2013/1: Auftakt

Da ist er also, der Steyr 12M18. Mit ihm hat die lange Suche ein Ende und das Allrad-LKW-Expeditionsmobil-Projekt kann beginnen. Eigentlich hatte ich mich schon vor über einem Jahr auf diesen Typ festgelegt. Aber dann war da die Sache mit der 7,5 to-Grenze und dem großen Laster-Führerschein. So kam es noch zu einigen Irrwegen und Verwirrungen bis wir schließlich bei Aigner Trucks im schönen Oberbayern fündig wurden.

Warum musste es gerade dieses Fahrzeug sein? Weil der Steyr 12M18 an Antriebs-, Motor- und Fahrwerktechnik alles mitbringt, was seinerzeit state-of-the-art war: Permanent-Allrad, drei Sperren, Parabelfedern, Turbodiesel-Motor, Scheibenbremsen, uvm. Und weil das Fernfahrerhaus groß genug für zwei Personen und viel Gerödel ist, aber nicht wie eine Doppelkabine zu groß ist und unnötig Aufbaulänge verschenkt. Und weil mir das Karosserie-Design auf Anhieb gefiel!

Franz Aigner montierte für uns schlauchlose Räder in der Größe 14.00 R 20 und einen zweiten Originaltank. Als Startpunkt hier noch ein paar "wie-alles-begann"-Bilder vom grünen Monster: in Ermangelung frühzeitiger Dokumentationsbestrebungen leider nur als Links auf die Referenzen unter Franzens Homepage: hier, da und dort.

Ziemlich groß ist er und nicht ganz billig war er. Und wie das bei Autos immer so ist, ab jetzt wird es immer nur noch teurer. Aber ich wollte ihn unbedingt haben. Am 3. März holten wir den Laster in Bayern ab. Die 700 km Überführung nach Düsseldorf meisterte die beste aller frisch gebackenen LKW-Fahrerinnen mit Bravour - während ich auf dem Beifahrersitz mit einem Männerschnupfen vor mich hin vegetierte. Nur etwa 16 Liter Diesel gönnte sich der Steyr im Durchschnitt auf 100 km, ein Wert, der so niedrig ist, dass ich ihn kaum glauben kann. Inzwischen steht das Objekt der Begierde ganz in der Nähe und hört auf den Namen Oschi.

Jetzt, wo der Truck da steht, stellt sich in der Bekanntschaft vielen Leuten die Frage, was wir damit eigentlich anfangen wollen. Die Antwort ist einfach: Ungebunden und komfortabel reisen! Inspiriert durch einige Outdoor-Urlaube machten wir uns viele Gedanken um die idealen Reisebedingungen. Frei von Beschränkungen der Infrastruktur und unabhängig von vorgefassten Reiserouten möchten wir sein. Zu kleinen Zugeständnisse an Heizung, Toilette und Bad für den nötigen Komfort sind wir bereit, wollen aber unterwegs nicht auf ein Stück sicheres Zuhause als Rückzugsmöglichkeit verzichten. Seit unserem Islandtrip im Jahr 2009 bewegten sich die Gedanken vom Rucksackreisen zum Fahrradanhänger, über Geländewagen bis zum Transporter mit Allrad. Irgendwann entdeckte ich im Internet zum ersten Mal ein LKW-Wohnmobil. Ab da war es um mich geschehen. Ein Allrad-LKW musste es sein! Aber die anfängliche Euphorie wich schnell ernsthaften Zweifeln: Wo könnten wir den Umbau vornehmen? Was würde das kosten? Wie unpraktisch wäre ein großer Laster im normalen Alltag? Alles hat eben seine Vor- und Nachteile. Irgendwann kam ich mit rationalem Abwägen nicht mehr weiter, meine Gedanken drehten sich im Kreis. Schluss damit, die Chefin entschied: Wir werden es ausprobieren! And here we are...

Der Plan - d.h. soweit man es einen Plan nennen kann - lautet wie folgt: Innerhalb eines Jahres soll die Mobilie grob reisefertig sein. Aufgrund begrenzter Mittel wird es kein High-Tech-Showmobil werden, das Ziel ist vielmehr ein No-Stress-Mobil: praktisch, bodenständig und zuverlässig. Als Wohnkabine hat die Projektleitung einen Eigenbau aus Holz-Sandwich/Fachwerk vorgesehen. Darüber kann man geteilter Meinung sein (was wir auch sind), aber es sprechen einfach einige gute Gründe dafür. So finden wir weder einen fertigen Aufbau in unseren Wunschmaßen, noch können wir uns einen solchen zeitnah bauen lassen. Und als Selbstbauer wiederum trauen wir uns kein anderes Material zu.

Da der Steyr doch etwas mehr Rost im Detail zeigt als bei der Besichtigung wahrgenommen, soll er einmal gründlich aufgearbeitet werden. Im Vorfeld sprach ich bei einigen Strahl- und Lackierbetrieben in der Gegend vor. Die meisten winkten ab, ein ganzes Fahrzeug am Stück zu strahlen. Sie wollten einzelne Teile sehen. Am Ende fand ich eine Kooperationsmöglichkeit in der Nähe, bei der ich die gewünschte Demontage in Eigenleistung erbringen kann (bzw. muss). Knapp drei Monate schrauben wir nun schon am Steyr und was mir anfangs wie ein üppiger Zeitplan vorkam, erscheint nach den ersten spärlichen Erfolgen inzwischen sehr sportlich.

Nebenbei bemerkt: Obwohl das mein erstes Projekt dieser Art ist, läuft es bislang erstaunlich gut. Bei den von mir angesprochenen Handwerkern treffe ich durchweg auf Begeisterung und Hilfsbereitschaft. Empfehlungen und Kontakte kommen fast von allein. Wir bekommen erstaunlich viel Unterstützung angeboten, das hätte ich so nie erwartet!

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