2014/17: Kurz vor knapp

Oschi 1.0 bei der Tachoeichung
Oschi 1.0 bei der Tachoeichung

Wie im Rausch ist diese Woche vergangen:

Aufstehen, schuften, dazwischen kurz Essen herunterschlingen, weiterschuften, auf die Toilette müssen aber nicht gehen wollen, in der Nacht nach Hause schleppen, den Wecker stellen, kurz schlafen, aufstehen und weiterschuften, kein Gefühl mehr für Zeit oder Datum, schmerzende Finger, Hunger, Durst, hier bezahlen, da bezahlen, ständig fehlen Kleinteile, Schrauben, viel zu viel Material wartet noch auf den Einbau, Probleme, nicht passende Maße, Fehler beim Einbau, alles wieder rausreißen, Einbau wiederholen, nochmal, und nochmal, Auto leihen, Teile besorgen fahren, im Internet Teile bestellen, Lieferprobleme, Storno, woanders bestellen, Porto hier und Porto da, Materialmangel, nachbestellen, Werkzeug suchen, planlos hin- und her laufen, aufräumen, Werkzeug nicht finden, Werkzeug kaufen, verlorenes Werkzeug wiederfinden, bestellte Teile passen nicht, Zeit verinnt, Tag, Nacht, ich weiß es nicht mehr...

So viele Teile warten noch auf den Einbau, so viele Ideen würde ich gerne noch realisieren, um schon auf der ersten Reise davon zu profitieren. Andererseits, wozu der Stress, das ganze dient doch dem Ziel, entspannt zu reisen. Also gibt es nur einen spartanischen Ausbau - und im Minimalismus steckt viel Positives.

So war das dann die letzte volle Schrauberwoche und das Highlight dieser Woche war ganz klar der TÜV-Termin am Donnerstag: bestanden ohne Mängel. Trotzdem wäre die HU fast gescheitert, da ich keine Tachoprüfung mehr vorweisen konnte (die war bei der Lackierung der Hütte verloren gegangen). Ich hatte schlicht nicht bedacht, dass ich über 7,5 to eine Tachoprüfung brauchen würde. Mit Unterstützung des Prüfers konnten wir noch schnell eine dazwischenschieben. Oschi ist nun ein So.Kfz Begleitfahrzeug blablabla mit zGm 9,9 to (Leergewicht 7,8 to).

Wir haben fertig

Ein spannendes Jahr ist vergangen und wer den Umbaublog gelesen hat, weiß um die Umstände der Entstehung unserer Mobilie. Wir sind - denke ich - ein gutes Beispiel dafür, was man auf die Räder stellen kann, auch wenn man rein gar nichts hat, was man dafür braucht:

  • Zur Beginn konnten wir auf nichts zurückgreifen, was man zum Aufbau eines Allrad-WoMo benötigt, keine handwerkliche Ausbildung, kein Know-How, keine Erfahrung, kein Werkzeug, kein Netzwerk an Kontakten, keinen Platz. Wir starteten mit ein paar Schraubendrehern und -schlüsseln, einer Supermarktbohrmaschine und einer 20 EUR-Stichsäge. Wovon wir genug hatten, war der Ehrgeiz, alles selbst auszuprobieren (wobei auch viel schief ging).
  • Wir haben weder eine Halle noch eine Garage, nicht einmal einen Keller zur Wohnung. Eine lange Suche und Klinkenputzen blieben ohne Erfolg. Wir schraubten im Freien am Auto, zwei Winter bei Minusgraden und Nieselregen und im Sommer in der prallen Sonne. Erst im zweiten Winter durften wir für den Kabinenbau einen Unterstand unseres absolut großartigen Schlossermeisters mitbenutzen.
  • Trotz regulärer Berufstätigkeit und vieler beruflicher Reisen schraubten wir ein ganzes Jahr lang gemeinsam bis zu 50 Stunden pro Woche am Auto. Obwohl wir fortwährend zwischen Panik und Zuversicht schwankten und manche Nacht bange wach lagen, versuchten wir, uns nicht auf die Risiken, sondern auf die Chancen zu konzentrieren. Auch wenn es pathetisch klingt, ohne den anderen hätten wir das Projekt niemals angefangen, durchgestanden und bis hierhin gebracht.

Diese Umbaudoku wird nun eine Pause machen. Oschi ist zwar nicht fertig - als wenn man mit einem Hobby jemals fertig werden wollte - aber nutzbar. Die erste Probefahrt steht an. Ich danke allen, die ihre Umbauten im Netz dokumentiert haben, so dass ich von ihnen lernen konnte. Wer in diese Doku einen Blick wirft, findet hoffentlich auch nützliche Tipps (z.B. wie man es nicht machen sollte) oder fühlt sich wenigstens gut unterhalten :-)



Kommentare: 1
  • #1

    Thorsten Kuttig (Montag, 09 Januar 2017 15:51)

    Mein lieber Scholli...äh..Oschi :)
    Ja, was eine Wahnsinns-Arbeit. Habe gerade das Video "herman-unterwegs" gesehen und dachte mir, ich schau mal vorbei...
    Für all das hier muss ich mir mal einen Tag Zeit nehmen, denn mein Weibchen und ich haben ähnliches vor.

    Euer Oschi ist echt sackstark geworden...und das für zwei eigentlich Unerfahrene.
    Da fällt mir vor Respekt fast der Kiefer runter ;)

    Aber mal im Ernst:
    Wir stehen noch am Anfang und die ersten Preise/Angebote haben mir wieder den Kiefer auf dem harten Boden zerschmettert.
    Ihr schreibt von "geringem finanziellen Einsatz".
    Darf ich ganz devot näher fragen, wie "gering" dieser war?

    ...und...ist das zufällig eine Kabine von Rustikab oder hat er euch beraten?

    Würde mich sehr über ein feedback freuen.

    Liebe Grüße, weiterhin gute Fahrt und schade, dass man sich in Marokko nicht über den Weg fuhr, aber vielleicht hat man sich doch gesehen und nur nicht beachtet?
    (Wir waren mit zwei aufgerockten JEEP Wranglern bis vor ein paar Tagen dort unterwegs)

    Thorsten von TRAVELcandies-On-Tour