2013/28: Heute gilt es!

Es ist Sonntag, der 15.09., und die Sonne lacht - ein gutes Zeichen. Heute soll Oschi wieder nach Hause kommen. Nach einigen seltsamen Vorgängen auf dem Betriebsgelände ist unser Vertrauen geschwunden und wir möchten unseren Steyr in Sicherheit wissen. Außerdem sind zuhause auch die Wege kürzer. 

Wir kommen kurz nach 10 Uhr an und legen los. Dass 11 Stunden Arbeit vor uns liegen, ist uns noch nicht klar.

Wir beginnen mit den lauten Arbeiten, die wir zu Hause nicht gut machen können: Aussägen der neuen Innenverkleidung.

Aussägen Türverkleidung Steyr 12M18
Aussägen einer neuen Türverkleidung

9 mm Siebdruck ist das Material der Wahl. Etwas überzogen denke ich, aber einen Versuch wert.

Die Rollenverteilung sieht heute so aus: Während sie sich um die drängenden Arbeiten kümmert, spiele ich mit der Elektrik.

Die Dachluke wird von innen mit Owatrol gestrichen. Dem Dichtprofil der Dachluke ist nicht zu trauen, kaum ein 12M18 hat keinen Wasserschaden am Himmel.

Eine Rolle Schwerschicht wird im Innenraum verklebt.

Die Frontblende, bisher stiefmütterlich ignoriert, wird angeschliffen und schwarz lackiert. Ein letzes Mal Kompressor und Pistole, oooohhh :-(

Heute gehen schon drei Blinker vorne (war ich gestern auf einem Auge blind?). Ich schaue mir den toten Seitenblinker an. Ah, ich erinnere mich, ein früher Kollateralschaden. Der Blinker war vom Kabel abgerissen worden. Das Kabel steckt tief in der Kunststoffröhre des Kotflügels und ich muss den Trittkasten abschrauben, um das Kabel ziehen zu können. Dieser Umweg ist allerdings meinen Vermessungskünsten bei den Bohrungen des Trittkastens geschuldet. Etwas später ist der Erfolg auf meiner Seite, vier Blinker vorn gehen: Check!

Beim blinden Scheinwerfer ist die Glühbirne defekt. Ich wechsel sie aus und: Fiat Lux! Oder: 2:0 für mich.

Leider ist die Beleuchtung hinten immer noch komplett tot, obwohl alle Birnchen ok sind. Ich verfolge den Kabelstrang bis zur vordersten Quertraverse, alles ok. Dann werfe ich einen Blick in den Sicherungskasten. Uuups, zwei lose Stecker? Ja, ich erinnere mich... Mit den hergestellten Steckkontakten sieht es schon besser aus: Alle Blinker gehen, ein Rücklicht links und ein Bremslicht rechts, kein Rückfahrscheinwerfer. 4:2 für Oschi. Nun ja, ein bißchen Schwund ist immer. Zum Nach-Hause-Fahren sollte es reichen.

Während sie bei den vorderen Dreiecksfenstern die Dichtung verstärkt, fahre ich den Stapler spazieren, denn die Pritsche will zur Abfahrt wieder montiert werden. Diese soll als Grundlage für eine Wohnkabine verstärkt und anschließend gestrahlt und lackiert werden, dann aber aus Zeitgründen an anderer Stelle.

Ich räume die Pritsche, die seit dem Kauf als Lager dient, leer. Auch das Ersatzrad muss aufgrund der Gewichtsverteilung raus. Dann hebe ich sie mit dem Stapler an, greife einmal um und habe sie schließlich hoch und halbwegs sicher auf der Gabelverlängerung. Da rangieren mit dem schwankenden Trumm nicht gut geht, stelle ich den Stapler ab und will Oschi passend darunter stellen.

Montage der Pritsche auf dem Steyr 12M18
Montage der Pritsche auf dem Steyr

Jetzt folgt ein hartes Zirkeltraining. Runter vom Stapler, rein in Oschi, paar Zentimeter fahren, raus aus Oschi, rauf auf den Stapler. Und das ganze nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Zentimeter für Zentimeter positionieren wir Oschi parallel unter die Pritsche und die Pritsche näher am Rahmen.

Es gibt ein paar Tücken, z.B. dass die Gabel falsch unter der Pritsche positioniert ist, ich kann die Pritsche so nicht ablassen, weil ich sonst den Tankstutzen massakrieren würde. Also alles wieder zurück auf Start.

Irgendwann sind wir wieder so weit. Oschi muss nur noch wenige Zentimeter rückwärts fahren, um die hervorstehenden Längsträger der Pritsche unter dem Fahrerhaus einzufädeln. Alles geht gut ... bis ... ich Oschi abstellen will. Die Feststellbremse greift, der Rückwärtsgang ist draußen, ich lasse die Kupplung los, aber der Gang ist noch drin! Ich hab die Geländeuntersetzung drin, um feiner rangieren zu können, das Drehmoment ist hoch und Oschi ruckt zweimal nach hinten.

Es rummst. Ein Schrei. Kühlwasser spritzt und qualmt. Ich bekomme Oschi zum Stehen, drehe mich um und sehe die Pritsche bedrohlich schwanken. Verd..., wenn die jetzt runter aufs Auto fällt...

Schnell raus und den Schaden begutachten. Die Längsträger der Pritsche durchtrennten einen Kühlwasserschlauch am Wasserkasten. Und schrammten den Fahrerhausbügel an. Und meine hochgelegte Differentialentlüftung kratzte ein paar Punkte Lack von der Rückwand. Sonst ist nichts passiert! Ich habe einen riesen Bock geschossen aber mehr Glück als Verstand gehabt. Es finden sich sogar ein passender Messingfitting und Schellen, um den Schlauch zu flicken.

Nach einer Schreck-Pause geht es in die Verlängerung und diesmal geht alles glatt. Die Pritsche findet gaaaanz laaaagsam ihren Platz. Der Tankstutzen ist natürlich wieder im Weg, weil ich bei dem Unfall die Pritsche um ca. 15cm auf der Gabel nach hinten geschoben habe. Mit Unterleghölzern und einmal umgreifen ist das aber getan.

Zugabe gefällig? Leider kann ich die Gabel nicht komplett rausziehen, hinter dem Stapler ist zu wenig Platz zum Rangieren. Also bleibt die Gabelverlängerung stecken und ich fahre den Stapler so weg. Die Gabelschuhe wuchten wir dann von Hand aus dem Unterrahmen der Pritsche raus.

Neu trifft Alt: restauriertes Fahrgestell mit Original-Pritsche
Neu trifft Alt: restauriertes Fahrgestell mit Original-Pritsche

Mit vier Schrauben wird die Pritsche gesichert, dann ist das Schlimmste geschafft. 100 weitere Details müssen noch gemacht werden (u.a. diverse Druckluftverbinder, hintere Stahl-Kotflügel, Seitenmarkierungsleuchten, Gurt/-peitsche, große Aufräumaktion, usw.) und schnell wird es dunkel. Aber, wir sind abfahrbereit!

Bis darauf, dass ich den Weg nach Hause um die Umweltzone herum fast nicht finde, geht alles glatt. Oschi läuft tadellos und raucht nur am Anfang etwas, aber er stand ja auch über vier Monate.

Übrigens: Von Standplatten merke ich auf der Heimfahrt nichts, ob das schon die Wirkung der Auswuchtperlen ist?

Dieses Wochenende schraubten wir zu zweit fast 40 Stunden und fühlen uns beide nun wie 80. Alles, wirklich alles tut weh. Kleine und größere Blessuren sind nicht ausgeblieben. Aber wir haben es geschafft, Oschi ist "in Sicherheit".



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