Rückblickend betrachtet

Seit ein paar Wochen sind wir von unserer Auszeit in Island zurück und der Alltag hat uns wieder. Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen wurden freudig begrüßt und ihre Fragen beantwortet. Manche Fragen wurden öfter gestellt, so dass ich unsere Gedanken dazu hier aufgeschrieben habe.

Wie war's?

Wir haben so viel gesehen und erlebt, dass ich die Frage unmöglich mit drei Worten beantworten kann, es sei denn mit: Liest Du Blog!

Hat alles geklappt?

Abgesehen von einer leeren Batterie und dem Malheur mit der Fahrertür, ja. Es gab keine größere Panne. Die robuste und einfache Militärtechnik des Steyrs funktioniert auch nach fast 30 Jahren zuverlässig.

Seid Ihr nur in Island gewesen?

Fast, zuerst ging es ja für zwei Wochen auf die Färöer. Aber hauptsächlich waren wir nur in Island. Die Idee wurde dort geboren. Wir wollten einmal ganz in Ruhe das Land entdecken. Und wir wollten nicht möglichst viel, sondern möglichst wenig in diese Reise packen. Die Option auf einen Abstecher nach Grönland haben wir vor Ort aus praktischen Gründen verworfen.

Was kann man denn fünf Monate lang in Island machen?

Nichts. Man kann dort ganz hervorragend nichts machen. Und das Nichts mit all dem füllen, was sonst viel zu kurz kommt. Davon abgesehen haben wir gut gegessen, viel geschlafen und eine wunderbare Landschaft genossen.

War es nicht zu eng in der Kabine?

Nein, wir fühlten uns darin sehr wohl. Wie heißt es so schön: Neun Quadratmeter zum Schlafen und ein ganzes Land vor der Tür. Tatsächlich fühlen wir uns fast zu wohl in der Kabine. Mitunter verbummelten wir den ganzen Tag drinnen.

Was war der tollste Moment?

Der letzte Arbeitstag vor der Auszeit.

Und der schlimmste Moment?

Der erste Arbeitstag danach. Nein, Quatsch! ;-) Ich bin gern zurückgekommen. Und in Island gab es keine schlimmen Momente, das Land ist einfach nur faszinierend.

Gar keine negativen Erfahrungen?

Einmal kaufte ich zwei Tüten von den falschen Chips. Der Abend war dann gelaufen. Aber sonst war alles gut. Negative Momente gab es nur bei der Vorbereitung der Reise. Es fanden sich schnell skeptische Stimmen mit tausend Gründen, warum unser unsinniges Vorgehen gar nicht klappen könnte. Da habe ich dann aufgehört, gewissen Leuten von unserem Vorhaben zu erzählen.

Was macht Ihr jetzt mit dem Auto?

Waschen und wiederverwenden. Der Truck ist noch für viele weitere Abenteuer gut.

Wird es ein Buch oder einen Diavortrag geben?

Wir werden vielleicht noch einen kleinen Videoclip zusammenschneiden und für Freunde und Verwandte einen Kalender erstellen. Aber ein Buch? Nein. Wir zogen nicht mit dem Ziel los, die Reise zu verwerten. Nicht jeder, der mal ein paar Monate reist, muss meiner Meinung nach ein Buch darüber schreiben. Ein Blog ist natürlich etwas anderes.

Wann geht es wieder los?

Nach dem Urlaub ist zwar vor dem Urlaub, aber nun wird der Truck erst einmal weiter ausgebaut, denn fertig war er bei der Abreise ja nicht.

Hat die Reise Euch verändert?

Die Reise selbst nicht. Die Zeit in Island war toll, aber nur das Resultat einer langen eigenverantwortlichen Vorbereitung. Und die war prägend. Zu Beginn des Projektes hieß es: "Ihr könnt kein LKW-Expeditionsmobil bauen. Ihr wisst nicht, wie das geht. Ihr habt keine Werkstatt, kein Werkzeug, keine Hilfe. Ihr habt nicht einmal ein Auto. Wo wollt Ihr die Zeit hernehmen? Wie wollt Ihr das schaffen?" Ich antwortete "Wir fangen einfach mal an und arbeiten uns Schritt für Schritt voran. Was wir nicht können, das lernen wir. Mit Hindernissen beschäftigen wir uns, wenn sie auftreten." Und während die Skeptiker skeptisch und die Pessimisten pessimistisch blieben, blieben wir am Ball. Wir taten, was wir für richtig hielten und hatten damit Erfolg. Nun sind die skeptischen Stimmen verstummt. Heute heißt es: "Naja, Ihr könnt das ja auch, Ihr habt das Werkzeug, die Erfahrung, die Möglichkeiten und die Kontakte. Und Ihr könnt Euch die Zeit dafür nehmen."

Uns ist nichts in den Schoß gefallen; wir taten, was getan werden musste. Wir wollten es unbedingt und haben es am Ende auch geschafft. Diese positive Erfahrung beflügelt unser Selbstbewusstsein. Auf einmal stehen viele neue Idee im Raum. Ob wir sie umsetzen, ist eine andere Frage. Wir werden aber weiterhin versuchen zu tun, was wir für richtig halten.

Euer Christian aka Oschi

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