Kein Mensch hat so viel Pech - Teil I

Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was mir alles schon passiert ist. Eine richtig dicke Schwarte würde das. Ich schaffe es immer irgendwie, mich zu verletzten oder etwas kaputt zu machen oder etwas zu verlieren. Wenn ich nach Hause komme, heißt es nicht "Wie war Dein Tag?", sondern "Was hast Du heute angestellt?". Heute habe ich den gleichen Fehler sogar zweimal gemacht. Als ob ich nix daraus lernen würde. Mein Umfeld nimmt es zum Glück mit Humor. Aber der Reihe nach.

Anfahrt nach Landmannalaugar. Wir sind auf nicht nummerierten Tracks unterwegs. Zeit für eine Mittagspause mit Fotoshooting. Während sie sich um die Befriedigung der Nahrungsmittel-Grundbedürfnisse kümmert, folge ich dem Ruf der Muse (vulgo: bin mit der Knipse draußen).

Auf den Bergen rund ums Auto suche ich eine interessante Perspektive. Oben auf dem Berggrat geht ordentlich Wind. Die Fototasche zwischen die Knie geklemmt, suche ich einen guten Bildausschnitt. Da reißt mir der Wind die Tasche weg. Sie rollt den Abhang hinunter und verstreut dabei ihren Inhalt. Vier Teile sind es insgesamt, jedes fliegt in eine andere Richtung. Ich kann mir nur zwei davon merken und komme geknickt zum Auto zurück. "Hast Du was angestellt?" "Hmpf. Hab das Stromkabel und die Objektivkappe verloren." "Lass uns nachher zusammen suchen gehen".

Nach dem Essen geht es los. Beim Anziehen der Jacke bohre ich mir den rechten Zeigefinger ins Auge. Heulend weise ich den Weg. Um es abzukürzen, wir haben beide Teile wiedergefunden.

Wenig später sind wir am Kratersee Hnausarpollur. Für eine gute Weitwinkelaufnahme folgen wir dem Wanderpfad auf den Rand des Kraters Hnausar. Ganz schön hoch, ganz schön steil, ganz schön mühsam, ganz schön windig. Auf dem Grat angekommen suche ich einen guten Bildausschnitt, die Fototasche habe ich zwischen die Knie geklemmt.

Man ahnt es schon, der Objektivdeckel findet einen Weg aus der Tasche. Er rollt den steilen Hang zum See hinunter. Auf einem Felszacken, der aus dem Hang ragt, bleibt er liegen. An der alleräußersten Kante, bevor es zig Meter in die Tiefe geht.

Vielleicht sollten wir uns trennen, der Objektivdeckel und ich... Stattdessen robbe ich vorsichtig auf den Felszacken zu. Zentimeter um Zentimeter. Der Hang besteht aus locker liegender Vulkanasche und entwickelt ein wenig Eigendynamik. Mit ganz schön Muffensausen bekomme ich den Flüchtling zu fassen und robbe wieder zurück. Puuuh.



Kommentare: 1
  • #1

    Detlef Seidelmann (Dienstag, 08 Juli 2014 17:02)

    Mein Gott, Christian - nähe/klebe dir ein paar Klettpads auf deine Klamotten und die Rückseiten deiner "Lieblingsteile" und pappe sie bei Gebrauch dort fest. Bist doch sonst so'n Fuchs. Tolle Geschichte - habe sehr gelacht. Liebe Grüße, Detlef