Ästen widerstehen, leuchtet mir nicht ein, denn die Befestigungen des Trägers am Fahrerhaus sind die schwächsten Stellen. Bäume lassen sich auch mit 4"-Rohren nicht umschubsen, denn was nützt ein intakter Astabweiser, wenn das Fahrerhaus an den Aufnahmen eingedrückt wird? Schließlich besteht noch die Möglichkeit, dass ein Dachträger mit dickeren Rohren über den Umriss des Fahrzeugs hinausragt, was den TÜV auf den Plan ruft (vgl. §30c Abs. 1 StVZO).

Bauweise

Edelstahl Dachträger Astabweiser Steyr 12M18
Dachträger im Rohbau

Das Grundgestell des Dachträgers und die Astabweiser bestehen aus geschliffenem Edelstahl. Es werden ca. 18 m Rundrohr und ca. 4 m Rechteckrohr verarbeitet. Gelaserte Bleche bilden die Grundlage der vier Befestigungskonsolen am Fahrerhaus und der Klemmung der Sandbleche. Anders als manch andere Konstruktion setzen wir mit unseren Konsolen auf eine großflächige Einleitung der Dachlasten in die Karosserie.

Die großzügige Ladefläche besteht aus Aluminium-Riffelblech. Sie müsste im Bereich der Dachluke minimal ausgeschnitten werden, damit sich diese vollständig öffnen lässt. Die Trägerplatte bildet mit dem umlaufenden Rohrrahmen und den Querträgern eine konstruktive Einheit. Dadurch erhält der Träger eine hohe Stabilität während das Gesamtgewicht niedrig bleibt (eine Abkehr vom Grundsatz "viel hilft viel").

Die Befestigungskonsolen sind mit dem Fahrerhaus verschraubt. Dazu werden sowohl in den Dachholm als auch in die Stirnwand des Fahrerhauses Nietmuttern eingesetzt. Nietmuttern und Schrauben sind aus Edelstahl. Zusätzlich zur Verschraubung werden die Konsolen flächig geklebt.

Zur komfortableren Nutzung wird eine vierstufige Aufstiegsleiter am Dachträger anschließen. Die Leiter stützt sich unten auf dem Kotflügel bzw. auf den drei massiven Haltekonsolen darunter ab. Oben wird die Leiter durch Klemmschellen an der Reling des Dachträgers verschraubt. Sie kann dadurch wahlweise an der Beifahrerseite oder an der Fahrerseite befestigt werden. Die Leiter besteht zu 100% aus Edelstahl.

Alle Einzelteile des Prototypen sind von Hand gefertigt, insbesondere alle Passungen der Rohrverbindungen. Da beim Schweißen von Edelstahl nicht in gleicher Weise wie bei normalem Stahl Material von außen zugeführt werden kann, ist große Sorgfalt bei der Vorbereitung der einzelnen Komponenten nötig. Für eine Serienproduktion müssen einige manuelle Arbeitsschritte zugunsten maschineller Lösungen ersetzt werden, an der Konstruktion würden wir aber im Grundsatz nichts ändern.

Vier Ralley-Scheinwerfer (mit Euro-Zulassung) und der hochgelegte Luftfilter werden den Dachträger abrunden. Die Verkabelung der Scheinwerfer verläuft unsichtbar im Astabweiser.

Maße und Gewichte

Alle Konsolen sind aus 4 mm starken Blechen gefertigt und damit für eine hohe Traglast dimensioniert. Für eine massive Optik sorgen geschliffene Rundrohre (Körnung 240) der Dimension 42,4 x 2 mm. Den Durchmesser wählten wir als Kompromiss zwischen Optik, Eigengewicht und Nutzlast. Die Aluminium-Ladefläche von 2,6 qm (1.300 x 2.000 mm) wird von zwei Querträgern aus 50 x 20 x 2 mm Rechteckrohr ausgesteift. Die Ladefläche ist über 6 mm starke Laschen mit dem Rundrohrrahmen verschraubt. Am Fahrerhaus hält die Konstruktion durch 32 Stück M6-Schrauben und MS Polymerkleber. Ohne Trägerplatte wiegt die Grundkonstruktion ca. 45 Kg. Als Alu-Duett-Warzenblech in 2,5 x 4 mm wiegt die Trägerplatte ca. 22 Kg. Das Gesamtgewicht des Dachträgers beträgt damit rund 70 Kg.

Als mögliche Nutzlast werden 200 Kg Flächenlast angepeilt, so viel wie ein Komplettrad der Größe 14.00 R 20 wiegt. Sobald der Träger durchgeschweißt und die Trägerplatte vollständig montiert sind, wird die Konstruktion einem Belastungstest unterzogen und - falls erforderlich - nachgebessert.

Ausgewählte Arbeitsschritte

Schritt 0

Klärung von Grundsatzfragen, Erscheinungsbild und Materialauswahl (V2A, Rohrlängen-/durchmesser, Schraubentyp/-Durchmesser/-Länge/-anzahl, Klebstoff). Beschaffung der Sandbleche.

Schritt 1

Bau von Sperrholz-Schablonen für die oberen Konsolen des Grundträgers, für die vorderen Halterungen an der Stirnwand und für die Biegevorlage der A-Säulen-Astabweiser.

Schritt 2

Festlegung der Befestigungspunkte, Skizzierung des Übergangs zwischen vorderem und oberem Astabweiser.

Schritt 3

Bestimmung der Breite der Querträger, der Form des Lampen(schutz)bügels und der Positionierung und Konstruktion der Sandblechbefestigung. Gegen Klappern und Verrutschen klemmen die Sandbleche mit den Sicken auf den Querrohren.

Schritt 4

Ablängen der Rohre, manuelle Ausarbeitung der Rohrverbindungen, Biegung der vorderen Astabweiser, Modellierung des Übergangs vorderer zu oberem Astabweiser, Modellierung Lampenbügel.

Schritt 5

Probe-Montage und Heften der Träger-Konstruktion am Fahrerhaus. Heften der Sandblechbefestigungen.

Schritt 6

Bemaßung, Planung und Bau der Aufstiegsleiter.

Schritt 7

Abnahme und Durchschweißen der Gesamtkonstruktion, Belastungstest, Behandeln und Verschleifen der Schweißnähte, Vorbereitung Verkabelung.

Schritt 8

Endmontage mit Verklebung, Montage der Trägerplatte und des Luftfilters.

Schritt 9

Montage der Zusatzscheinwerfer und der Leiter.

Nachlese

Dass unser Konzept aufgeht, bewies ein unfreiwilliger Praxistest. Der Wind blies eine 5 Meter Leiter um, die zwecks Dacharbeiten an der Wohnkabine lehnte. Die Leiter rutschte entlang der Stahlkante der Kabine in Richtung Fahrerhaus, prallte auf den Astabweiser des Dachträgers und glitt daran nach vorne ab, wo sie auf dem Boden aufschlug. Resultat: Kein Kratzer am Fahrerhaus!



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