Zeit im Überfluss

Wir sind auch deshalb nach Island losgezogen, um endlich mal Zeit im Überfluss zu haben. Was macht man eigentlich mit so viel freier Zeit? Tatsächlich, abgeschottet von den grenzenlosen Möglichkeiten sich zu Hause zu beschäftigen, kommt hier auch mal Langeweile auf. Aber das ist gar keine schlimme Krankheit und auch kein Zeichen von Faulheit oder mangelnder Wichtigkeit. Langeweile ist eine kreative Pause. Wann sonst hat man mal den Kopf völlig frei und kann herausfinden, was man wirklich will?

Die sonnigen Tage verbringen wir mit Spaziergängen am Meer, die Abende am Lagerfeuer. Im Hintergrund rauschen die Wellen und in der Dunkelheit erfreut uns der Anbruch der Nordlicht-Saison. Zu Hause schrieben wir auf eine Wunschliste, was wir hier alles machen wollten. Nicht alles haben wir angepackt, dafür gab es neue Ideen. Die Kreativität sucht sich ein Ventil. Beispielsweise beschäftigt uns der Gedanke, ob wir unser Wissen und die Erfahrung aus dem Kabinenbau nicht ein weiteres Mal anwenden wollen. Obwohl die Bauphase aufgrund des Termindrucks der Fähre mörderisch stressig war, machte die kreative Arbeit doch großen Spaß und das Ergebnis kann sich trotz einiger optischer Mängel sehen lassen. Vielleicht... aber dann ohne Zeitdruck!

Auf was man noch für Ideen kommt, wenn man zu viel Zeit hat, kannst Du unten nachlesen. Denn obwohl es völlig altmodisch und uncool ist, wollte ich immer mal ein Gedicht schreiben und habe das auch getan. Ist aber auch mein letztes ;-)

Islandgedicht

Ein kleiner Kerl fliegt übers Meer,
von ganz weit draußen kommt er her.

Oft eisig grau und kalt und trist,
der Nordatlantik sprüht mit Gischt.

Der Meilen viel´ der Vogel flog,
vom Morgengrau´n bis Abendrot.

Land sucht er seit Tagen schon,
das wär der Mühe rechter Lohn.

Der Kerl ein bunter Vogel ist,
nur selbst gefang´nen Fisch er frisst.

Schwarz und weiß und gelb und rot,
ob ein Clown die Vorlag´ bot?

Doch lustig ist sein Leben nicht,
nach Heimat sehnt der Puffin sich.

Von eisig Land er reden hört,
wo bunte Farb das Aug betört.

Weißer Schnee und blaues Eis
grüne Wies´ und Quellen heiß.

Gespeist aus tief Vulkangestein,
Äonen alt und doch ganz rein.

Auf grünem Buschwerk Blüten stehn,
in lila Farbe weit zu sehn.

Bei Nordlichtern am Himmelszelt,
aus feurig´ Tiefe in die Welt,
Eiland sich aus Fluten hebt,
wo manches Mal der Boden bebt.

Im Sommer, so spricht Vogelwort,
da wohnten alle Puffins dort.

Zu leben sei dort ohne Zank,
im Überfluss wär Speis´ und Trank.

Schutz böten dort hohe Klippen,
den artenreichen Vogelsippen.

Einmal schwarz und einmal hell,
im Flug dahin die Welt zieht schnell.

Endlich, da ist Land in Sicht,
Islands Küste nähert sich.

Wale teilen große Wellen,
verlor'ne Schiff am Fels zerschellen.

Robb und Seelöw´ tummeln sich,
ob noch so kahl der Küstenstrich.

Vulkan, Asche, Berg und Tal,
die Aussicht wechselt manches Mal.

Auf klaren Seen Enten ziehn,
er ruft sie, doch sie wählt ihn.

Der kleine Puffin lässt sich nieder,
findet seinesgleichen wieder.

Am Ziel er angekommen ist,
sich unter Artgenossen mischt.

Und bis zum Winter wird er dann,
für Nachwuchs sorgen, so er kann.

Und eine Liebe ist nicht weit,
es schnäbelt zart im Federkleid.

Nach drollig Balz die Bindung fest,
bald stolz´ Papa, ein Ei im Nest!

Die Zeit verinnt, das Jahr sich neigt,
die kalten Tage nicht mehr weit.

Das Paar sich sputet, Nahrung braucht
der Nachwuchs wächst, dem Nest entkraucht.

Wird er fliegen, die Klippe runter,
der Papa stubst, der Kleine munter.

Fliegen kann er, ´s ist vollbracht,
nur kurze Zeit vor langer Nacht.

Mit letztem warmen Sonnenstrahl,
aufs Meer hinaus in großer Zahl,
die Puffinschar von dannen zieht,
bis keinen mehr das Auge sieht;

Winterzeit zur See verbringen,
ihr die Nahrung abzuringen.

Im Frühling dann, seit Alters her,
die Heimat suchend übers Meer,
ein kleiner Puffin zappelnd fliegt,
bis Island er zu sehen kriegt.



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Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Donnerstag, 18 Dezember 2014 15:46)

    sehr geil, dass Gedicht.