Die F910 von der Askja ins Nýidalur

Den Einstieg zur F910 wählen wir über die F88, die Überschwemmungen sind kein Problem mehr. Bis zur Askja geht es schnell voran. Hinter der Askja sind die ersten Kilometer auf der F910 hart, dann folgt eine wunderbare Sandstrecke entlang des Dyngjuvatn. Die Sandwüste erstreckt sich bis zum Horizont und wird von den Parkrangern mit Argusaugen bewacht. Nach der Sandwüste folgen die verschiedensten Lava-, Fels- und Steinfelder. Überwiegend im Schritttempo genießen wir - vermutlich zum letzten Mal - die einmalig schöne und groteske Vulkanlandschaft.

Es gibt keinen Autoverkehr auf der Strecke, dafür liefern wir uns einen ganzen Tag lang ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit drei Radfahrern aus Italien. An den Furten können wir sie abschütteln, doch währen wir Pause machen übernehmen sie wieder die Führung. Es ist ein Nervenkrieg und abends haben wir sie zermürbt. Völlig platt von der Kälte und dem starken Gegenwind erreichen sie unseren Übernachtungsplatz. Als sie an die Tür klopfen, will ich sie zuerst abweisen ("You remember Soccer Worldcup 2006?"). Aber über den Scherz hätten sie vermutlich nicht mehr gelacht. Mit heißem Tee und Marmeladenbroten päppelt die Chefin sie wieder auf.

Zugegeben, dieses anstrengende Teilstück der F910 ist nur etwas für Hartgesottene. Aber sie ist auch eine der eindrucksvollsten Pisten. In diesem Jahr wurde sie als letzte aller Hochlandpisten freigegeben - und inzwischen ist sie auch schon wieder gesperrt.* Nur für ein kurzes Zeitfenster war sie passierbar und es hat sich gelohnt. Auch das Wetter war uns hold. Fast eine Woche lang ließen wir uns für diese Strecke Zeit.

Etwas paranoid muten unsere Begnungen mit der Parkaufsicht an. Ab der Askja folgte uns ein Parkranger-Fahrzeug mit großem Abstand. Auf der einspurigen Sandpiste kam uns ein MAN-Expeditionsmobil entgegen. Vor einigen Wochen lernten wir von einer Parkrangerin, dass nun einer bis zu einer markierten Ausweichbucht zurückzufahren hätte. Da es die im Hochland nur selten gibt, tut das in der Praxis natürlich keiner. Wir blieben in der Spur, der MAN wich freundlicherweise in den frischen Sand aus. Prompt waren die Ranger da. Während sie sich mit dem MAN-Chauffeur unterhielten, fuhren wir weiter. Etwas später waren die Ranger wieder hinter uns. Fuhr ich schneller, gaben sie Gas, fuhr ich langsamer, blieben sie auf Abstand. Irgendwann hatten sie von meiner Schleichfahrt genug und zogen an uns vorbei - offroad im frischen Sand. Wenn wir nun neuralgische Punkte wie Wegsperrungen und Schlammpassagen passierten, sahen wir sie vor uns halten. Erst nach etwa einer Stunde verloren wir sie aus den Augen.

Vielleicht haben wir schon Verfolgungswahn und bildeten uns das Katz-und-Maus-Spiel nur ein. Dann war das Flugzeug, das am nächsten Tag Kreise um uns flog, auch nur Zufall. Oder die Situation, als uns Parkranger auf der F26 folgten und an einer Furt überholten. An der Weggabelung dahinter hielten sie an. Wollten sie wissen, wo wir entlang fahren würden? Ich parkte vor der Furt, wir guckten sie an, sie guckten uns an. Nach zehn Minuten fuhren sie wieder zurück Richtung Nýidalur. Als sie hinter dem Horizont verschwanden, setzten wir unseren Weg fort. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir im Hochland unter Beobachtung standen.

Um es klarzustellen: Auch wir finden, dass Offroad-Fahren in Island ein sanktionswürdiger Frevel an der Natur ist. Neben der F910 an der Asjka z.B. verliefen sieben einzelne frische Motorradspuren im Sand, die wohl den sieben Motorradfahrern zuzuordnen waren, die uns eingangs der Piste neben derselben entgegen kamen (scheinbar unbehelligt von den uns folgenden Parkrangern).

Es gibt schwarze Schafe und Ahnungslose, klar. Aber wie praxisfremd die Parkranger teilweise Verstöße definieren und einseitig bei Touristen suchen ist schon grenzwertig. So rechnet ein isländischer Anbieter von Offroadtouren (ausgerechnet!) 99% der Offroadvergehen den Touristen zu. Man möchte laut aufschreien: Schon mal Isländer im Hochland beobachtet? Und die Quadspuren? Wieviele Touristen reisen wohl mit Quads ins Hochland?

Das eigentliche Problem: Eine amtliche Definition von Offroad oder ein amtlicher Bussgeldkatalog steht Touristen nicht zur Verfügung! Aufklärung Fehlanzeige. Parkranger scheinen sich lieber auf die Lauer zu legen als Zweifelsfälle präventiv zu bekämpfen. Ginge es wirklich um die Umwelt, könnten Barrieren und eindeutige Hinweisschilder mehr bewirken.

* Nachtrag: Die Streckensperrungen sind durch die Zunahme von Erdbeben in der Region begründet. Es könnte ein Ausbruch des Vulkans Bárðarbunga bevorstehen.



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