Wintersport mit dem Steyr

Von Landmannalaugar aus führen einige namenlose Pisten in den Süden, einer davon folgen wir in die Berge. Eine gute Gelegenheit, die Steigfähigkeit des Steyrs zu testen. Drei Tage in den Bergen mit viel Schnee - das sind Zutaten für gute Geschichten am Lagerfeuer.

Der Aufstieg

Über viele abenteuerliche Kilometer windet sich ein Rest von Piste in die Berge. Dann verlegt ein Schneefeld den Weg. Wir übernachten vor dem Feld, denn schon am Snaefellsjökull scheiterten wir an der Kombination Schnee und Steigung.

Ein Schneefeld

Neuer Tag, altes Spiel. Der Schnee ist matschig. Ich fahre an und bleibe gleich stecken. Trotz aller Sperren drehen die Räder durch. Ein isländischer Superjeep mit Anhänger naht. Kommt er durch? Der Fahrer gibt Gas ... und bleibt stecken. So viel können wir also nicht falsch machen. Der Fahrer lässt das Gespann ein Stück zurück rollen, nimmt Anlauf und holpert mit jaulendem Motor über den Schneematsch den Hang hinauf. Unser Ergeiz ist geweckt, durch dieses Schneefeld werden auch wir fahren.

Eine Stunde lang graben wir zwei bodentiefe Spuren in den Schnee. Eiskaltes Schmelzwasser läuft durch die freigeschaufelte Fahrrinne und über unsere Füße. Ein neuer Versuch: Matsch fliegt in alle Richtungen aber Oschi beisst sich durch.

Noch ein Schneefeld

Wir sind wieder im Spiel. Aber nach ein paar hundert Metern treffen wir in einer Senke auf das nächste Schneefeld. Waren wir uns beim letzten sicher, dass der Schnee nicht unterhöhlt ist, sehen wir nun Höhlen, Risse und Bäche unter dem Schnee verlaufen. Brechen wir hier ein, dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Selbst wenn wir es durch die Senke schafften, die Schräglage am gegenüberliegenden vereisten Hang könnten wir nicht fahren. Hier endet die Piste für uns. Dennoch hat sich der Ausflug gelohnt. Dampf steigt hinter den nahegelegenen Hügeln auf und wir finden ein kleines Geothermalgebiet.

Mit flauem Gefühl im Bauch machen wir uns an den Rückweg, wohlwissend, was uns erwartet. Als starker Regen und Hagel einsetzen, entscheiden wir uns für eine weitere Nacht in der Höhe. Später belohnt uns ein fantastischer Sonnenuntergang.

Noch mehr Schnee

Der nächste Tag beginnt, es geht weiter abwärts. Die Perspektive hat ihren eigenen Reiz. Unten lockt eine nicht nummerierte Verbindung zur F210. Vorbei am Vulkan Hekla geht es erneut in die Berge, über eine Hochebene, durch ein Lavafeld - zu Schneefeld Nummer drei.

Der Schnee ist pappig-fest und könnte uns tragen. Wir wissen nur nicht wie dick die Schneedecke wirklich ist. Um die Aufstandsfläche zu vergrößern, lassen wir Luft aus den Reifen. Dann rollen wir mit allen Sperren langsam auf den Schnee. Die Oberfläche trägt. Es klappt noch zwei weitere Male, dann fahren wir uns zwei Meter vor dem Ende fest. Sofort gehe ich vom Gas, denn neun Tonnen dürfen sich nicht eingraben. Mit etwas Vulkanasche streuen wir die Fahrspur aus. Der Plan geht auf, mindestens ein Rad findet Grip und zieht den Truck auf festen Boden.

Finale

Die Gegend südwestlich von Landmannalaugar wird völlig unterschätzt, die Aussicht ist grandios, die Pisten sind anspruchsvoll. Gerade als wir uns "über den Berg" wähnen, entdecken wir Schneefeld Nummer acht. Es ist die denkbar schlechteste Konstellation: In einer Steigung ist der Weg zur Hälfte vom Schnee verschüttet. Zweifache Schräglage! Wir wagen es. Als die Hinterachse den Schnee erreicht, drehen die Räder durch und das Heck rutscht zum Tal ab. Ups, wir stehen schräg auf der schmalen Piste. Um das Auto neu auszurichten, muss ich rückwärts fahren und dabei vorn über den unbefestigten Rand lenken. Als das linke Vorderrad auf der Kante steht, beginnt der Hang zu rutschen. Doch der Punkt ist schnell überwunden und der Steyr findet sicheren Halt.

Drei Stunden lang graben wir anschließend eine Fahrrinne in den Schneehaufen, 25 Meter lang und tief genug, damit die rechten Räder darin wie in einer Schiene laufen. In die Spur streuen wir Split. Hinter Oschi stoppt eine dreiköpfige Familie aus Moskau. Sie packen mit an, schnell sind die letzten Meter gestreut. Mit Einweisung von außen finde ich die Spur. Der Steyr rutscht, aber die Rille hält - wir kommen durch.

Die russische Familie ist vor einigen Stunden hier herunter gefahren und nun auf dem Rückweg. Ob denn noch mehr Schnee kommt, wollen wir wissen. Nein, antworten sie. Wir verabschieden uns herzlich und lassen ihnen den Vortritt. Wenige Kilometer später treffen wir die freundlichen Russen wieder. Sie stecken fest - in einem Schneefeld!? Wir fragen nochmal nach bezüglich des Schneefeldes. Ach das, ja, das hätten sie ganz vergessen.

Vor uns liegt wieder die fatale Kombination aus Schnee und Steigung. Auf der anderen Seite erscheint überraschend ein Servicewagen. Oschi zieht den Wagen der Russen rückwärts aus dem Schnee. Der Techniker setzt sich hinters Steuer, nimmt Anlauf und jagt den Wagen erfolgreich auf die andere Seite. Zum zweiten Mal sehen wir diese interessante Fahrtechnik und wagen auch einen Versuch. Doch der scheitert. Im letzen Drittel springt der Steyr und bricht durch die Oberfläche. Dadurch schiebt er eine Welle vor sich auf, die ihn schließlich ausbremst. Zum Glück findet er problemlos rückwärts hinaus. Unseren nächsten Versuch machen wir nach bewährter Methode. Alle Sperren, Untersetzung und ganz behutsam. Wieder klappt es.

Epilog

Der Techniker erzählt von einem letzten Schneefeld auf dem Weg. Auch das überwinden wir noch an diesem Tag. Der Steyr fährt also auch über Wasser - zumindest, wenn es gefroren ist.



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