Über das Reisen

video mundum - ich sehe die Welt
video mundum - ich sehe die Welt

Etwas treibt mich immer wieder an, meine gewohnte Umgebung zu verlassen, mein gemütliches Zuhause, die vertrauten Menschen, mein ritualisiertes Leben. Mich locken fremde Länder mit fremden Regeln und einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich will hinaus, will mir meinen Weg aufs Neue suchen.

Ich lerne gerne, alles mögliche. Dinge, die ich noch nicht weiß. Fertigkeiten, die ich noch nicht kann. Auf Reisen lerne ich mit allen Sinnen. Ich lerne das Land kennen, seine Geschichte und manche seiner Menschen. Ich lerne zu improvisieren und über meinen Schatten zu springen. Ich mache Fehler und lerne daraus. Ich sehe wie andere Menschen ihre Welt gestalten. Welche Möglichkeiten sie haben und welche nicht. Ich sehe, welche Lösungen fremden Gedanken entspringen und füge sie meinen hinzu.

Eine Reise reinigt mich. Der Ballast der häuslichen Routine, der Staub eingefahrener Bahnen fällt von mir ab. Ich verliere mein dickes Fell, das ich mir zugelegt habe, weil ich muss, wie ich soll. Weil ich nicht so kann, wie ich will. Kein Gestern verfolgt mich, kein Morgen bedrängt mich. Keiner kann mich verpflichten, ich bin nicht da. Ich bin frei. Die Sonne scheint wieder bis in die Seele. Die Augen sind weit offen. Ich muss nichts entscheiden, nichts bewerten, kann alles so lassen wie es ist, kann einfach nur sein. Der Kopf wird frei. Ich fühle mich neu und unverbraucht.

Jede Reise ist die Erfüllung der Versprechen, die die Welt mir als Kind verhieß. Bevor ich mich entschied, für das eine und damit gegen das andere. Bevor ich mich verpflichtete, dies zu tun und jenes zu lassen. Bevor ich wurde, wer ich bin. Eine Reise ist Urlaub von mir selbst.

Auf Reisen lebe ich nur für den Augenblick. Es gibt keinen festen Tagesablauf, keine Aufgabenliste für die nächsten Tage. Ich kann stundenlang aufs Meer schauen, das Spiel der Wellen beobachten, die Kraft der Gezeiten erahnen. Oder in den Himmel, der sich in einer nie enden wollenden Symphonie von Sonne und Wolken, Licht und Schatten, in jedem Augenblick neu erschafft.

Ich bin neugierig auf die Welt. Es ist das Neue an sich, das mich reizt, der Zauber des Unbekannten. Das Neue verspricht viele Möglichkeiten. Stell Dir vor, was wäre wenn... Ich stelle mir vor, ein ganz anderes Leben an einem ganz anderen Ort zu führen. Ein Neubeginn, geheimnisvoll, verführerisch. Eine Reise ist eine andere Form des Daseins in einer anderen Welt.

Eine Reise hat erst dann stattgefunden, wenn ich wieder zu Hause angekommen bin. Ich komme gerne nach Hause. Zuhause weiß ich, was mich erwartet. Das Gewohnte und Vertraute ist mir lieb, ich brauche Sicherheit und Geborgenheit. Zuhause gönne ich mir eine Pause von den Anstrengungen der Reise, erhole mich, genieße den komfortablen Luxus des häuslichen Lebens. Jede Reise hinterlässt Spuren im Körper, im Gedächtnis, in der Seele. Zuhause sortiere ich die vielen neuen Eindrücke, die meine Sicht auf die Welt vervollständigen und mich dadurch verändern.

Bis heute habe ich nur einen Bruchteil der Welt gesehen. Mein Hunger ist noch nicht gestillt. Wieder will ich hinaus, die Welt sehen, die wilde, ungezügelte Kraft und Lebendigkeit der Natur.



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