Ein Steyr kommt auch bei Isländern gut an

Hinter den Hügeln von Blönduós suchen wir einen Stellplatz. An den letzten Höfen führt eine Traktorspur vorbei. Viehgatter sind vor uns zu öffnen und hinter uns wieder zu schließen. Bald ist da nur noch weite Steppe. Am Horizont tummelt sich eine Herde Islandpferde.

Wir nähern uns langsam, halten an, steigen aus. Je näher wir kommen, umso neugieriger werden sie. Die Kontaktaufnahme ist behutsam. Isländer sind vorsichtig aber nicht ängstlich. Die wunderschönen Pferde leben hier halbwild. Die riesigen landwirtschaftlich nicht nutzbaren Flächen sind ihr freier Lebensraum. Zäune scheinen eher Straßen und Orte auszugrenzen als den Lebensraum der Pferde einzuengen. Wie sehr diese stolzen und edlen Tiere das halbwilde Leben genießen, sieht man ihnen an. Ihr Herdenverhalten ist natürlich, ihr kraftvoller Lauf strahlt ungebändigte Lebensfreude aus.

Die Herde ist gemischt. Das Alphamännchen sondiert uns zuerst, dann nähern sich die anderen. Der Hengst sucht uns ganz unverblümt nach Leckerli ab, während die Herdenmitglieder warten, bis sie an der Reihe sind. Schließlich sind wir von zehn Isländern umringt. Ich bin berührt. Noch nie stand ich inmitten frei lebender Pferde und werde von ihnen nicht als Gefahr oder Störenfried wahrgenommen. Respektvoll teilen wir Streicheleinheiten aus. Als der Herdenführer merkt, dass es bei uns nichts zu holen gibt, wendet er sich unserem Steyr zu. Und ich kann es kaum glauben, der Hengst fängt an, den Lack von der Stoßstange abzunagen. Als ich ihn sanft abdränge, wendet er sich der Wiese zu und fällt in einen anmutigen Galopp. Der Rest der Herde folgt ihm. Unter dem dumpfen Donnern der Hufe bebt der weiche Boden.



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