Superjeeps

Isländer sind Autonarren. Aber bei ihnen sind keine Luxuslimousinen oder Sportwagen angesagt, nein, ein Superjeep muss es sein. Riesige Reifen (Freudengummis genannt), superbreite Kotflügel, Suchscheinwerfer, Berge-Ausrüstung am Heckträger und ein Wald Funkantennen auf dem Dach, das macht ein Auto für Isländer attraktiv. Kaum verwunderlich, dass die Isländer umgekehrt von unseren großen Rädern angetan sind. So kommen wir meist schnell ins Gespräch.

Die Ballonreifen sind im Gelände unschlagbar: schnell und komfortabel. Die extrem breiten Walzen der Superjeeps werden mit sehr niedrigem Luftdruck (weit unter 1 bar) gefahren. Das Fahrzeuggewicht im Verhältnis zur Aufstandsfläche der Reifen ergibt einen sehr geringen Bodendruck. Reifenschäden sind kaum zu erwarten. Die Fahrzeuge gleiten einfach über Schlaglöcher, Auswaschungen, Steine und Schnee hinweg. Sogar auf Gletscher können die Superjeeps fahren. Moment, war Offraod-Fahren nicht verboten? Bei Thörsmörk klärt mich ein Veranstalter auf: Verboten sei nur Offroad auf Gelände, wer auf Schnee fährt, fährt ja nicht auf dem Gelände. Ah ja ...

Klar, möchte man meinen, es gibt ja keine Straßen, da braucht der Isländer natürlich so ein Allradfahrzeug. Wie sonst soll der Bauer zu seinen frei lebenden Schafen kommen (oder der Hauptstädter zu seinem Sommerhäuschen mitten im Naturschutzgebiet)? Aber erstens gibt es rund um die Insel genug Straßen und mit der F35 sogar eine Hochlandpiste, die für normale PKW fahrbar ist. Und zweitens ist nicht jeder Isländer Nebenerwerbslandwirt und hütet Schafe im Hochland.

Wirklich benötigt wird ein geländegängiges Fahrzeug eigentlich nur von Rettungsdiensten wie der Bergwacht und für die mit einem "F" beginnenden Pisten oder die namenlosen Nebenstrecken. So sind viele der hochgerüsteten Fahrzeuge in Küstenregionen reine Spaßmacher, bei denen oft kein Körnchen Dreck den glänzenden Metalliclack trübt. Natürlich steht den Autonarren der Spaß am Fahren ins Gesicht geschrieben. Weil die Umbauten teuer sind, kann man als Tourist davon profitieren. Allerorts werden sog. "Superjeeptouren" angeboten. Für umgerechnet ca. 100 EUR pro Person und Stunde wird man abseits der Asphaltstraßen herumkutschiert.

Von den Superjeeps geht eine eigenartige Faszination aus. Die großen Reifen brauchen Platz, so sind Höherlegungen bis mehrere Dezimeter anzutreffen. Der martialische Look gefällt. Und er zeugt von großer Kreativität. Wir haben noch kein 4x4-Fabrikat einer Automarke gesehen, das hier nicht umgebaut worden wäre. Am häufigsten sehen wir Dodge RAM, Ford F-Series, Nissan Patrol und Toyata LandCruiser bzw. Hilux. Ein Klassiker sind die Land Rover. Auch viele US-Vans sind umgebaut, zum Teil als Dreiachser. Von Mercedes sehen wir umgebaute Sprinter, G- und M-Modelle.



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