Ankunft in Island und eine Panne

Von den Färöern bis Island ist es nur noch ein Katzensprung von knapp 15 Stunden. Dennoch kann die Zeit lang werden, wenn man - wie ich - aus Sorge vor der Zollkontrolle versucht, schnell noch all die mitgeführten aber leider mit einem Einfuhrverbot belegten Lebensmittel aufzuessen und sich auf dem rollenden und stampfenden Schiff den Magen strapaziert... Der nächste Morgen: Land ist in Sicht und der Himmel knallblau. Ich flitze an Deck und knipse mit der Handykamera genau ein Foto - dann gibt der Akku auf. So bleibt mehr Zeit zum Staunen. Islands Küste wie ich sie noch nie sah: mit Schnee bedeckte schwarze Berge. Schnee, jede Menge Schnee ... viel zu viel Schnee! Majestätisch gleitet die Norröna in den Fjord. Es fühlt sich an, als würden wir mit einem Schiff durch die Alpen zu fahren. Nach vier Jahren sind wir wieder da und haben das Gefühl, nach Hause zu kommen.

Es dauert, bis das Autodeck frei wird. Und als wir endlich von Bord dürfen, beginnt das große Abenteuer. Bei strahlenden Sonnenschein tuckert Oschi den Pass hinauf nach Egilstaðir. Links und rechts verbergen sich unter sanft geschwungenen, blendend weißen Schneemassen schroffe Hänge. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Gut, dass so ein Laster die Berge nicht gerade hinauf fliegt.

In Egilsstaðir bunkern wir Lebensmittel, dass die Kreditkarte glüht. Erst spät kommen wir aus der Stadt heraus und begeben uns auf der Straße mit der Nummer 92 auf Südkurs. Wieder geht es Pass rauf und Pass runter. Hinter Reyðarfjörður nehmen wir den neuen Tunnel der Straße 96 nach Fáskrúdsfjörður. Auf unserer altgedienten Islandkarte ist der Tunnel noch gar nicht drauf. Die Küstenstrasse windet sich die Ostfjorde entlang. Wir genießen die schöne Aussicht. Noch nie erlebten wir in den Ostfjorden strahlenden Sonnenschein.

Islands Straßen sind meist schmal, wellig und fallen zum Straßenrand hin ab. Schnell merke ich, dass man hellwach sein sollte, wenn man mit größerem Gerät unterwegs ist. Immer wieder zieht es unseren Steyr zum Straßengraben hin. Obwohl auch schwere LKW schneller fahren dürfen, pendelt sich unsere Reisegeschwindigkeit bei angenehmen 60 km/h ein. Teils lässt die kurvige Strecke nicht mehr zu, teils ist es für uns einfach entspannter. Von Verkehr kann man bei einer Handvoll Autos am Tag ohnehin nicht ernsthaft sprechen.

Bald beginnen wir, nach der ersten Bleibe zu suchen. Ein halb verfallenes Bootshaus tief unten am Kiesstrand zieht mich magisch an. Die Abzweigung ist nicht versperrt, kein Schild weist auf Privatgrund hin. Im Vertrauen auf Oschis Kletterfähigkeiten wagen wir uns den steilen Abhang zum Ufer hinab. Da der Platz kaum einsehbar ist, beschließen wir über Nacht zu bleiben.

Am nächsten Morgen zeigen die Ostfjorde leider wieder ihr anderes Gesicht: Es schneit! Die Auffahrt vom Wasser zur 96 hat ein paar Steigungsprozente. Im Kopf gehe ich den Aufstieg durch, Längssperre und Untersetzung, das sollte für den Anfang reichen. Nachdem die Flammstartanlage grünes Licht gibt, drehe ich den Zündschlüssel rum und ... klackklackklack, mehr tut sich nicht. Nach einigem Rätselraten bringt uns ein Telefonat auf die Lösung: die Batterien müssen leer sein. Es ist genug Saft da, um den Anlasser "einzuspuren", doch die Spannung bricht sofort wieder zusammen, daher das schnelle Klackern. Ich prüfe die Batterien einzeln und siehe da, eine Batterie hat nur noch 10 Komma Volt.

Das Problem ist lokalisiert doch nicht gelöst, denn wir stehen an einem einsamen isländischen Fjord! Die ADAC-Mitgliedschaft ist hier nicht viel wert, also helfen wir uns selbst. Ich baue die leere Starterbatterie aus und hänge sie versuchsweise an den Solar-Laderegler. Leider schneit es mittlerweile recht stark und ich habe wenig Hoffnung auf nennenswerten Ladestrom. Mangels Animationsprogramm ist die Zeit auf unserer Seite und die Lektüre von "The Wonderful Wizzard of Oz" sollte mich ein paar Stunden beschäftigen (passt ja auch thematisch). Ab und an lässt das Schneegestöber nach und der Laderegler bringt irgendwoher ein paar Ampere zusammen. Nach einiger Zeit stelle ich ein Knistern fest, in den Zellen perlt es wie Kohlensäure. In einer Zelle sehe ich schwimmende Bruchstücke von irgendwas. Das soll bestimmt nicht so sein. Es geht immer das kaputt, womit Du nicht rechnest. In der Hoffnung, dass es für einen Startversuch reicht, baue ich die Batterie wieder ein. Schlüssel rein, Flammstartanlage, grünes Licht, Schlüssel rum - Brummm! Motor läuft. Puuhhh...

In Reyðarfjörður finden wir schnell eine passende Starterbatterie. Isländer sind überdurchschnittlich freundlich und hilfsbereit. Jeder Einheimische, den wir treffen, bricht sich einen ab, um uns weiterzuhelfen. Vergeblich flehe ich den Werkstattmeister noch an, mir den Preis nicht in Euro umzurechnen, doch er erhört mich nicht. Nun denn, ein herber Verlust in der Reisekasse ist immer noch besser als gar keine Reise.



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