Von den Färöern zum Polarkreis

Vom Ankommen...

Gerade eben rechtzeitig bekamen wir unser Expeditionsmobil zur Testfahrt reisefertig. Der Umfang an Umbaumaßnahmen verhielt sich umgekehrt proportional zur verbleibenden Zeit bis zum gebuchten Fährtermin. Vielleicht bauen wir beim nächsten Mal erst das Auto fertig, bevor wir die Reise buchen. Etwas überstürzt packten wir unsere sieben Sachen, verstauten kistenweise Ausrüstung und brachen zum Fähranleger nach Nord-Dänemark auf. Einige hundert Fahr- und Fähr-Kilometer später machten wir für zwei Wochen Station auf den Färöern, wo wir uns behutsam an das LKW-Reisen herantasteten.

Da wildes Campen auf den Färöern offiziell untersagt ist, tingelten wir von Campingplatz zu Campingplatz. Mit einem Zelt mag man sich noch irgendwo in den weitläufigen Bergen und Tälern verstecken können, mit einem LKW ist das kaum möglich und drängt sich auch nicht auf. Die Infrastruktur der Campingplätze ist erfrischend einfach und wir trafen auf höchstens einen anderen Camper. Mit Ausnahme von Vestmanna. Dieser Platz ist fest in Hand lokaler Wintercamper. Hier steht zwar Wohnwagen an Wohnwagen, aber bei einer Aufbauhöhe von fast 3,70 m kann uns keiner die Aussicht verstellen.

Nach der intensiven Endphase des Fahrzeugbaus nutzten wir die zwei Wochen hauptsächlich zum Ausruhen und zur Eingewöhnung an das Leben im Auto. Gelegentlich bastelten wir auch etwas, denn hier und da musste noch ein Stromkabel verlegt oder ein Kleinteil im Baumarkt besorgt werden. Abgesehen davon verbrachten wir eine ruhige Zeit. Hinter uns Schafe, vor uns das manchmal stürmische Meer. Denn auch hier gilt: Jeden Tag jedes Wetter. Heute zum Beispiel spielt Tórshavn die ganze Klaviatur des färöischen Regens für uns durch: leichter Nieselregen, Nieselregen mit Sturm, Nieselregen mit Sonnenschein im Wechsel, Platzregen, Landregen, Regen von links, von rechts, von vorn und von hinten, von oben und sogar von unten.

...Innehalten...

Das Landesinnere der Färöer ist ideal, um zur Ruhe zu kommen, sprich: nicht sonderlich aufregend. Überwiegend grün-braun ondulierende Hügelketten, dazwischen das Meer, hier und da ein Wasserfall oder eine nette Steinformation. Viel unterhaltsamer ist es, mit einem der zahllosen Tourenanbieter per Boot die Steilküsten abzuklappern. Wir gönnten uns eine Fahrt durch Wind und Wetter und fanden aberwitzige Auswaschungen, spannende Höhlen, abgrundtiefe Schluchten, abenteuerliche Tunnel und schwindelerregende Brücken. Die Färöer sollte man auf jeden Fall einmal zu Wasser erkunden.

Wir hatten immer regen Kontakt zur örtlichen Bevölkerung und alle waren sehr, sehr nett und interessiert. So sprach sich unser Steyr anscheinend schnell auf der kleinen Inselwelt herum, denn in Vestmanna wurden wir schon auf dem Campingplatz erwartet. Der Besitzer - im Hauptberuf aktiver Kapitän, von der Pike auf gelernt - ist ein sehr hilfsbereiter und kommunikativer Kerl. Uns versorgte er mit frisch gefangenem Fisch und ordentlichem Bier. Überhaupt Bier, das wird hier gefühlt eher unter der Ladentheke verkauft.

In Tórshavn versuchten wir, Ersatz für einen angefressenen Kompressorschlauch zu bekommen. Ein Staplerfahrer, den wir ansprachen, lief jedem Klischeedenken zuwider. Er sprach Englisch und Deutsch und war der Manager des ansässigen Betriebes. Ja, ein solcher Schlauch, wie ich ihn suche, sollte sich im Shipyard finden lassen. Allerdings wäre ich hier nicht im Shipyard und den Weg dahin würde ich mit unserem 12-Tonner auch kaum finden. Ob er mich nicht schnell hinfahren solle? Dankbar nahm ich das Angebot an. Auf der Fahrt offenbarte er dann profunde Kenntnisse unserer Heimat- und Altstadt und genuiner Düsseldorfer Spirituosen. Das Wissen hatte er sich auf beruflichen Fortbildungen ebenda angeeignet. Johann übernahm auch erfolgreich die Verhandlung für mich und mit einem passenden Stück Schlauch kehrten wir zurück. Johann, simply give me a call when you're in D again!

...und Loslassen

Wir knipsten nur wenige Bilder auf den Färöern, denn die meiste Zeit war der Erholung gewidmet. In wenigen Tagen geht die Reise weiter nach Island, wo die Idee zum LKW-Reisen geboren wurde. Es ist nicht der erste Besuch dort, aber einer mit ganz anderen Möglichkeiten. Diesmal bleiben uns die 4x4 Pisten nicht mehr verschlossen und diesmal können wir uns ohne Eile oder feste Reiseroute treiben lassen.



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