Licht und Schatten in Thórsmörk

Das Tal Thórsmörk ist bei Isländern ein beliebtes Ausflugsziel, sowohl für 4x4-Fans als auch für Schüler und Studenten zu Beginn der Sommerferien. Die isländische Version von Springbreak also. Bevor die Sommerferien anbrechen, wollen wir noch ein ungestörtes Wochenende in Thórsmörk verbringen.

Auf der steinigen und fuhrtenreichen Piste jagen isländische Superjeeps auf fast gänzlich platten Reifen an uns vorbei. Wir sind deutlich langsamer unterwegs. Jedes unserer Räder trägt allein soviel Last wie ein Superjeep wiegt. Selbst durch starkes Luftablassen könnten wir den Komfort von Ballonreifen nicht erreichen, da unsere Reifen ein Vielfaches stabiler sind. Wir würden höchstens die Reifenflanken gefährden, ein Risiko, das man eigentlich nur in weichem Sand eingeht.

Thórsmörk ist eine grandiose Bühne für Islands Natur. Formen und Farben bieten ein beeindruckendes Schauspiel. Durch das langgezogene Tal fließt in einem breiten schwarzen Geröllbett der Gletscherabfluss vom Myrdallsjökull. Die Berghänge, welche das Tal einrahmen, faszinieren durch schroff gezackte Grate und Schluchten. Manche sind grün, manche kahl. Oft erscheint die Grenze zwischen Bewuchs und nacktem Grund wie mit dem Lineal gezogen. Die kargen Hügel schillern in unterschiedlichen Erdtönen, je nachdem welches Gestein gerade dominiert.

Eine ganz besondere Atmosphäre erhält Islands Landschaft aber erst bei wechselhaftem Wetter. Wenn die Sonne ihre Strahlen durch vereinzelte Löcher in der Wolkendecke schickt, gleiten helle Flecken über die dunklen Hügel. Und einem Suchscheinwerfer gleich schälen die Sonnenstrahlen leuchtende Farben aus düsteren Schatten heraus.

Unsere Illusion von romantischer Einsamkeit zerplatzt am nächsten Morgen, als zwei Hochlandbusse, vollbesetzt mit Tagestouristen, hinter uns ihren Wendepunkt erreichen. Unser Stellplatz liegt am Beginn/Ende des 25 km langen Höhenwanderwegs von/nach Skogar.

Später zieht es uns zu Fuß hinauf in die Berge. Wir erkunden die ersten (oder letzten, je nachdem, welche Richtung man wählt) Kilometer des Höhenwanderwegs. Während die Busse die Tagestouristen nach einem kurzen Stopp wieder mitnehmen, bleiben einige Hartgesottene, um trotz noch geschlossener Berghütten den Wanderweg zu begehen. In zehn Stunden sei die Strecke bis zur Küste zu schaffen, verriet mir ein Isländer vor einigen Tagen.

Wir kehren nach zwei Stunden wieder um, was sich als weise Entscheidung herausstellt. Noch bevor wir unser Auto erreichen, setzt dichter Regen ein. Wir hoffen für die Bergwanderer, dass ihnen Ungemach erspart bleibt.

Übrigens: Mit Thórsmörk verbinden wir auch den Verlust eines Nummernschildes an unserem Mietwagens in 2010. Irgendwie ist das beim Furten damals abhanden gekommen... Diesmal war das Kennzeichen immer oberhalb der Wasserlinie.



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