Optimierung KFZ-Elektrik: It's a long way (Zwischenbericht)

Work in Progress: Modernisierung der KFZ-Elektrik am Steyr 12M18
Work in Progress: Modernisierung der KFZ-Elektrik am Steyr 12M18

Noch immer erstaunt mich die Komplexität mancher Umbauvorhaben in der Praxis. In Gedanken ist es schnell gemacht: Deckel der Sitzbank auf, passende Akkus rein, am Boden befestigen, Plus- und Minus-Kabel neu verlegen, Deckel zu - fertig. Wird man dann wirklich tätig, stellt sich die Umbauaktion als sehr aufwändig dar. An einem Wochenende ist sie kaum zu schaffen, bestimmt nicht beim ersten Versuch. Ein paar Beispiele:

KFZ-Elektrik zerlegen

  • Starterakkus, Verkabelung, Tachokabel, Fremdstart-Steckdose, Hauptschalter im Batteriekasten wegbauen

  • Originalverkabelung aus dem Kabelbaum lösen und nach vorn umlenken

  • wiederzuverwendende Teile (Kabel, Polklemmen, Hauptschalter) reinigen

Fahrerhaus zerlegen

  • Fahrersitz, Gurtschraube und Fußmatte ausbauen

  • Beifahrersitz, Gurtschraube und Fußmatte ausbauen

  • Deckel der Sitzbank demontieren

  • Kühlergrill und Stoßstange demontieren (optional: verklebte Parkwarntafel zerstörungsfrei lösen)

  • Handbremsverkleidung abbauen

Beschaffung (messen, suchen, finden, bestellen)

  • passende Akkus

  • passende Kabelverschraubungen (alt: PG-Verschraubungen)

  • passenden Massesammler (Kupferschraube & Kupfermutter)

  • passende Batteriekabel und andere Stromkabel

  • Nachschub an Farbe

  • Nachschub an Kabelbindern

  • 24 V-Sinus Wechselrichter

  • viele verschiedene passende Edelstahl-Schrauben und Unterlegscheiben

  • passendes Werkzeug (Bits, Schälbohrer, Pinsel, Farbrolle, ...)

  • optional: Gurtschrauben (7/16 UNF Gewinde) wegen Entfall der Gurtpeitschen

Bastelarbeiten

  • Kabelbaum neu befestigen

  • originale Akkubefestigung modifizieren und neue Verankerungspunkte einmessen und schweißen (lassen)

  • Löcher für Verkabelung, Befestigungspunkte und Hauptschalter einmessen, vorbohren, aufbohren und entgraten (in Sitzkiste, Pedalraum und Beifahrerfußraum)

  • 24 V-Lader einmessen und bohren, Durchführung Netzkabel einmessen und vorbohren, aufbohren und entgraten

  • Hauptschalter, Sitzkiste und Bohrlöcher mit Rostschutz versiegeln, streichen und trocknen lassen

  • Kabelverschraubungen dicht verkleben und überlackieren

  • Befestigungspunkte und Hauptschalter montieren (nachlackieren)

  • Akkuverkabelung verlängern, Kabelschuhe crimpen, mit den Kabelverschraubungen neu verlegen, sicher befestigen

  • Tachokabel im Sicherungskasten identifizieren und neu zum Hauptschalter verlegen

  • 24 V-Lader festnieten, Netzkabel durchführen und anschließen

  • Starterakkus einbauen

  • Akkuverkabelung anschließen

  • eigenen Massesammler für B2B, Wechselrichter, Solarstrom, 24 V-Lader basteln, an Trennschalter anschließen (Wenn aus, dann aus!)

  • 24 V-Sinus-Wechselrichter montieren

  • B2B-Lader aus der Wohnkabine ausbauen und in Sitzkiste montieren

  • viele Löcher einmessen, vorbohren, aufbohren, entgraten und nach lackieren

  • viele Kabel ablängen, abisolieren, mit Kabelschuhen versehen, durchführen, befestigen, sichern

  • Löcher der Gurtschrauben verschließen

Fallstricke und Tücken

So strukturiert lässt sich die Arbeit natürlich erst aus der Rückschau darstellen. Wie gesagt, it's a long way. Es gibt ein paar Dinge, die zu bedenken sind.

Für die Befestigung der Starterakkus modifizierten wir die Originalteile. Sie halten im Fahrerhausboden an einer M10-Augenschraube Marke Eigenbau. Die Zugkräfte werden mit sehr großen Edelstahl-Unterlegscheiben verteilt.

Da wir ein Kippfahrerhaus haben, verlaufen die Kabel vom Innenraum zum Fahrgestell alle über die Kippachse und nicht auf kürzestem Weg. Das Fahrerhaus soll kippbar bleiben, ohne erst alle Steckverbindungen lösen zu müssen (Durchstieg und zukünftig LuFi-Anschluss reichen als Hindernisse völlig aus).

Für den Umbau müssen einige Löcher in die Sitzkiste und in die Fußräume von Fahrer und Beifahrer gebohrt werden. Im Pedalraum muss man aufpassen, dass die Kabel nicht mit den durchgetretenen Pedalen kollidieren (war beim Kupplungspedal schieres Glück).

Die Kabel dürfen nicht einfach durch die scharfen Grate im Blech führen. Es bedarf einer das Kabel schützenden Vorrichtung. Sonst besteht die Gefahr, dass die Vibrationen das Kabel durchscheuern und es zu einem verheerenden Kurzschluss und Kabelbrand kommt. Ich verwende wasserdichte Kabelverschraubungen. Alle Durchbrüche sind gebohrt, entgratet, lackiert und mit wasserdichten Kabelverschraubungen dicht verklebt.

Die originalen Batteriekabel sind stärker als 50 qmm, aber dünner als 70 qmm. Die richtige Größe wird irgendetwas zwischendrin sein (60 qmm?). Wir nahmen 70 qmm. Kabeldurchführungen bzw. -verschraubungen müssen den dazu passenden Durchmesser haben.

Aus Kostengründen entschied ich mich zwischen Batterien und Anlasser gegen eine komplette Neuverkabelung und für eine Verlängerung der vorhandenen Kabel. Die Plus- und Minusleitungen vom Anlasser und von den Akkus sind nach dem Umbau unterschiedlich verbunden:

  • Masse: Im Pedalraum steckt eine M10-Kupferschraube, an die von außen das Masseband geschraubt ist (Kupferscheibe, Kupfermutter) und von innen das Minuskabel. Der Kontakt zur Karosserie ist unschädlich, da das Masseband ohnehin an mehreren Stellen mit der Karosserie verbunden ist.

  • Plus: Für eine sauber isolierende und auf große Kontaktflächen ausgelegte Kabelkupplung für große Kabelquerschnitte gibt es wenig Möglichkeiten. Mir wurden zwei empfohlen: ein Quetschverbinder (verzinnter Kupferrohrabschnitt, sog. "Klauke") und eine Schweißkabelkupplung. Die Klauke ist ein Cent-Artikel, zu dessen Verarbeitung eine professionelles Presswerkzeug im Wert von mehreren hundert Euro benötigt wird. Da ein solches Werkzeug für mich außer Reichweite ist, schnitt ich die Klauke ein, um sie mit einer einfchen Crimpzange zu verpressen. Anschließend wurde die Nahtstelle dick isoliert. Es bedurfte mehrerer Versuche, bis ich einen zufriedenstellenden Sicherheitsfaktor erreichte. Ein unbeabsichigtes Lösen der Verbindung mit einem unkontrollierten Massekontakt könnte zu einem schwerwiegenden Schaden oder Unfall des Fahrzeugs führen. Für alle Fälle liegt inzwischen eine Schweißkabelkupplung bereit...

Die dicken, störrischen Kabel gesichert zu verlegen ist nicht ganz einfach. Ich klebte sie schließlich mit MS Polymer in die Ecke zwischen Motortunnel und Fahrerhausboden. Die dünneren Kabel sind mit Einloch-Befestigungsbindern (Link) in der Sitzkiste fixiert.

Für die vielen dicken Kabel muss man die Fußmatten anpassen. Wir ersetzen die geflickten originalen Matten gegen Zuschnitte aus 6mm Vollgummimaterial. Die neuen Matten werden zweiteilig; so können sie leichter entnommen werden, um den Fußraum sauber zu halten.

Das Dauerminus-Kabel der Fahrtenschreiber-Uhr verläuft vom Batteriekasten durch den großen Kabelsammler hinter dem Kühlergrill zum Sicherungskasten. Wenn Du alle Kabelbinder am Kabelsammler durchtrennst, kannst Du von außen vorsichtig daran ziehen, um das richtige Kabel im Sicherungskasten zu identifizieren (braun mit rotem Längsstreifen).

Für den Batteriehauptschalter gilt: Wenn aus, dann aus. Folglich sind all unsere Zusatzgeräte (B2B-Lader, Wechselrichter, 24 V-Lader, Solarstrom) masseseitig über den Nato-Trennschalter mit den Akkus verbunden. Eine eigene 25 qmm Leitung nimmt alle Masseleitungen auf. Übrigens wird auch die Stromversorgung der Uhr des Fahrtenschreibers mit dem Nato-Knochen getrennt. Sicher ist sicher.

Ausblick

Das Fahrerhaus ist noch lange nicht wieder zusammengebaut. Im Gegenteil, inzwischen ist auch noch die Dachkonsole ausgebaut. Für aussagekräftigere Fotos wird es im Moment leider zu früh dunkel. Außerdem fiel mir des Meisters oschigrüne (ausgerechnet!) Baulampe so oft auf den Boden, dass sie frustriert aufgab. Die Bilddokumentation gibt es dann mit dem Abschlussbericht.



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Kommentare: 2
  • #1

    Cervicek Harald (Donnerstag, 19 März 2015 18:30)

    Hallo
    Bin. + fassungslos und in bälde auch Steyr Besitzer. Nach Ford Mondeo Kombi, Transit Bus (mit dem begann das Umbauen), Sprinter womo mit Selbstbauausbaukabine (Katastrophenmercedes) , nun einem 2 Jahre alten 8m Alkoven Riesentransit mit Zwillingsreifen hinten, Victron LIFEPO 560Ah, 1000Wp am Dach und 3 kg Lavamatik mit Waschmaschine ( ich liebe sie) an Bord weiss ich, dass ich mit meinem aktuellen, nicht geländegängigen Fahrzeug nicht dorthin komme, wo ich hinwill. Das alles innerhalb von 3 Jahren.
    Bin seit 2 Jahren Inviditätsrentner aber zum Womo ausbau reichts

  • #2

    videomundum (Donnerstag, 19 März 2015 20:01)

    Wer mich kennt, weiß, ein Waschtrockner im Aufbau ist mein ultimativer Traum ;-). Aber das Auto ist nur das Mittel, nicht der Zweck. Reisen ist das Ziel, und da tut es auch ein Wohnwagen auf der Pritsche. Ob es unser Innenausbau mal mit einem WoWa aufnehmen kann? Man darf gespannt bleiben...