Eingang zur Unterwelt

Schwefelgeruch steigt in die Nase, Schlammlöcher brodeln, der Boden kocht. Fauchend spucken Solfatare übel riechende Gase aus. Nebelschwaden ziehen vorüber. Ist dies der Eingang zur Unterwelt, wie ihn die berühmte altnordische Heldenliedsammlung Edda beschreibt?

Bei strahlendem Sonnenschein bleibt die Mystik zwar auf der Strecke, Islands Geothermalgebiete sind dennoch faszinierend. Wir besuchen erneut die an der Kjölur-Route gelegenen Geothermalgebiete Hveravellir und Kerlingafjöll.

Das Hveradalir im Kerlingafjöll ist besonders spannend, denn nichts ist abgesperrt oder eingezäunt. Man kommt ganz nah heran, auf eigene Gefahr natürlich. Obwohl hier ewig kein Vulkanausbruch mehr statt fand, ist der Vulkanismus mit allen Sinnen spürbar. Der Boden ist immer noch heiß. Nur wenige Zentimeter tief unter der Oberfläche herrschen Temperaturen über 100 °C. Der dichte Lehmboden isoliert die Hitze längst vergangener Naturkatastrophen. Die bunte Erde schwitzt Mineralien aus. Dunkle Spalten mahnen zur Vorsicht, wohin man tritt. Überall brodelt Schlamm oder klares Wasser. Mancher Bachlauf, der sich durch die Hänge gräbt, führt warmes Wasser.

2010 sahen wir hier die Hand vor Augen nicht. Zu später Stunde tasteten wir uns alleine durch dichten kalten Nebel voran. Große Schlammbrocken hefteten sich an unsere Wanderstiefel. Im Tal fanden wir überraschend ein Badeparadies, konnten es damals aber nicht nutzen. Heute sind wir besser vorbereitet. Mit Badehose und Gummistiefeln ausgerüstet steigen wir bei strahlendem Sonnenschein hinunter. Doch die Naturschwimmbecken sind weg, der Flußlauf ist verändert. So ist Islands Natur eben, Schmelzwasserfluten und Vulkanausbrüche verändern die Landschaft immer wieder. Gut, daß wir in Hveravellir schon einen Badestopp eingelegt hatten.



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