Wo ist eigentlich die Straße hin?

Nicht dass wir eine Straße bräuchten, aber Island ist nicht der wilde Westen. Die Behörden sehen es lieber, wenn man auf dem Weg bleibt. Am Polarkreis ist die Natur fragil, denn die Pflanzen wachsen in der kurzen Saison nur sehr langsam. Flurschäden durch Allradfahrzeuge, die offroad durch wiederergrünte Lavafelder pflügen, werfen die Natur um Jahrzehnte zurück. Die Strafen für Zuwiderhandlungen sind hoch und das unserer Meinung nach zu Recht.

Bei Akureyri warten wir darauf, daß die Pisten ins zentrale Hochland geöffnet werden. Doch die Internetstraßenkarte Vegagerdin der isländischen Verkehrsbehörde zeigt seit Wochen kaum Veränderung. Der Winter war hart und lang, es liegt noch ungewöhnlich viel Schnee. Die Tagestemperaturen erreichen erstmals 20°C und die Schneeschmelze ist in vollem Gange. Der Boden ist mit Wasser vollgesogen und würde unter dem Gewicht der Fahrzeuge Schaden nehmen. Dies ist der Hauptgrund für die anhaltende Sperrung der Hochland-Pisten.

Wir planen, die Aufhebung der Sperrung vor Ort auszusitzen und fahren in Richtung F821. Auf dem Weg zieren tiefe Auswaschungen die Schotterpiste. Als wir einen kleinen Damm überqueren müssen, wird es eng. Nur in der Mitte ist ein Stück Weg stehen geblieben. Mit Einweisung von außen kann ich das verbliebene Stück zwischen die Räder nehmen, ohne mit den Differentialen aufzusitzen oder das Auto den Abhang hinunterzukippen. Kurz darauf ist Ende im Gelände. Eine Kette versperrt den Weg: Lokad - Geschlossen. Die nächsten paar hundert Meter stehen unter Wasser. Bei einer Wattiefe von über einem Meter wäre das für unser Fahrzeug zwar kein Problem, aber eine gesperrte Piste zu befahren kann richtig teuer werden. Eine Reiterin, die uns begegnet, macht uns keine Hoffnung. Bei so viel Schnee sei erst im Juli mit einer Öffnung zu rechnen. Wir nehmen es gelassen, die Zeit ist mit uns.



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