Innenausbau in Theorie und Praxis: Das Bett

CAD-Skizze Bettkasten
CAD-Skizze Bettkasten (früher Entwurf)

Der Steyr 12M18 verfügt über ein Fernfahrerhaus mit einer Liegefläche hinter den Sitzen. Um darauf schlafen zu können, muss man sich allerdings sehr klein machen. Unser eigentliches Schlafzimmer planten und realisierten wir deshalb im Wohnaufbau. Wer eine große Doppelkabine als Fahrerhaus sein eigen nennt, verfügt hier über einen zusätzlichen Freiheitsgrad. Dieser Artikel beschreibt, welche theoretischen Möglichkeiten wir sahen und für welche pragmatische Lösung wir uns entschieden. Denn obwohl die stylischsten Designs die meiste Aufmerksamkeit bekommen, sind es am Ende die bewährten einfachen Lösungen, die den größten Wohnwert bieten.

Theorie...

Das Bett - egal ob Doppel-, Klapp- oder Stockbett - ist eines der größten Möbelstücke einer Wohnkabine (wenn nicht sogar das größte Möbelstück überhaupt). Sinnvollerweise wird es aufgrund seines Platzbedarfs möglichst früh geplant. Es bietet sich an, das Bett an das ein oder andere Kabinenende zu verbannen, dann verbleibt für die übrige Wohnfläche ein harmonisches Rechteck. In der Regel wird das Bett raumfüllend quer eingebaut; es geht aber auch längs, wenn man den Raum neben dem Bett für einen Schrank, ein Badezimmer oder ganz luxuriös einfach als freien Bewegungsraum nutzen will.

Die möglichen Einbaulagen und ihre Vor- und Nachteile:

Hinten quer

Das Bett ist aus dem Weg und die verbleibende Grundfläche ein einfach zu beplanendes Rechteck. Beim Doppelbett müssen die Schläfer übereinander hinweg krabbeln, was nicht jedem genehm ist.

Vorne quer

Siehe hinten quer. Beim Einbau vorn sollte das Bett in der Höhe beweglich sein, denn ein Festeinbau steht einem komfortablen Durchstieg ins Fahrerhaus meist entgegen (Ausnahme: Stockbett).

Längseinbau

Wird meist für Einzelbetten und Stockbetten gewählt, wobei der Zugang dann über den Flur erfolgt. Ein schmales längs eingebautes Bett muss sich nicht unbedingt am Kabinenende befinden.

Bei einem längs eingebauten Doppelbett gelangt jeder Schläfer über das Fußende auf seine Liegefläche, ohne den anderen zu stören. Neben dem Bett verbleibt ein sehr schmaler Raum, der nicht einfach zu nutzen ist. Für einen Schrank oder ein Bad ist ein Raum von 2 Meter Tiefe zu groß, so dass sich anbietet, hier zusätzlich den Eingangsbereich hin zu verlegen. Eventuell kann der Raum von außen zugänglich gemacht werden, z.B. als Mopedgarage.

Festeinbau vs. Flexbett

Beim Festeinbau erspart man sich das tägliche Aufbauen des Bettes. Dafür ist der Raum, den das Bett einnimmt, fest vergeben und lässt sich kaum anderweitig nutzen. Da das Bett nur zum Schlafen benötigt wird, steht damit tagsüber weniger Wohnraum zur Verfügung. Von Alkoven-Wohnkabinen einmal abgesehen ist das insb. bei kleinen Kabinen unter 4m Länge und/oder mehr als zwei Personen von Nachteil, wenn z.B. ein Regentag zu einem längeren Aufenthalt in der Kabine zwingt.

Dem gegenüber bietet ein Bett zum Klappen, Ausziehen oder Herunterfahren mehr Flexibilität. Ein Klappbett wird tagsüber ganz (Einzelbett) oder zur Hälfte (Doppelbett) an die Kabinenwand geklappt. Beim Auszugsbett kann man eine Hälfte unter der anderen verstauen. Ein Bett zum Herunterfahren wird unter Nutzung einer Hub- oder Zugvorrichtung unter dem Kabinendach aufbewahrt. Schließlich lässt sich auch aus einer großen Sitzgruppe mit Hubtisch ein Bett bauen. Bei jeder flexiblen Lösung muss ausreichend Platz für Matratze und Bettwäsche berücksichtigt werden (ausreichend in dem Sinne, dass es nach dem Benutzen auslüften kann!).

Ein flexibles Bett lässt sich nur dort aufbauen, wo über dem Bett freier Raum vorhanden ist. Das ist üblicherweise über der Sitzecke bzw. der Küche oder im Flur der Fall. Je nach Kabinenlänge kann das dann den großen Zapfenstreich für alle Bewohner gleichzeitig bedeuten, wenn nach Aufbau des Bettes aus Platzgründen ein weiterer komfortabler Aufenthalt in der Kabine außerhalb des Bettes nicht mehr möglich ist.

Einbauhöhe

Mit Ausnahme eines Stockbettes bietet auch die Einbauhöhe eines Bettes einige Gestaltungsmöglichkeiten. Da der Raum unter dem Bett gut nutzbarer Stauraum ist, findet sich selten ein niedriger Einbau knapp über dem Boden. Besser wird ein Bett in mittlerer Höhe eingebaut und darunter ein großzügiger Stauraum realisiert. Als Freiraum über dem Bett reicht ein Meter sehr gut aus. Bei einer Innenhöhe der Kabine von zwei Metern ergibt sich abzüglich Lattenrost und Matratze eine üppige Stauraumhöhe von 80cm. Diese Resthöhe reicht auch für eine Sitzecke unter dem Bett. Selbst darunter verbleibt dann immer noch genug Stauraum (sofern nicht gerade das Ersatzrad unter der Sitzgruppe aufbewahrt werden soll). Im Falle eines Stockbettes schrumpft der Stauraum auf das Maß des unteren Bettkastens.

... und Praxis

Wir sind keine Freunde davon, Dinge des täglichen Bedarfs ständig von links nach rechts zu räumen. Daher bevorzugen wir ein hinten quer fest eingebautes (Doppel-)Bett, was die Länge der Kabine auch hergibt. Wir testeten dieses Modell erfolgreich. Klar, der hintere Schläfer muss über den vorderen hinweg steigen. Aber das ist kein so großer Mangel, dass wir deswegen die Nachteile eines Längseinbaus in Kauf nehmen wollten. Da sich die Eingangstür vorn befindet, wäre der Raum neben dem Bett zum größten Teil verloren gewesen. Matratze und Bettzeug verbleiben immer an Ort und Stelle und können dort gut auslüften.

Das Bett ist auf mittlerer Höhe eingebaut. Die Wohnkabine hat eine Stehhöhe von 201,4 cm über dem Innenboden über der Fußbodenheizung. Lattenrost (belastet 7 cm) und Matratze (16 cm) sind zusammen 23 cm hoch. Der theoretische Freiraum über dem Bett beträgt 90 cm; praktisch sogar mehr, da Lattenrost und Matratze beim Sitzen im Bett nachgeben. Der Bettkasten ist über Abstandshalter 30 mm von den umgebenden Kabinenwänden abgesetzt, um der Fußbodenheizung eine freie Luftzirkulation zu ermöglichen. Viele runde Ausschnitte in den Flächen (Lochsäge) dienen dem freien Luftaustausch und der Gewichtsersparnis. Die Konstruktion ist filigran, ohne dass Steifigkeit in praxisrelevantem Ausmaß verloren geht.

Der Lattenrost ist im Bettkasten über Springaufbeschläge klappbar. Unter dem Lattenrost befindet sich ein zwar flaches aber riesiges Staufach. Der vordere Boden des H-förmig unterteilten Staufachs kann entnommen werden, um von innen an den Stauraum zu gelangen. Die Springaufbeschläge von Häfele sind eine geniale Konstruktion, da sie beim Hochklappen nicht ausschwenken sondern sich zur Mitte der Grundfläche hin nach oben aufstellen. Ein simples Klappscharnier wäre nicht in der Lage, ohne zusätzlichen seitlichen Platzbedarf für Lattenrost und Matratze nach oben zu schwenken. Zur Montage auf den Beschlägen musste der Lattenrost mit Multiplexstreifen erweitert werden. Die Montage der Beschläge am Bettkasten war nicht trivial aber experimentell lösbar.

Trotz Quereinbau reicht das Bett nicht über die ganze Kabinenbreite. Am Fußende des Bettes fand ein weiteres Staufach Platz, das später mit einem gepolsterten klappbaren Deckel verschlossen wird (die Polsterung verlängert die Liegefläche). Darüber wird das Schlafzimmer durch ein von der Wand abgesetztes offenes Regal ergänzt. Das Regal hat auf zwei Ebenen insgesamt sechs Fächer. An den Außenseiten hängen hinter der Verkleidung Drahtkörbe zur Aufnahme von Wäsche, in der Mitte befindet sich ein doppelstöckiges Bücherregal. Einen früheren Plan für ein sehr stylisch anmutendes Regal mit kreisrunden Ausschnitten in der Frontverkleidung, indirekter Beleuchtung und interessanten Farbkontrasten setzten wir aus reinem Pragmatismus nicht in die Tat um: Das Absetzen von der Wand zum Zwecke der Hinterlüftung wäre sehr aufwändig geworden, zu viel nutzbarer Platz wäre verloren gegangen und der Inhalt des Regals wäre nicht einsehbar gewesen.

Der Raum unter dem Bett ist ein von beiden Seiten aus zugänglicher großer Stauraum. Davon sind beifahrerseitig ca. 60 cm Tiefe reserviert für Ersatzteillager mit einem Kisten-Regalsystem. Die andere Seite bleibt verwendbar für Koffer, Kisten, Kästen und sonstiges Campinggerödel. Die Nutzbarmachung der Heckschräge erfordert eventuell ein Einbauregal.

An der Vorderseite ist das Bett links und rechts an den Zwischenwänden aufgehängt. Auf je 63 cm Breite stützen diese Stehwände das Dach gegen Schwingen oder Durchhängen ab. Die Wände sind in 32 mm dicker Holz-XPS-Sandwich-Bauweise konstruiert. Die Wandstärke ist zur Erfüllung der Stützfunktion nötig, damit sich die Wände bei Belastung nicht durchbiegen. Im oberen Drittel sind beide Wände zugunsten eines offeneren Raumgefühls ausgeschnitten. Die Wände halten durch umlaufende hölzerne Führungsstege an Ort und Stelle.

Baumaterial Holz

Der Bettkasten ist wie alle unsere Möbel aus Holz gebaut. Damit besitzen Möbel und Kabine den gleichen Temperaturausdehnungskoeffizienten. Die Befestigungspunkte der Möbel an den Kabinenwänden können daher trivial ausgeführt werden. Es bedarf keiner Langlöcher oder beweglicher Elemente, um eine unterschiedliche Längenausdehnung in der Konstruktion aufzufangen, ohne die es z.B. bei der Verbindung von GFK und Aluminium zu Rissen oder Brüchen kommen kann.

Weitere entscheidende Vorteile von Holz sind:

  • Je nach Holzsorte ist das Baumaterial sehr leicht und trotzdem sehr stabil.
  • Holz besitzt durch seine offenporige Oberfläche zum Verkleben beste Hafteigenschaften.
  • Holz lässt sich nahezu in jeder benötigten Dimension besorgen oder herstellen.
  • Holz kann ohne übertriebene Sorgfalt verschraubt werden (durch eine zusätzliche Verschraubung muss bei Verklebungen keine Trockenzeit abgewartet werden).
  • Holz fühlt sich immer warm an, besitzt eine angenehme Haptik und durch die Maserung eine ästhetische Optik (zugegeben, Schönheit ist subjektiv).
  • Holz verzeiht Bearbeitungsfehler, lässt sich gut ausbessern und nachbearbeiten (zur Not einfach überstreichen).

Nicht zuletzt verarbeiten wir Holz, weil noch Restbestände aus Bauphase I vorhanden sind.

Zu den Nachteilen von Holz:

  • Unbehandelt nimmt Holz sehr leicht Schmutz an und ist schlecht sauber zu halten.
  • Selbst wasserfest verleimtes Sperrholz eignet sich unbehandelt nicht für eine Nasszelle.
  • Für maßhaltige Bauteile eignet sich nicht jedes Holz, da es bei Feuchtigkeit aufquillt und bei Trocknung schrumpft.
  • Unbeschichtetes Holz splittert gern und reißt an Schnittkanten und Bohrlöchern leicht aus, wodurch die Optik schnell verliert.

Um Gewicht zu sparen, verarbeiten wir überwiegend dünnwandiges Sperrholz in 6 oder 9 mm Stärke. Möbelverbindungen über Rund- oder Flachdübel und Nut und Feder sind damit kaum möglich. Unser Möbelbau erfolgt in einer Leistenbauweise, bei der die Verbindungsstücke aus Holzleisten bestehen. Modernere und wohl auch elegantere Bauweisen bedienen sich vorgefertigter Beschläge aus verzinktem Lochstahl oder U-/L-Profilen aus Aluminium. Metallische Verbinder tragen in den Möbelinnenraum geringer auf als unsere Holzleisten, die ein Mindestformat von 20 x 20 mm benötigen. U-Profile sind eine sehr elegante und unauffällige Lösung, um Flächen stumpf zu befestigen. Trotz fehlender Eleganz ist die Leistenbauweise handwerklich zeitaufwändig, hat für uns aber den großen Vorteil sehr flexibel zu sein. Und mit der Flexibilität in der Verarbeitung sinkt der Planungsaufwand.

Holzleisten enstehen oft als Abfallprodukte oder sind sehr günstig zu beschaffen (< 1 EUR pro lfd m). Die Leisten aus Massivholz oder Multiplex-Abschnitten werden mit den Sperrholz-Flächen über die ganze verfügbare Länge verleimt und verschraubt. Auf diese Weise wird bei allen Möbelkanten eine großflächige Verbindung möglich, die erfahrungsgemäß hoch belastbar ist. Außer Spanplatten-Schrauben und Kleber werden bei der Leistenbauweise keine weiteren Materialien eingesetzt. Die verleimten und geschraubten Verbindungen sind so stabil wie organisch gewachsen, und von der dauerhaften Haltbarkeit konnten wir uns beim Abriss des ersten provisorischen Innenausbaus restlos überzeugen.

Impressionen

Die Bilder zeigen einen veralteten Zwischenstand. Da zur Zeit an allen Ecken und Enden der Kabine gewerkelt wird, ist es vorerst kaum möglich, das fertige Schlafzimmer vernünftig ins Bild zu setzen. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Bilder ausgetauscht bzw. ergänzt. 

Im Hintergrund kann man den verkleideten Gegenrahmen der neuen Reserveradhalterung erkennen.

Nachtrag

Leider können wir immer nur eine Lösung umsetzen. Hinweise von Euch auf weitere praxistaugliche oder sehenswerte mobile Schlafplätze sind deshalb willkommen!



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Kommentare: 1
  • #1

    Wohnmobilbewohner (Montag, 14 Dezember 2015 02:02)

    Hey, ich habe ein Klappbett in meinem Wohnmobil verbaut. Das kann ich nur empfehlen! Der Bettenumbau dauert knappe 30 Sekunden, alles kann auf dem Tisch stehen bleiben und selbst eine Sitzgelegenheit bleibt noch übrig.
    Ich habe die Funktionsweise meines Bettes erst kürzlich in einem kleinen Video dokumentiert und in einem Text so eine Art "Bastelanleitung" dazu geschrieben.
    Schaut es euch mal an:

    http://www.myhomeismycar.com/forum/viewtopic.php?f=11&t=1009&p=9121#p9121

    Das Bett wird seit dem Jahr 2000 täglich verwendet. Wie mein Name vermuten lässt wohne ich in meinem Humpen :-) 365 Tage im Jahr. Die Technik hat sich also bewährt.

    Grüße von Unterwegs