Island mit dem LKW-Expeditionsmobil

Mit einem LKW-Expeditionsmobil ist Reisen anders. Wir erleben mehr Freiheit auf der einen aber auch mehr Einschränkungen auf der anderen Seite. Eine Bestandsaufnahme.

Frei macht so ein Fahrzeug vor allem dort, wo wildes Campen nicht auf behördlichen Widerstand trifft. Sonst wird es herausfordernd, für einen LKW einen schönen, praktischen, legalen, uneinsehbaren und romantischen Stellplatz zu finden. Frei sind wir auch in der Routenplanung. Die perfekt ausgestalteten touristischen Hotspots lassen wir links liegen und suchen stattdessen die einsamsten Gegenden auf. Neue Möglichkeiten stehen uns offen. Kaum eine Piste bliebt uns verwehrt, kaum eine Furt kann uns stoppen. An schönen Orten bleiben wir so lange wie wir wollen. Überall fahren wir mit dem großen Auto natürlich trotzdem nicht hin. Für einige Wege ist das Auto einfach zu groß. Und an manchen Plätzen, wo wir für die Nacht einen PKW einfach geparkt hätten, würden wir nun zu sehr auffallen.

Mit einer komfortablen Wohnkabine huckepack ändert sich die Lebensweise. Dank Kühlschrank, Wassertanks und Solarenergie können wir es bequem mehrere Tage bis Wochen autark in der Wildnis aushalten. Unterwegs kommt man mit erstaunlich wenig aus. Es fehlt nichts, im Gegenteil, der Lebensraum in der Kabine reicht für uns beide locker aus. Wenn Wanderer mit großen Rucksäcken oder Radler mit Satteltaschen sich durch Sturm und Regen kämpfen, dann beglückwünschen wir uns zum warmen und trockenen mobilen Zuhause. Dafür feiern die echten Outdoorcracks erleichtert jeden Sonnenstrahl. Gegenüber früheren Islandreisen halten wir uns jetzt mehr drinnen auf. Inwieweit das am wechselhaften Wetter liegt, müssen wir unbedingt mal auf einer Afrika-Reise herausfinden...

Einige Kosten sind beim LKW-Reisen höher als beim PKW-Urlaub, z.B. die Kosten für Kraftstoff und Fahrzeugverschiffung. Folglich fahren wir weniger, zum Teil auch aus Bequemlichkeit. Das raumgreifende Manövrieren ist mühsam, es braucht viel Sorgfalt und mehr Zeit. Beschleunigen, Bremsen, Wenden - während das mit dem PKW mal eben gemacht ist, sind solche Vorgänge beim LKW schon ein Erlebnis. Fahren wird zum arbeitsteiligen Prozess: einer navigiert, einer chauffiert. Für Kosten und Mühe entschädigt der unbeschreibliche Spaß am Fahren. Lauter Motor, brachiale Heizung, harte Federung? Für uns kein Bug, sondern ein Feature.

Natürlich haben wir das LKW-Reisen nicht erfunden und wir sind auch nicht die einzigen LKW-Reisenden hier. Wir treffen Franzosen, Deutsche, Schweizer und Isländer mit LKW-Expeditionsmobilen und tauschen Erfahrungen und Geschichten aus. Es ist immer wieder inspirierend, andere Fahrzeuge und deren Besitzer kennenzulernen.



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